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Dove stellt das Stillen in der Öffentlichkeit zur Debatte – und erntet einen Shitstorm

In Großbritannien hat die Kampagne von „Baby Dove“ Eltern erzürnt, denn sie fragte, ob man Stillen in der Öffentlichkeit ablehnen oder okay finden würde.

 

Stillt eure Babys doch heimlich

„75 Prozent sagen, Stillen in der Öffentlichkeit sei okay. 25 Prozent sagen: Packt die Brüste ein. Wie seht ihr das?“ – Dieser Text steht auf einer neuen Werbung von „Baby Dove“ in Großbritannien, eine Hautpflege Linie von Unilever. Britische Frauen sind nun empört, denn aus ihrer Sicht unterstützt die Kampagne die Gegner von öffentlichem Stillen, ein Thema, dass auch die Öffentlichkeit in Großbritannien immer wieder beschäftigt hat und Proteste mit sich zog.

„75 per cent say breastfeeding in public is fine, 25 per cent say put them away.“

Die „Advertising Standards Authority“, vergleichbar mit dem deutschen Werberat, hat laut eines BBC-Berichtes seit Veröffentlichung der Kampagne schon über 150 Beschwerden von Bürgern erhalten. Darunter solche, die kritisieren, dass „Baby Dove“ damit dem Stillen in der Öffentlichkeit ein negatives Image verleihen würde. 

Die Dach-Botschaft der Kampagne ist mit diesem Werbemotiv wohl ordentlich in die Hose gegangen, denn sie lautet: „We know there’s no right or wrong way to be a parent – only your way.“ Doch Mütter, die schon damit Erfahrung gemacht haben, fürs Stillen in der Öffentlichkeit angefeindet werden, sehen in der Kampagne nicht, dass sie Wahlfreiheit promoten würde, sondern befürchten, dass sie bei unsicheren Müttern das Gefühl verstärken würde, mit einem Stillbaby in Cafés oder an anderen öffentlichen Orten nicht willkommen zu sein. Die Bloggerin Sarah Turner („The Unmumsy Mum“) schrieb in einem offenen Brief an Dove, dass sie mit dieser Kampagne eben auch die Menschen unterstützen würden, die stillende Mütter diskriminieren. Turner schreibt weiterhin: „Keine Frau sollte sich dafür schämen müssen, in der Öffentlichkeit zu stillen.“ Der wer es okay finde, Stillen in der Öffentlichkeit zu verdammen, fände es eben auch okay, wenn Mütter auf Toiletten stillen sollten.

„It’s 2017, Dove, no woman should be made to feel ashamed for feeding their baby in public. If you are standing with people who think breastfeeding in public is not okay, are you also with them if they ask a breastfeeding mum to cover up, or if they think she would be better off sat feeding in a restaurant toilet so it doesn’t cause embarrassment to the other diners who just can’t risk the discomfort of seeing a flash of boob as a baby has his dinner, too?“

Stillende Mütter genießen in Großbritannien rechtlichen Schutz

Die Non-Profit-Organisation „Baby Milk Action“ wandte sich an Mütter und sagte ihnen, sich von der Kampagne nicht einschüchtern zu lassen und stellte noch einmal hervor, dass es in England und Wales seit 2010 illegal ist, eine stillende Mutter zu bitten, einen öffentlichen Ort wie zum Beispiel ein Restaurant zu verlassen. Auch unter schottischem Recht ist es verboten, eine Person in der Öffentlichkeit am Stillen zu hindern. Eine solche Gesetzgebung fehlt in Deutschland bislang, auch wenn eine eindeutige Gesetzeslage leider nicht verhindert, dass so etwas Wichtiges und Natürliches wie ein Baby oder Kleinkind überall füttern zu können, immer wieder debattiert wird. 

Doves Anliegen, verschiedenen Erziehungsweisen Respekt entgegen zu bringen, ging jedenfalls gründlich schief. Denn Mütter aus der Öffentlichkeit zu drängen, wenn sie ihr Kind versorgen und diese Diskriminierung okay zu finden, hat mit Respekt wenig zu tun. 

Die irische Mutter Fiona Carey antwortete Dove dann auf ganz eigene Weise und erklärte, warum Mütter so wütend auf die Kampagne reagierten: „Stillen in der Öffentlichkeit ist kein Thema, das zur Debatte steht. Denn in Irland sind stillende Menschen mit einem Anti-Diskriminierungsgesetz geschützt.“

„It obviously struck a chord with people who are sick of some parts of the media and advertising agencies acting like breastfeeding in public is a topic that’s up for debate. It just is not. In Ireland, breastfeeding people are protected by the same anti-discrimination laws that protect people based on their race, religion and ethnicity. And while I’m sure there are some people who would suggest that certain races or religions shouldn’t be allowed to exist in public, their opinions are generally not legitimised by the mainstream media.“


Bild: Fiona Carey | Facebook

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