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Amerika´s Kinder: über Kindererziehung im Ausland.

„Laughter is timeless, imagination has no age and dreams are forever.“

Walt Disney hat mit diesen Worten sicher in schönster und prägnantester Weise beschrieben, welcher Zauber einer Kindheit einhergeht. Unsere Kindheit prägt uns ein Leben lang und ist der Ursprung unseres Denkens, Handels und Fühlens.
Walt Disney prägt die Kindheit insbesondere amerikanischer Kinder bis heute. Eine 30-minütige Autofahrt von unserem zu Hause und wir können in Disneyland noch einmal mit eintauchen in die Magie, die auch uns Erwachsene heute noch ein Stück weit in unsere Kindheit zurückversetzt.

 

Doch auch über den großen Teich hat Disney einen großen Einfluss auf die Kinder in der ganzen Welt ausgeübt. Und auch wenn obige Worte mit Sicherheit die Welt der Kinder auf bezaubernde Art und Weise beschreibt, wird jede Kindheit zu einem großen Teil von dem Land und der Kultur, in der sie sich entfalten darf, geprägt.


Ich war ein Kind in Deutschland und all die Werte, die Kultur und der gesellschaftliche Umgang beeinflussten meine Persönlichkeit und meine Wertvorstellungen. So liebe ich es heute, meiner Tochter dabei zu zusehen, wie sie in große Pfützen springt, Sand in Unmengen isst und (fast) die ganze Welt mit ihren Händen entdecken darf. In einem Land, in dem Hygiene und Keimfreiheit mitunter die höchste Priorität haben und bei jedem Kinderfreizeitangebot als einer der wichtigsten „Vorteile“ angegeben wird, wie hygienisch und sauber Spielpark XY ist, werde ich von Amerikanern auf ihre freundliche, unterschwellige Art oft etwas schräg angeschaut.

Ich nehme die Werte aus meiner Kindheit mit und gebe sie an meine Tochter weiter. Dennoch stellt sich die Frage, wie groß auch der Einfluss der Kultur ist, in der sie aufwächst.ie

Sicher wird sich das schlagartig ändern, sobald sie eine Tagesbetreuung besucht und die Amerikaner nun auch wirklich Einfluss ausüben können. In diesem Punkt hadere ich noch oft mit mir, ob ich mich dabei wohl fühle, welchen Weg die Amerikaner wählen.


Aber ist das überhaupt meine Aufgabe?

Besuche ich mit meiner Tochter einen Indoor-Spielplatz, werde ich überrascht von einer farbfrohen, leuchtenden Plastikwelt. Eine scheinbar heile Welt. Meine Tochter läuft los, wird von all den Attraktionen in den Bann gezogen und möchte sich voller Euphorie austoben. Und dann mache ich mit jeder neuen Entdeckung meiner Tochter ebenfalls an jeder Ecke eine neue Entdeckung, die sich in Form von Richtlinien bemerkbar macht. Babies und Kleinkinder dürfen keine Bälle und Bauklötze in den Mund nehmen, die Eltern dürfen keine Spielzeuge und Gerätschaften berühren, etc. Immer auf Tafeln in freundlichem Babyblau. Damit wir alle fröhlich bleiben, während das sabbernde Baby in seiner oralen Phase von seiner Mutter zum x-ten Mal den wunderschön leuchtenden pinken Schaumstoffball aus dem Mund entfernt bekommt. Zeitgleich beobachte ich die Mitarbeiterinnen, die ohne Pause jedes Spielzeug desinfizieren, nachdem ein Kind es angefasst hat. Und sollte die Mitarbeiterin noch etwas übersehen haben, dürfen die Eltern gerne selber zu Staubsauger und Desinfektionstuch greifen. Die Keime lauern überall…

Ich sammle diese Erfahrungen und zweifle sie mit meinem deutschen Hintergrund sehr an. Doch was zweifle ich an? Zweifle ich an, dass die Kinder durch diese heile bunte Pseudo-Welt eine gute Kindheit haben und später glücklich sein können? Dann sehe ich all diese freundlichen, lebensbejahenden Amerikaner und frage mich, ob sie wirklich eine solch schlechte Kindheit gehabt haben können. 

Was, wenn Amerika´s Kinder trotz sämtlicher aus meiner Sicht „unmöglichen“ Umgangsformen und Wertvorstellungen eine bezaubernde Kindheit haben? Und in vielen Situationen eine schönere als die deutschen Kinder, weil es durch die freundliche und liebevolle Art weniger Hänseleien gibt?


Kann das möglich sein?

Ich erinnere mich gerne an meine Kindheit in Deutschland. Und dennoch habe ich in Deutschland so viele negative Eigenschaften wie Neid, Missgunst und Pessimismus erleben müssen, die mich traurig gemacht haben und wegen derer ich heute hier bin. Und wenn der Weg zu solch einer Persönlichkeit mit Hygienesprays und Richtlinien gepflastert ist, wird meine Tochter auf diesem Weg dennoch den Dreck vom Boden in ihre Hände nehmen und auf Steinen herumlutschen.

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