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3-Tage-Woche: Weniger Arbeit, mehr Geld – Kann das funktionieren?

Eine verkürzte Arbeitswoche und dadurch mehr Freizeit – für viele ein Traum. Doch klappt das überhaupt ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten? Die Autoren Elias Vorpahl und Dominik Lang erklären in ihrem Buch, wie es gelingen kann.

 

Tue weniger, erreiche mehr

Arbeitnehmer*innen sind am produktivsten, wenn sie nur 28 Stunden die Woche arbeiten. Für viele von uns ist diese Erkenntnis nichts Neues. Trotzdem trauen sich tatsächlich nur wenige diesen Schritt zu gehen und weniger zu arbeiten. Elias Vorpahl und Dominik Lang zeigen in ihrem Buch „Die 3-Tage-Woche: Weniger Arbeit mehr Geld“ einen Weg auf, die tägliche Arbeitszeit zu reduzieren und Gehaltseinbußen auszugleichen. Mit nützlichen Tipps und Tricks, geben sie einen Ausblick darauf, wie sich jeder seinen individuellen Ausgleich zwischen Arbeit und freibestimmter Zeit schaffen kann. Wir stellen euch einen Auszug vor:


Ein Leben mit einer 3-Tage-Woche scheint unmöglich? Elias Vorpahl (links) und Dominik Lang (rechts) beweisen das Gegenteil. Quelle: Prosathek | Privat

Einfach so zu Hause bleiben?

Die Teamassistentin kam letztens auf mich zu. Es waren die ersten Tage im neuen Jahr, und viele Kollegen waren noch im Urlaub. „Elias, ich hab hier eine Mail von der Personalabteilung erhalten, dass wir einen neuen Praktikanten bekommen. Die wollen jetzt wissen, wo er sitzen soll. Wir haben doch gar keinen Platz mehr. Die Arbeitsplätze sind alle belegt. Weißt du etwas darüber?“
„Ja, warte mal, da war was.“ Ich musste nachdenken. „Ich glaube, Björn hat das organisiert. Der Student kommt aber erst im April, wenn ich das richtig im Kopf habe.“„Ah, okay. Na dann“, sagte Melli. „Dann eilt das noch nicht. Da finden wir etwas.“ „Mit Sicherheit“, antwortete ich. „Ansonsten ist Björn nächste Woche wieder zurück. Dann kannst du auch noch mal mit ihm sprechen.“

„Sag mal, ist es bei dir im Moment auch so ruhig?“, fragte Melli und ergänzte dann: „Ich bin das überhaupt nicht gewohnt. In meinem alten Team gab es immer etwas zu tun. Jetzt bin ich schon froh, wenn so eine Mail von der Personalabteilung kommt.“Ich war gerade dabei, eine Dienstreise nach Italien vorzubereiten. Ich sollte dort ein mögliches Investment prüfen und konnte mich über zu wenig Arbeit nicht beklagen. „Das hat bestimmt mit den Feiertagen zu tun“, sagte ich, „oder ist es jetzt schon länger so?“ „Seit dem Wechsel merke ich es extrem“, antwortete Melli. „Ich versuche mich schon, für Projekte in den Nachbarabteilungen anzubieten. Aber ich will mich auch nicht zu sehr aufdrängen. Nicht, dass die nachher alle genervt sind.“

„Puh, nicht so einfach“, antwortete ich. „Ich hatte das mal in einem Praktikum. Da gab es überhaupt nichts zu tun. Ich fand das schrecklich.“ „So schlimm ist es nicht. Ich bin das von der alten Abteilung einfach nicht gewohnt. Letztens bin ich schon um vier Uhr nach Hause gegangen. Ich dachte mir, bevor ich dumm herumsitze. Die Kollegen haben dann sofort gefragt: ,Warum gehst’n du so früh?‘ Und sogar der Nachbar bei uns im Kiosk hat mich darauf angesprochen.“
„Oje. Und, was hast du gesagt?“ „Na ja, ich habe gesagt, wie es ist. Dafür kann ich ja nichts. Aber es ist ein komisches Gefühl, so früh zu Hause zu sein. So, als ob man was Unrechtes tut. Und man hat gleichzeitig das Gefühl, unnütz zu sein. Ich will ja eigentlich etwas leisten. Aber wenn mir niemand eine vernünftige Aufgabe gibt …“ 

„Ja, das glaube ich dir, ich kann das nachvollziehen“, sagte ich und musste an das Buch denken, das ich gerade schrieb. „Du, ich habe hier auf jeden Fall ein paar Sachen, die du mit Sicherheit gut erledigen könntest. Das nächste Mal, wenn ich was habe, sage ich dir Bescheid. Okay?“ „Klar. Jederzeit“, antwortete Melli. „Ach so, und viel Erfolg bei deiner Reise. Ich habe gesehen, du bist morgen in Italien.“ „Danke“, sagte ich etwas geistesabwesend. Ich musste immer noch über ihre Worte nachdenken. Melanie fühlte sich schon schlecht, wenn sie mal um 16 Uhr nach Hause ging. Wie würde das sein, wenn sie eine 3-Tage-Woche hätte? 

