Foto: Anna Frost

Anna Frost: „Ich will etwas machen, das Martha Stewart, Pippi Langstrumpf und Beyoncé gut finden würden“

Anna Frost hat ihren Lifestyle-Blog „Fashionpuppe“ aufgegeben. Wir haben mit ihr über ihre nächsten Pläne und die Veränderungen gesprochen, die ihr neues Familienleben mit sich gebracht hat.

 

„Ich habe eine emotionale Achterbahnfahrt durchlebt“

Acht Jahre lang hat Anna Frost ihr Blog „Fashionpuppe“ mit Liebe und
Leidenschaft vorangetrieben, verändert, neu gestaltet – und dann kam der Punkt,
an dem es für sie nicht mehr weiterging. Doch was hat sich verändert? Vor allem
sie selbst, aber auch der Blick auf das Leben. Mit den Jahren – und auch der
eigenen Familie – sind andere Themen wichtiger geworden, während andere immer mehr in den
Hintergrund rückten. Was sie nun Neues in petto hat, warum die Schwangerschaft
eine emotionale Achterbahnfahrt für sie war und Zeit nun ihr kostbarstes Gut
geworden ist, hat sie uns erzählt.

Anna, du hast dein erfolgreiches Blog „Fashionpuppe“ nun nach acht Jahren
aufgegeben. Was hat dich dazu bewogen und wie fühlt sich das an? Wie ein
Befreiungsschlag?

„An Weihnachten saß ich mit meinem Partner Jakob zusammen und kam das erste
Mal seit einiger Zeit wieder dazu, mal die Gedanken treiben zu lassen. Emma war
gerade sechs Wochen alt und hatte unsere Welt ziemlich auf den Kopf gestellt.
Ich sagte dann das erste Mal laut, was mich seit meiner Schwangerschaft
begleitet hat: Irgendwie fühlt sich ,Fashionpuppe‘ nicht mehr so richtig an. Der
Name war von Anfang an ein wenig ironisch gedacht und passte eben damals ganz
gut. Aber irgendwie jetzt nicht mehr. Um meinen 29. Geburtstag herum setzte ich
mich dann das erste Mal hin und formulierte den Gedanken, das Blog zu
schließen und etwas Neues aufzubauen. Das fühlte sich überraschend gut an! Ich
habe das nur wenigen Leuten erzählt, aber die fielen ziemlich aus den Wolken und
waren sich nicht sicher, ob das ein guter Schritt sei. Ich war aber schon
längst mit Design- und Namensfindung zugange.“ (lacht)

Du sagst, letztlich haben dich auch selbst auferlegte Regeln für „Fashionpuppe“ eingeengt. Warum war es dir trotzdem wichtig, sie einzuhalten –
und lieber das Blog aufzugeben?

„,Fashionpuppe‘ ist in meinen Augen an einer Stelle einfach stehen geblieben,
hat sich nicht weiterentwickelt, wie ich es getan habe. Ich habe das Problem
zwar erkannt, konnte aber für mich nicht genau eruieren, wie ich es ändern
könnte. Ich habe Redesigns gemacht, neue Kategorien hinzugefügt, sie wieder entfernt, hatte Gastautoren und und und. Ich habe einige Leserinnen und
Leser, die sind mir seit acht Jahren treu. Die lesen jeden Beitrag, kommentieren
oder sind still und melden sich nur ab und an per Mail. Für so ein
schnelllebiges Medium wie das Internet, ist ein wenig Beständigkeit natürlich
wertvoll. Darum schien es mir wichtig, meine selbst aufgestellten Regeln
einzuhalten. Aber es passte einfach nicht mehr. Und es fühlte sich nicht
passend an, die Regeln am alten Ort neu aufzustellen, zu ändern. Ein
Ortswechsel musste her. Ebenso ein Namenswechsel. Die Zeit war reif!“

Familie und Mutter geworden zu sein verändern Menschen. Du
sagst zum Beispiel, ein gemeinsames Essen sei nun wichtiger als ein neues
Parfum. Macht das Familienleben einen zwangsläufig bodenständiger?

