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Cecile Roederer: „Ich weiß genau, was eine Mutter von einem Produkt erwartet“

Cecile Roederer hat gemeinsam mit ihrem Mann Smallable gegründet, einen Online-Concept-Store für Produkte aus dem Kinder-Segement. Dass sie kurz nach der Gründung schwanger wurde, hat sie keineswegs gehindert.

 

Kinder und Arbeit? Kein Problem.

Plötzlich wurden alle um sie herum schwanger – und hatten Bedürfnisse, die vom Markt nicht bedient wurden. Das war die Initialzündung für Cecile Roederer und ihren Mann, den Concept-Store Smallable zu gründen. Einen Onlineshop, in dem sie Produkte für Kinder aus aller Welt anbieten, von Kleidung über Spiele bis zu hin Möbeln. Nach ein paar Jahren gehören sie heute zu den Marktführern in diesem Segment innerhalb Europas.

Warum es für sie kein Problem war, dass sie kurz nach der Gründung selbst schwanger wurde, wie es ist, mit dem eigenen Mann zusammenzuarbeiten und warum alle Frauen darüber nachdenken sollten, Unternehmerin zu werden, hat sie uns erzählt.

Cecile, wie und wann kam dir die Idee, Smallable zu gründen?

„Wir haben Smallable im August 2008 gegründet. Zu dieser Zeit hatte ich noch kein Kind, aber meine Schwestern und viele Freunde. Und die hatten wirklich Schwierigkeiten, schöne Dinge für ihre Kinder zu finden. Zudem beschwerten sie sich über lange Einkäufe am Wochenende, bei denen man mindestens vier oder fünf verschiedene Geschäfte abklappern muss, um alles zu bekommen. Also fing ich an, mich mal umzuschauen. Im Netz fand ich tolle Marken. Es gab ein interessantes Angebot, allerdings ziemlich verteilt und unüberschaubar. Und da kam mir die Idee, all diese wunderschönen Produkte von überall auf der Welt an einem Platz und für jeden zugänglich zu machen.“

Was hast du gemacht, bevor du den Online-Concept-Store gegründet hast?

„Bevor ich Smallable gegründet habe, war ich acht Jahre im Mode-Bereich tätig. Bei ‚Dim’, einer Marke für Unterwäsche und Strumpfhosen, sowie bei dem Lederwaren- und Accessoires-Anbieter ‚Lancel’. Dort habe ich das Marketing geleitet und die Kollektionen entwickelt. Mode und Design haben mich schon immer begeistert und ich hatte seit jeher die Ambition, in dieser Branche zu arbeiten. Nach ein paar Jahren in Anstellung wollte ich dann selbständig werden und meine eigene Firma gründen. Die Idee eines eigenen Concept-Stores hatte ich schon lange.“

Smallable gehört mittlerweile zu den Marktführern im Kindersegment innerhalb Europas. Was macht ihn so erfolgreich?

„Smallable bietet mit einer besonderen Auswahl an Mode, Dekoration und Spielzeug die Möglichkeit, seinem Kind schöne Kleidung kaufen und gleichzeitig das Kinderzimmer einrichten zu können. Unser Ziel ist es, unseren Kunden stets neue, innovative Produkte und eine große Auswahl an Marken anzubieten – derzeit sind es etwa 450, die uns auch persönlich gefallen und zum Stil passen. Das ist die DNA von Smallable. Dafür sind wir ständig auf der Suche, auch nach kleinen Brands, die das Potential haben, in ein paar Jahren sehr erfolgreich zu sein.“

Was sind denn die wichtigsten Punkte, um unternehmerisch so weit zu kommen?

„Ich denke es gibt zwei Dinge, die für den Erfolg eines Startups entscheidend sind: Die Idee und die Ausführung. Eine gute Idee zu haben ist nicht schwierig. Was die Ausführung angeht, so ist es wichtig ein gutes Team zu haben, auf das man sich verlassen und mit dem man seine Ziele erreichen kann. Und das Tag für Tag. Aber auch das ist kein Geheimnis. Neben dem Personal, das ich leite, kümmere ich mich nach wie vor weiterhin persönlich um die Produktauswahl bei Smallable. Für die künstlerische Leitung und alles, was mit dem Online-Bereich zu tun hat, ist mein Ehemann verantwortlich.“

Kurz nachdem du gegründet hast, bist du schwanger geworden. Hattest du Zweifel daran, beides managen zu können?

„Nein, ich war einfach nur glücklich und habe mir nicht die Frage gestellt, wie ich das alles managen soll. Meine Ängste waren eher praktisch veranlagt, denn ich arbeitete damals mit zwei Praktikanten von zu Hause aus. Das Büro war in dem Zimmer, das jetzt mein Sohn hat. Die neue Räumlichkeit haben wir dann gerade noch so zwei Wochen vor der Geburt von Charles gefunden – zum Glück!“

Wie hat dann alles geklappt, als dein Sohn da war?

