Foto: Eliza Hatch | Cheer up Luv

Cheer up Luv: Diese Fotos setzen ein starkes Zeichen gegen sexuelle Belästigung im Alltag

Sexuelle Belästigung ist für Frauen häufig Alltag und wird meist gar nicht groß thematisiert. Die Londonerin Eliza Hatch will das ändern und hat deshalb das tolle Fotoprojekt „Cheer up Luv” ins Leben gerufen.

Opfer, die keine mehr sein wollen

Sexuelle Belästigung ist etwas, das eigentlich schon jeder Frau irgendwann im öffentlichen Raum begegnet ist. Viel zu oft ist es sogar Alltag – und wird gar nicht mehr groß hinterfragt, weil man es gar nicht anders kennt. Dem wollte die britische Fotojournalistin Eliza Hatch ein deutliches Zeichen entgegensetzen. Mit ihrem Instagram-Account und ihrem Blog „Cheer up Luv” will sie für Frauen einen Raum schaffen, um über sexuelle Belästigung zu sprechen und sie dadurch aus der Opferrolle zu befreien. Die konkrete Idee für den Account kam Eliza erst Anfang dieses Jahres, nach einer intensiven Diskussion mit Freunden, als sie diesen von einem Erlebnis sexueller Belästigung erzählte.

Wie sie uns erzählt, war das der Moment, in dem sie entschied: „Genug ist genug.”, und die Idee zu „Cheer up Luv” entwickelte. Eine Plattform, um die Geschichten unterschiedlichster Frauen zu erzählen und damit auf ein Thema aufmerksam zu machen, das bis dato allzu gern übersehen wird – denn sexuelle Belästigung ist immer noch salonfähig und wird von Außenstehenden oft einfach ignoriert. Die Frauen bleiben mit diesen Erfahrungen häufig alleine.

„Ich wollte eine Plattform schaffen auf der diese Frauenstimmen endlich Gehör finden und die dadurch ihre Erfahrungen, bei denen sie sich verletzlich und schwach fühlten, in Erfahrungen des Empowerments zu verwandeln.”

Dafür fotografiert sie die Frauen in ihrer alltäglichen Umgebung, in der sich sicher fühlen. Viele der porträtierten Frauen haben vorher noch nie über ihre Erlebnisse gesprochen: „Sexuelle Belästigung ist so normal und akzeptiert, dass Frauen diese gar nicht thematisieren können, weil sie sich entweder schämen oder kein Aufheben darum machen wollen.” Genau das will Eliza Hatch ändern: „Ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir eine große Sache aus sexueller Belästigung machen, damit es hoffentlich eines Tages nicht mehr so ein normaler Teil des Lebens für Frauen ist.” Dem können wir uns nur anschließen und freuen uns deshalb sehr, euch eine kleine Auswahl der wundervollen Porträt-Reihe zeigen zu können.

Gina: wurde in der U-Bahn belästigt

”So I just moved to New York and one day I decided to go downtown. I sat down on the train and this guy stood right in front of me. Then I saw a weird movement and his penis was sticking out of his zipper and he was rubbing it. I thought it was sick.”

Idil: musste mehrere Male alleine an einer Bushaltestelle erleben, wie ein Mann mastrubierte, während er sie anstarrte.

”Between the ages of 14 and 16, I had random men masturbate whilst staring directly at me three times. Each time I was at a bus stop, each time I was alone except for the men, and each time I was in my school uniform.”

Jess: wurde vor einem Café von einer Gruppe von Männern sexuell belästigt

”I was sat outside a cafe waiting for someone and I heard ’Hey you, light skin, lightie, hey you lightskin’ repeatedly. I refused to look towards the direction of the caller but eventually they stood right in front of me giving me no option other than to look at them. He then continued ’You know I was calling at you, why you ignoring me. I think you should give me your number, I really like you and I’d show you a good time.’”

Sarah: wurde in der Öffentlichkeit von einem Mann verfolgt und sexuell belästigt, während Passanten sie ignorierten

”Once, when I was about 15, a man was following me on the street in the middle of the day. He kept asking me ’why are you such a slut?“, and „why are you so horny?’. I was quite scared, but when I saw a young couple coming towards us I was glad there was someone who could help. I stopped dead in front of them and turned around to the man following me, saying loudly to leave me alone and to stop following me. The couple looked alarmed but did nothing, and walked right around us.”

Reannon: wurde im Bus begrapscht, schrie, niemand kam ihr zur Hilfe

”I was at a bus stop on my own until a suited man walked over and started talking to me. He forced himself on to me and I pushed him away. I saw my bus and got on; he followed me on and tried to run his hand up my skirt. I screamed and told him to fuck off, but nobody believed I was in danger.”

Olivia: wurde mit 14 auf dem Weg zur U-Bahn begrapscht

„One night when I was about 14 I was walking down some stairs to a train platform. This young man, maybe mid 20s, was walking up and put his hand up my skirt. The whole thing lasted less than 20 seconds but it felt like a lifetime. I don’t think I’ve ever told someone that story.”

Natasha: wurde am Strand sexuell belästigt

”My friends and I were at the beach in Brighton, when a man began walking back and forth past us making comments and stopping to stare. Then he made a slapping gesture and said, ’How much? How much to slap that arse?’ We were all fully clothed.”

Korantema: wurde auf dem Weg nach Hause von einem Mann nach dem Weg gefragt und dann sexuell belästigt

”When I was in year seven, I was walking home in east London and a man stopped me and asked for directions. After I told him, he asked me, ’Are your nipples big or small?’ I thought I misheard so I said, ’What?’ He stepped closer and asked me again. – I ran all the way home.”

Lulu: wurde mit 13 in der U-Bahn sexuell belästigt

”When I was about 13, I was taking the train in the middle of the day. A drunk guy got on and was shouting about bitches up and down the carriage. He came, sat next to me, touched my leg and asked me why I was no fun, about an inch from my face. Everyone was watching but no one said anything.”

Noch mehr Fotos und Geschichten findet ihr unter www.cheerupluv.com und auf Instagram.

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Nach Stationen als Praktikantin, Volontärin und feste Redakteurin bei EDITION F bin ich seit Mai 2019 freie Journalistin und schreibe hier alle zwei Wochen eine politische Kolumne. Vorher habe ich in Hamburg Politikwissenschaften studiert. Gute Bücher, intersektionaler Feminismus und gutes Essen lassen mein Herz höher schlagen.

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