Foto: Christina Wunder

Ich brauche eine große Schwester im Job!

Christina schreibt darüber, warum sie in ihrem ersten Job eine Mentorin vermisst.

 

Von Bezugspersonen am Berufsanfang

Es ist aufregend im ersten Job. Alles ist cool, neu und glänzt; man hat Lust sich zu beweisen, hängt sich richtig rein.

Anders als es wohl in einem klassischen Medien- oder Agenturumfeld gewesen wäre, wo es von jungen Volos nur so wimmelt, bin ich hier in meinem eher konservativen Arbeitsumfeld mit Abstand die jüngste. Als Zuständige für Kommunikation und PR ist das gar nicht mal schlimm; man vertraut mir, und das ist Gold wert. „Die jungen Leute werden schon wissen, wie man das macht mit der Kommunikation.“

Aber manchmal hätte ich doch gerne eine Bezugsperson, die ich um Rat fragen könnte: Schreibe ich „Lieber“ oder doch besser „Sehr geehrter“? Ist die E-Mail so in Ordnung? Ist der Lippenstift bürotauglich oder doch etwas zu grell? Als älteste Schwester hatte ich schon zu Hause niemanden, an den ich so manche Frage richten konnte. Die eigene Mutter fragt man einfach nicht dasselbe wie die große Schwester, denn:

Die Distanz ist zu groß

Das Gleiche in Grün begegnet mir jetzt auch beim Berufsstart. So frage ich beispielsweise auch nicht meine 20 Jahre älteren Kollegen ungeniert über all die Dinge aus, die mich umtreiben. Man will sich ja nicht die Blöße geben, die scheinbar einfachsten Sachen nicht kapiert zu haben.

Office Politics ist eine Kunst für sich

Und die lernt man ganz bestimmt nicht an der Uni. Unausgesprochene Regeln, Hierarchien und sensible Befindlichkeiten machen einem das Leben manchmal schwer. Ein Vertreter der ganz alten Schule teilte neulich ein paar seiner Alt-Herren-Weisheiten mit mir – und wies mich auf so manche Dinge hin, die ich angeblich falsch mache. „Kleinigkeiten sind manchmal nicht unwichtig für die Karriere, wissen Sie.“

Ja, das glaube ich sofort. Aber wie lernt man, welche dieser Kleinigkeiten wichtig sind und welche nicht? Wie erkennt man, was okay ist und was nicht, ohne sich selbst permanent mit solchen Sorgen in den Wahnsinn zu treiben?

Fake it till you make it.

Ich meine, man hats ja echt nicht leicht! Plötzlich wird von einem erwartet, dass man nicht nur kompetent, erfahren und kreativ ist, sondern auch stets ausgeschlafen, knigge-fest und stilsicher. Das kann schon mal beängstigend und verwirrend sein, ohne ein direktes Vorbild, bei dem man sich zur Not das Gröbste abgucken und den einen oder anderen Tipp abholen kann. Aber Spaß beiseite, ich gebe mein Bestes; lerne fürs nächste Mal aus meinen Patzern, werde besser.

Und in der Zwischenzeit setze ich mein Pokerface auf. Denn hey, mit ein paar Tricks und der richtigen Kleidung kann man so einige Schweißausbrüche kaschieren, bevor sie jemand entdeckt!

Mein Kollege sagte mal: „Ach stimmt, hab‘ vergessen dass du noch ganz frisch bist. Ich denke immer, du hast schon so viel Berufserfahrung“, und machte mir damit, ohne es zu merken, ein Riesenkompliment – von dem ich tagelang gezehrt habe. „Ha! Da hast du es“, entgegnete ich der fiesen Stimme in meinem Kopf, „so schlimm kann ich gar nicht sein… Und jetzt halt endlich den Mund!“ Ja, Euphorie und Selbstzweifel kommen und gehen im ständigen Wechsel.

Und mein Vorsatz?

Ein bisschen mehr Mut – nicht zu Lücke, sondern zur Frage. Denn nach einer Weile hat man dann doch raus, wen man auch die scheinbar lächerlichen Kleinigkeiten fragen kann – ohne sich gleich als unwissender Anfänger zu brandmarken.

Wie war dein Berufsanfang?

Hattest du jemanden, den du bei der Arbeit alles fragen konntest? Oder musstest du alles auf eigene Faust herausfinden, vielleicht sogar auf die harte, schmerzhafte Tour?

Christina, 26, schreibt in der EDITION-F-Community und bloggt auf Chapter One Mag über den Berufseinstieg, die erfolgreiche Bewerbung und professionelles Eigenmarketing für junge Absolventen. 

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