„Ich glaube nicht, dass man sich von jetzt auf gleich verändert, wenn man
Mutter wird. Man hat glücklicherweise im besten Fall um die 40 Wochen, um zu
verstehen und zu begreifen, was da passiert ist, was gerade passiert und was
noch passieren wird. Ich hab da im wahrsten Sinne eine Achterbahnfahrt mit
allen Höhen und Tiefen durchgemacht, Schwangerschaftsdepressionen,
Zukunftsängste und der Panik, dass sich alles verändern wird – obwohl man es
doch von Herzen gewollt hat. Eine Schwangerschaft ist nicht immer easy. Ich
wünschte, meine wäre es gewesen. Dennoch war es eine wahnsinnig wundervolle
Zeit, die mich ein Stück weit hat erwachsen werden lassen. Leidenschaften für gemeinsame
Essen hatte ich schon immer. Ich war oft diejenige, die gerne alle zu uns nach
Hause eingeladen und bekocht hat. Aber wird man Mutter – und das können
vielleicht einige nachvollziehen – da verschieben sich einfach Prioritäten, man
wird gelassener und sieht Dramen, die einen letztes Jahr noch an die Decke
gehen ließen, mit anderen Augen.“

Welcher Faktor spielt Zeit für dich? Als Lifestyle-Bloggerin warst du
schließlich ziemlich viel unterwegs. Hattest du mit schlechtem Gewissen zu
kämpfen oder eher mit Sehnsucht?

„Zeit, ja, Zeit ist mittlerweile ein extrem kostbares Gut geworden. Wirst
du Mama, dann bekommst du sehr viele Ratschläge, Tipps und Tricks. Der
häufigste war: ‚Schlaf, wenn das Baby schläft!’ Bei mir ist daraus ‚Arbeiten,
wenn das Baby schläft!’ geworden. Zum Glück schlief Emma schon recht früh die
Nächte durch und hält sich dank meiner strengen Einhaltung der täglichen
Routinen auch an die Zeiten der Mittagsschläfchen. Somit arbeite ich in
Etappen. Wochenenden sind bei uns wahnsinnig kostbar und jede Minute wird bis
ins Kleinste ausgekostet und genutzt. Seit einiger Zeit gönne ich mir den Luxus
und habe eine Nanny, die regelmäßig unter der Woche für ein paar Stunden vorbei
kommt und auf Emma aufpasst, während ich Termine wahrnehmen und einiges
abarbeiten kann. Sobald Emma ein Jahr alt ist, wird sie in eine Kita gehen. Die
erste Zeit hatte ich wirklich mit wahnsinniger Sehnsucht zu kämpfen, denn ich
konnte nicht mal eben zu Terminen, ohne vorab zu klären, ob ich mein Baby
mitnehmen kann oder wer dann von den Freunden auf sie aufpasst. Die
Verwandtschaft wohnt leider nicht in direkter Nähe. Auch stehen manchmal Reisen
an, die über mehrere Tage gehen und da ist dann wirklich Planung gefordert,
denn Jakob arbeitet Vollzeit in einer Digitalagentur und muss sich dann frei
nehmen, wenn die Termine nicht rein zufällig am Wochenende sind. Aber alles ist
machbar und bisher hat es immer locker und easy geklappt!“

Du hast das Bloggen aber nicht aufgegeben, sondern bereits ein neues Blog
gestartet. Dort wird es um starke, unabhängige Frauen gehen. Kannst du uns
etwas zu deinem Konzept erzählen?

