Foto: Gina Schöler/Ministerium für Glück und Wohlbefinden

Audienz bei der Glücksministerin

Wie bitte? Ein Ministerium für Glück und Wohlbefinden in Deutschland? Genau! Seit Januar 2014 widmet sich die selbsternannte Glücksministerin Gina Schöler dem Ziel, Werte für Glück und Wohlbefinden zu definieren und zu festigen.

 

Was bedeutet Glück?

„Glück braucht eine Portion Mut“ – so bringt Gina ihre
bisherigen Erfahrungen und Erkenntnisse auf den Punkt. So banal das für manche
klingen mag, so schwierig scheint es für Menschen im persönlichen Tun. Und für unsere
gesellschaftlichen Strukturen, dafür einen offenen Rahmen zu schaffen. Daher
macht die Gründerin des Ministeriums für Glück und Wohlbefinden mit ihren
Aktionen für jeden Glück erlebbar. Als Impulsgeberin versteht sich die 29-jährige aus Mannheim, um über
individuelle Werte und das, was wirklich zählt,
nachzudenken. Und anschließend aktiv Veränderungen vorzunehmen hin zu
größtmöglicher Lebenszufriedenheit.

„Niemand kann
bestimmen, was Glück genau ist. Dazu ist es viel zu individuell in der
Betrachtung und im Empfinden“, meint sie.

Kreative Aktionen und
honorige Anerkennung

Die Glücksministerin lässt sich etwas einfallen, um die Frage
nach dem Glück unter die Menschen zu bringen. Und findet damit richtig große
Aufmerksamkeit! Ein Picknick-Flashmob zum Abschlussbericht der
Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ sorgte 2013 auf dem Alexanderplatz in Berlin für Rummel. Das Bundesministerium für Justiz
und Verbraucherschutz lud sie ein zu seiner Veranstaltung „Gut leben in
Deutschland – was uns wichtig ist“; da ging es um die Regierungsstrategie! Und eine
thailändische Delegation reiste nach Mannheim um von Gina zu erfahren, wie die
westliche Welt das Wohlbefinden der Bevölkerung positiv beeinflusst bzw. steigert
und was sie daraus lernen können. Demnächst wird sie sich mit Vertretern von Bhutan austauschen, die bereits 1972 Glück zum obersten Ziel der Politik des Landes erklärt haben.

Besonders wichtig findet Gina die Aktionen, bei denen sie ganz
nah dran ist an den Glücksneugierigen: Sie organisiert Kinoabende, Workshops
in Schulen und für Sinnsuchende sowie Umfragen und Bürgerdialoge. Denn sie hat
eben keine allgemeingültige Definition für Glück, will keine Glücksexpertin sein,
sondern ist überzeugt:

„Das muss von den
Menschen, von der Basis kommen. Ich kann dafür nur die Impulse liefern.“

Gina stellt fest, dass Menschen – ob jung oder älter, akademisch
oder weniger gebildet – eine genaue Vorstellung davon haben, was Glück für sie
bedeutet.


Wie kann
Glück ermöglicht werden?

Aktuell gibt es zwar offizielle Parameter, mit denen Glück
und Wohlbefinden sich darstellen und messen lassen (zum Beispiel von der
Regierungsstrategie „Gut leben in Deutschland“ oder die Indikatoren von der
Enquete-Kommission). Nun geht es um die Frage, wie diese in das Leben der
Gesellschaft integriert werden. Die Frage danach sollten sich nach Meinung von
Gina ohnehin möglichst viele stellen. Dann könne man sich an eine Definition
herantasten, die einen breiten Konsens findet. Aus ihren Erfahrungen bislang
weiß sie, was Menschen mit Glück in Verbindung bringen: selbstbestimmte Zeit zu
haben, gute soziale Beziehungen pflegen zu können, Natur zu erleben und sinnhaft
arbeiten zu können
.

Die Glücksforschung habe bereits ein großes Wissen dazu,
vermag es jedoch nicht „auf die Straße zu bringen“, bedauert sie. Da setze sie
an mit ihren kreativen und interaktiven Formaten:

„Wenn Glück erlebbar
wird, dann findet es mehr Bewusstsein. Dann fordern Menschen womöglich zu Rahmenbedingungen
auf, die glücklich machen.“

Die jüngeren Generationen jedenfalls, so bemerkt sie, legen
ihren Fokus stark auf die vier Werte Zeit, Zugehörigkeit, Naturverbundenheit
und sinnhaftes Arbeiten und deutlich weniger auf die Anhäufung von materiellen
Dingen. Zudem stelle sie fest, dass für Menschen gerade in diesen politisch
unruhigen Zeiten die Frage nach der Gestaltung eines guten, glücklichen Lebens
essentiell sei.

Ich betrachte Ginas Engagement damit mindestens als Brücke zwischen
Wissenschaft und Glücksforschung, Politik und selbstbestimmter, demokratischer
Lebensführung. Vor dem Hintergrund der Frage, wie wir gerade auch angesichts
der aktuellen politischen Situation
leben wollen, trifft die Mission des Ministeriums für Glück und Wohlbefinden
damit mitten in den Nerv des Zeitgeschehens.

Glück braucht ’ne
Portion Mut!

Mutig zu sein und sich zu erlauben, quer zu denken und nicht
alles zu ‚zerdenken’ bzw. mal auf den
Bauch zu hören – damit fährt Gina Schöler
als Glücksministerin seit Gründung ihres Ministeriums für Glück und
Wohlbefinden sehr gut. Das riesige Echo ihres Anliegens und Treibens im In- und
Ausland, in der Wissenschaft und Politik bestätigt ihr: Glück braucht ei
ne
Portion Mut und ihr mutiger Entschluss war richtig.

Für Gina wird es nun ernst(er): Sie folgte kürzlich der Einladung des Denkraums für soziale Marktwirtschaft in deren Beirat. Und sitzt mit Vertretern von Global Playern wie Deutsche Bank und Siemens an einem Tisch. Ginas Ruf nach einem Bruttonationalglück stößt damit auf weitere, entscheidende Ohren.

Ob Glück
eine staatliche Hand braucht, ist durchaus strittig. Sogar Bundesminister
Schäuble schenkte Ginas Ansinnen Aufmerksamkeit und warnte „Ich halte es für
gefährlich, eine staatliche Einrichtung haben zu wollen, die für mein Glück
sorgen soll. Wo Staat und Politik sich für das Glück der Menschen zuständig
erklären, da sind wir schnell in einer Diktatur“ und hat womöglich etwas missverstanden.
Gina Schöler geht es ja darum, das jede_r Einzelne zum Glück aller bewusst
beiträgt!
Ich meine: Die
Einführung eines Bruttonationalglücks so wie in Bhutan wäre einfach famos? Was denkt ihr?


Cornelia arbeitet als (Business)-Coach mit den Schwerpunkten Leadership
und Diversity. Seit Dezember ist sie an Bord des Lifestyle-Blog 
ohfamoos – für Menschen, die den Wahnsinn im Alltag
lieben. Denn, stets das Positive und Lösungen zu finden, das entspricht ihrer
Haltung zum Leben.


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