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Was bringen Vätermonate?

Eine Studie findet nicht viele positive Auswirkungen der Vätermonate – warum skandinavische Forscher sich trotzdem für die „Daddy Months“ aussprechen.

 

Keine positiven Auswirkungen der Vätermonate auf die Karriere der Frauen

In der modernen Familienpolitik im nördlichen Europa wird es gemeinhin als sinnvoll angesehen, einen Teil der Elternzeit nach der Geburt eines Kindes für den Vater zu reservieren: Um ihn stärker in die Kindererziehung und -betreuung einzubeziehen und die klassische Aufgabenverteilung der Geschlechter (Mann geht arbeiten, Frau kümmert sich um die Kinder) aufzuweichen. Finnland, Island, Norwegen und Schweden zum Beispiel haben entsprechende Modelle geschaffen.

Auch in Deutschland hat sich der Begriff der „Vätermonate“ etabliert – für die beiden Monate, die viele Väter zu Hause bleiben, damit das Paar die Maximallaufzeit des Elterngeldes von 14 Monaten in Anspruch nehmen kann. Dabei gerät leider ein bisschen in Vergessenheit, dass es gerne auch mehr als zwei Monate sein dürften.

Vätermonate haben keine Auswirkungen auf Beziehung

Jedenfalls haben norwegische Wissenschaftler untersucht, welche Auswirkungen die Elternzeit norwegischer Väter auf gewohnte Arbeitsteilungsmuster, die Gleichheit der Geschlechter und die Entwicklung der Kinder hatte. Basis sind die im Jahr 1993 in Norwegen eingeführten vier Väterwochen. Die Forscher weisen zu Beginn darauf hin, dass sie sich von dieser eher kurzen untersuchten Erziehungszeit keine dramatische Auswirkungen auf die Entwicklung der Kindes erwarten würden, sondern eher eine langfristige Wirkung auf das Verhalten des Vaters.

Also etwa, dass er später mehr im Haushalt anpackt, wenn er immerhin ein paar Wochen lang Vollzeit mitgekriegt hat, wie das so läuft. Die Ergebnisse der Studie gehen allerdings in eine andere Richtung: Weder hatte sich die männliche Beteiligung im Haushalt verbessert, noch hatten sich Arbeitszeit und Löhne von Männern und Frauen angeglichen. Die Vätermonate hatten außerdem keinen Einfluss auf die Geburt weiterer Kinder in den Familien oder auf die Stabilität der Paarbeziehung.

„Daddy Months“ verbessern die schulischen Leistungen der Kinder

Ein positives Ergebnis aber gab es: Die schulischen Leistungen der Kinder waren später besser als die der Kinder, deren Väter nicht zu Hause geblieben waren – besonders, wenn der Vater besser ausgebildet war als die Mutter. Das sollte aber nicht so interpretiert werden, dass die kurze, intensive Zeit mit dem Vater im ersten Lebensjahr die Kinder so nachhaltig beeindruckt hätte, dass sie später in der Schule besser klarkamen. Sondern eher so, dass Väter, die sich schon früh, wenn auch nur kurz, intensiv gekümmert hatten, eben auch später mehr bei den Hausaufgaben halfen.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine schwedische Studie aus dem vergangenen Jahr: Auch hier konnten die Forscher zwar keinen positiven Effekt der Vätermonate auf die Karrieren der Frauen feststellen; Guido Friebel, Co-Autor der Studie und Professor für Personalwirtschaft an der Goethe-Universität Frankfurt, sagt aber: „Wir sind ziemlich überzeugt, dass sich die schwedische Gesellschaft trotzdem zum Guten verändert hat. In Schweden sind die Manager mittlerweile stolz, wenn die Nachwuchsleute ihren Vaterurlaub nehmen. Wir sind in Deutschland noch weit davon entfernt.“

Ändert das neue ElterngeldPlus etwas?

Alles in allem, das betonen auch die Forscher, ist die Studienlage aber noch recht dünn. Dabei gibt es drängende Fragen: Warum genau zum Beispiel verharren deutsche Männer weiterhin in ihrem Part als „Zweimonatsväter“, wie die ZEIT sie einmal genannt hat?

Denn obwohl Männer in Befragungen immer wieder betonen, wie gern sie eine stärkere Rolle in der Kinderbetreuung einnehmen würden, bleibt es bei der überwältigenden Mehrheit bei zwei Monaten Elternzeit und dann zurück auf die Vollzeitstelle. Die Zahlen: Etwa ein Drittel der Väter in Deutschland nimmt Elternzeit, davon etwa 80 Prozent nur zwei Monate. Vielleicht kann daran ja das neue ElterngeldPlus etwas ändern, das ab 1. Juli 2015 die alten Regelungen ersetzt.

Ein Projekt dreier Universitäten in Nordrhein-Westfalen, das noch bis 2017 läuft, wird hoffentlich neue Erkenntnisse liefern: „Väter in Elternzeit. Aushandlungs- und Entscheidungsprozesse zwischen Paarbeziehung und Betrieb“. Das Team sucht nach Antworten auf viele interessante Fragen: Warum nehmen Väter Elternzeit? Wie entscheiden Paare, wer wie lange Elternzeit nimmt? Welche Faktoren im Job erleichtern es Männern, Elternzeit zu nehmen – und welche erschweren es? Welche Rolle spielen Vorstellungen von Vaterschaft, Mutterschaft und Geschlecht dabei?

Zur norwegische Studie geht es hier.

Zur Langzeitstudie der Technischen Universität Dortmund und der Universitäten Bochum und Duisburg-Essen geht es hier.

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