„Das Bloggen ganz aufgeben? Das könnte ich nicht! Dafür schreibe ich viel zu gerne. Und auf meinem neuen Blog Fafine
gibt es keine Themen, die nicht angesprochen werden sollen. Dafür habe ich den
Hinweis auf dem Blog, dass ich Contributor suche. Wer was zu sagen hat, eine
Thema hat, für dass sie brennt – dann will ich dem eine Plattform geben. Ob nun
ein politisches Thema, Wirtschaft oder die erste Periode. Mir geht es nicht mehr um den schnellen Konsum, mal eben einen Artikel
zwischen Tür und Angel zu schreiben – das will ich nicht mehr! Ich will, dass
man sich ein paar Minuten zurückziehen und ausruhen kann und nicht direkt nach
fünf Zeilen weitergeschickt wird. Ich möchte, dass Leserinnen und Leser wieder
ihre Geschichten und Meinungen in den Kommentaren schreiben können und sich
wohl fühlen, weil sie Geschichten und Meinungen lesen.“

Fehlt dir das in der Blogger-Landschaft?

„Ich vermisse bei vielen Blogs den Drive, den sie mal hatten, als ich sie
mal entdeckt und mich vom neuesten Beitrag bis zum Letzten durchgeklickt habe,
weil ich total gefangen von den Geschichten und Bildern war. Ich erwische mich,
dass ich Blogposts überfliege, weil sie leider ein eigentlich spannendes Thema
oberflächlich touchieren. Ich will tiefer gehen. Und ich will auch Themen
ansprechen, von denen ich glaube, dass sie wichtig sind. Ich will einen Ort,
den Martha Stewart, Pipi Langstrumpf, Joan Rivers und Beyoncé gut finden
würden.“ (lacht)

Hast du Bedenken, dass deine Leser den „Umzug“ mitmachen werden? Dass sie „Fashionpuppe“ und Anna Frost nach acht Jahren überhaupt noch trennen können?

„Es ist schon vor Jahren passiert, dass ich Anna Frost und ,Fashionpuppe‘ getrennt habe. Anna Frost ist zu einer Marke geworden und ,Fashionpuppe‘ trat
mehr und mehr in den Hintergrund. Es gibt keine Fashionpuppe-Fanpage mehr auf
Facebook, sondern die von Anna Frost. Youtube läuft auch mit Anna Frost, ebenso
Instagram, Twitter und andere Social Kanäle. Auf Corporate-Blogs schrieb ich
unter meinem Namen Anna Frost, nicht als ,Fashionpuppe‘. Die Trennung habe ich
also bereits stark forciert. Aber ja, ich hatte wirklich Angst, dass einige
sagen: ‚Nö, den Umzug mach ich nicht mit.’ Was ich auch verstehen würde, denn
sie waren es gewohnt auf ,Fashionpuppe‘ die Beiträge zu lesen. Aber letztendlich
bin noch immer ich es, welche die Beiträge schreibt, nur jetzt mit einer
kleinen Änderung im Konzept, dass etwas erwachsener geworden ist.“

Und jetzt eine Frage, die du gar nicht magst: Wie sind deine Träume für die
nächsten fünf bis zehn Jahre? Hast du Pläne gemacht? Schließlich musstest du im
Zuge der Aufgabe von „Fashionpuppe“ doch sehr viel über deinen weiteren Weg
nachdenken.

(lacht) 

„Der Aufbau von Fafine.de steht nun im Vordergrund. Zudem sitze
ich nun verstärkt mit meinem Team von 2L Management zusammen und plane weitere Dinge, die die nächsten Jahre umgesetzt werden
sollen. Manches darf ich leider noch nicht erzählen. Es gilt natürlich, die
Marke Anna Frost weiter zu stärken und bestehende Kooperationen zu vertiefen. Ich glaube, dass ich mit Fafine.de einen Ort geschaffen habe, wo ich
mich auch noch in fünf Jahren sehe. Und das fühlt sich toll an!“


Alle Artikelbilder: Anna Frost

Mehr bei EDITION F

Anna Frost: „Mein Baby soll kein Werbebaby werden“ Weiterlesen

Nike van Dinther: „Ich bin ein Fuchs, wenn es darum geht, effizient zu sein“ Weiterlesen

Anna Luz de Leon: „Mama blogg das ja nicht!“ Weiterlesen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

About Zeen

Power your creative ideas with pixel-perfect design and cutting-edge technology. Create your beautiful website with Zeen now.

Weitere Beiträge
Christoph Bornschein: „Steht mit Vehemenz für das ein, was euch wichtig ist“