„Dadurch, dass mein Mann und ich selbstständig sind, haben wir das Glück viele Dinge leichter organisieren zu können. Unser Büro haben wir deshalb ausgesucht, da es nur fünf Minuten von unserem Zuhause und der Schule entfernt ist. Das ist ein großer Luxus für uns.“

Mal ehrlich, ist es nicht manchmal schwierig, mit dem eigenen Mann zusammenzuarbeiten?

„Mein Mann und ich haben Smallable zusammen gegründet und wir werden oft gefragt, ob es nicht zu kompliziert sei. Ganz im Gegenteil. Für uns ist es ein riesiges Glück und eine Stärke, weil wir sehr gegensätzlich sind und uns dadurch an unterschiedlichen Punkten unterstützen können. Ein Startup zu gründen ist ein Abenteuer, Erfolge und Fehlschläge erlebt man gleichermaßen intensiv. Diese Momente mit jemandem teilen zu können, ist leichter, als die Zweifel und schweren Zeiten alleine zu erleben.“

Du lebst in Paris, wie sieht es derzeit mit der staatlichen Kinderbetreuung in Frankreich aus? Werden arbeitende Eltern ausreichend unterstützt?

„Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen und aus der von meinen Schwestern und Freundinnen. Ich glaube, auch wenn wir Franzosen es lieben uns ständig zu beklagen, sind wir nicht zu bedauern. In Frankreich sind die Schulen, Kinderkrippen und Tagesmütter toll organisiert. Die Unternehmen geben Müttern die Gelegenheit mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können. Es gibt viele Möglichkeiten, um das Familien- und Arbeitsleben zu vereinbaren. In Frankreich setzen sich die Frauen mehr für gleiche Gehälter und gleiche Arbeitsbedingungen ein, als für Familienpolitik.“

Kannst du uns etwas über deinen Arbeitsalltag erzählen? Wie startest du gewöhnlich in den Tag und wie gehts dann weiter?

„Mein Tag beginnt um sieben Uhr, wenn auch mein Sohn aufsteht. Nach dem Frühstück und einem heißen Kaffee für meinen Mann und mich bringen wir Charles in die Schule und gehen anschließend ins Büro, wo wir gegen neun Uhr ankommen. Mein Arbeitstag gestaltet sich sehr unterschiedlich. Wenn wir neue Kollektionen aussuchen und besprechen, kann ich stundenlang in den verschiedensten Stores stöbern. Oder aber ich bespreche mich mit der Grafik-Abteilung, um ein neues Design für unsere hauseigene Modemarke ‚Hundred Pieces’ zu entwickeln. Geht es darum, den Umsatz zu besprechen und Zahlen zu analysieren, setze ich mich mit der Marketing-Abteilung zusammen. Das einzige ‚Ritual’ ist immer montags, wenn ich ein Meeting mit den verschiedenen Direktoren habe. Hier besprechen wir die Ergebnisse und anstehenden Projekte. Anschließend gehen unser Generaldirektor, mein Mann und ich zusammen essen, um Ideen auszutauschen und die Entwicklung unseres Unternehmens zu besprechen. Mein Arbeitstag endet in der Regel um 19.30 Uhr.“

Hat sich deine Auswahl der Produkte eigentlich geändert, seitdem du Mama bist?

„Ja, ich bin aufmerksamer geworden bezüglich der Funktionalität eines Produktes und achte darauf, dass es praktisch ist. Ich weiß genau, was eine Mutter braucht und was sie von einem Produkt erwartet.“

Hast du ein paar Tipps für andere Frauen und Mütter, die gründen oder ihre Karriere vorantreiben wollen?

„Ich kann Frauen nur dazu animieren und ermutigen, das Unternehmertum als attraktive Karrieremöglichkeit zu betrachten. Man kann eine tolle Mutter sein, arbeiten gehen und Erfolg haben – es funktioniert. Ich hoffe, dass die Zeiten, in denen die Frau zu Hause bleibt und der Mann zur Arbeit geht, der Vergangenheit angehören. Es ist sehr wichtig organisiert zu sein und die täglichen Pflichten mit dem Ehemann zu teilen. Das ist der einzige Ratschlag, den ich geben kann.“


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Lisa Jaspers hat mit FOLKDAYS ein erfolgreiches Fair-Trade-Fashion-Label gegründet – seit 2013 ist sie ihre eigene Chefin und baut ihr Unternehmen Stück für Stück aus. Sie begann mit Accessoires und Schmuck, hat mittlerweile aber auch Kleidung und Einrichtungsgegenstände in ihrem Sortiment. Die nachhaltig produzierten Produkte vertreibt Folkdays über die eigene Website – ihr Kundenstamm wächst. 

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