Foto: Samantha Sophia | unsplash

Die russische Feministin, Lyubov Kalugina, könnte wegen Memes ins Gefängnis kommen

Der russischen Feministin und Bloggerin, Lyubov Kalugina, stehen wohlmöglich fünf Jahre Haft bevor. Der Vorwurf: Sie habe männerverachtende Inhalte publiziert. Das Absurdeste dabei: Es handelt sich um Memes.

 

Zensur ist, wenn aktivistische Arbeit und lustige Bilder aus dem Netz geklagt werden

Eine Frau mit einer Bratpfanne in der Hand, dazu die Bildunterschirft „Beat up a brute, save russia“ – scheinbar ist ein Posting wie dieses schon Grund genug, um Lyubov Kalugina aus Russland, die, sich selbst als radikale Feministin bezeichnet, ins Gefängnis zu bringen. Die russische Bloggerin wird wegen männerverachtender Inhalte und Anstiftung zur Gewalt gegen Männer angeklagt. Ihr drohen bis zu fünf Jahren Haft. Grundlage für die Anklage sind zwölf Postings auf der in Russland sehr populären Plattform VK und der Artikel 228 des russischen Strafgesetzbuches, der scharf gegen extremistische Inhalte im Netz vorgehen soll. Am 22. August 2018 wurde die Aktivistin zuerst von dem SOVA Center informiert, dass ihr eine Haftstrafe aufgrund von hate speech (Hassrede) drohen könnte. Das SOVA Center ist eine Organisation, die zu Rassismus, Nationalismus und Menschenrechten in Russland publiziert und forscht. Der Spruch unter dem Meme – in der Regel ein Bild, das mit einem Spruch zu einer aussagekräftigen, oft komischen Bedeutung, kombiniert wird – bedeutet so viel wie, „Schlagt einen Mistkerl (einen Unmenschen, einen Grobian), rettet Russland.” – ob das Meme eine Antwort auf die Entschärfung des Gesetzes gegen häusliche Gewalt, das Putin 2017 unterschrieb, war? Wer weiß. Der Kontext ist nicht bekannt. 

Auszuschließen ist allerdings laut Kalugina, dass ihre Inhalte zu irgendeiner Zeit ernstgemeinte Aufforderungen zu Gewalttaten oder Hass gegen Männer gewesen sei. Sie selbst bezeichnet die Klagegrundlage als „Witze über Esel, Vulvas und interfeministische Diskussionen.” Fraglich ist also, ob ihre Postings tatsächlich taktlos und aggressiv waren oder ob sie die Verletzlichkeit eines Mannes und die Angst vor dem Sturz des Patriarchats getriggert haben.

Allerdings: das in Russland sehr angesehene, in manchen Artikeln als Anti-Extremimus-Wachhund bezeichnete, SOVA Center äußerte sich in einem neuen Statement, dass die Anklage, weil es keine bekannten Vorfälle von feministischer Gewalt gäbe, wieder fallengelassen würde. Allerdings wird Kalugina dazu angehalten die „aggressiven Inhalte” von ihrer Seite zu löschen. Anders ausgedrückt könnte dies also heißen: Lösche deine Posts, bevor wieder ein Männer-Ego gekränkt ist und politische Strukturen greifen, die eine patriachale Gesellschaft begünstigen und repressiv gegen die freie Meinungsäußerung vorgehen.


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