Dem Leben einen Sinn geben

Wenn man sich im Leben Ziele setzt, ist man manchmal so darauf fixiert, diese zu erreichen, dass man darüber ganz vergisst, darüber nachzudenken, wie es sich wohl anfühlt, das Ziel zu erreichen. Man kennt das vielleicht, wenn man sich nach einem langen Urlaub sehnt, in dem man mal nicht verreist, sondern einfach zwei Wochen zu Hause bleibt. In der ersten Woche fühlt sich das gut an. Man atmet auf und tankt neue Energie. Am Anfang der zweiten Woche taucht dann vielleicht schon das erste Mal die Frage auf, was man eigentlich mit der vielen Zeit anfangen soll, die einem plötzlich zur Verfügung steht.

Bei dem Ziel, nur noch drei Tage die Woche arbeiten zu wollen, stellt sich die gleiche Frage. Wie fühlt es sich überhaupt an, an einem Montagmorgen im Bett liegen zu bleiben? Alle anderen um einen herum gehen zur Arbeit. Man selbst hat aber acht Stunden zur freien Verfügung, in denen man sonst im Büro sitzt. Je länger man schon fünf Tage die Woche gearbeitet hat, desto komischer fühlt sich das an. Mein Vater hat mit 14 Jahren angefangen zu arbeiten. Als er nach 47 Jahren im Beruf nach einem Herzinfarkt in Frührente gehen musste, ist er erst einmal in ein tiefes Loch gefallen. Zuvor hatte sich alles in seinem Leben um die Arbeit gedreht. Freundschaften hatte er nicht gepflegt. Er war auch in keinem Sportverein mehr. 

Der Sinn seines Lebens bestand für ihn darin, für seine Familie zu sorgen. Dafür hatte er hart gearbeitet, was ihn glücklich gemacht hatte. Als er dann unfreiwillig Rentner wurde, musste er zuerst wieder lernen, mit seiner freien Zeit umzugehen. Es hat ungefähr zwei Jahre gedauert, bis er mit einem Zelt auf dem Gepäckträger quer durch Deutschland geradelt ist – schließlich hat er doch wieder neue Leidenschaften für sich entdecken können. Wenn man die 3-Tage-Woche anstrebt, sollte man deshalb möglichst schon während der Vollzeittätigkeit versuchen, sich auf das Leben in Teilzeit vorzubereiten. 

Ziele setzen und erreichen

Mein Bruder ist Grundschullehrer. Er ist es nicht gewohnt, bis 16 Uhr zu arbeiten. Ein schlechtes Gewissen wie die Assistentin bei mir im Büro würde er bestimmt nicht bekommen. Für ihn ist es normal, sich neben der Arbeit mit vielen anderen Dingen zu beschäftigen, so dass es ihm leichtfällt, seine freie Zeit sinnvoll zu verbringen. Überlege dir für deine 3-Tage-Woche konkrete Projekte oder Aktivitäten, denen du dich in der Zeit, in der du sonst im Büro gesessen hättest, widmen möchtest. Das könnte die Planung einer großen Reise sein, die du schon lange vorhattest. Ein Ehrenamt, das du übernehmen willst. Ein sportliches Ziel, das du erreichen möchtest. 

Bei mir war es die Arbeit an diesem Buch, die es mir leichter gemacht hat, mich während meiner 3-Tage-Woche nicht nutzlos und ohne Aufgabe zu fühlen. Je früher man die 3-Tage-Woche in seinem Leben umsetzt, desto leichter ist es, sich an ein Leben zu gewöhnen, in dem sich Arbeit und frei bestimmte Zeit die Waage halten. Und ich bin überzeugt, dass dies uns nicht nur jetzt, sondern auch in der Zeit nach dem Berufsleben nutzen wird.

aus: „Die 3-Tage-Woche: Weniger Arbeit, mehr Geld“, Ullstein Taschenbuch, 1. Dezember 2017, 235 Seiten, 10 Euro

Das Buch ist natürlich auch bei lokalen Buchhändler*innen eures Vertrauens zu finden. Support your local Book-Dealer!


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