Foto: Youtube

Endlich wieder Content mit Seele: Warum wir alle mehr wie die Chewbacca-Frau sein sollten

Am Wochenende ging das Live-Video von Candace Payne und ihrer Chewbacca-Maske auf Facebook durch die Decke. Aber statt das nur als kurzfristiges Entertainment abzutun, sollten wir uns alle eine Scheibe von Miss Payne abschneiden.

 

Was wir aus dem Chewbacca-Moment lernen können

Die Texanerin Candace Payne entschied sich am Wochenende dazu, ein Live-Video ins Netz zu stellen. Zunächst mal keine große Sache. Zu sehen gab es sie selbst im Auto, wie sie davon erzählt, dass sie sich mit einer Geräusche machenden Chewbacca-Maske aus Plastik beschenkt hat – und wir durften dann daran teilhaben, wie sie darin, sich vor Lachen schüttelnd, für ein paar Minuten das pure Glück fand: Denn es sind eben die kleinen Freuden des Lebens, die zählen, wie Candace in die Kamera prustet. Amen, Schwester! Aber eigentlich auch kein Stoff, aus dem Geschichten gemacht werden, die viral gehen. Oder?

Nun, anscheinend doch, denn sie stellte mit ihrem Video einen amtlichen Rekord auf: Innerhalb weniger Tage haben das Video fast 140 Millionen Menschen auf der ganzen Welt gesehen und sich mit ihr gefreut – es ist das bis dato erfolgreichste Facebook-Live-Video überhaupt. Da kann die Buzzfeed-Melone echt nicht mithalten. Und ausverkauft ist die Maske natürlich auch schon längst überall. So schön, so gut. Aber warum sind alle so entzückt von Candace und ihrer eigentlich vollkommen unspektakulären Shopping-Eroberung? Und was sagt uns das über uns?

Warum wir alle mehr wie Candace Payne sein sollten

Ganz einfach: Wir haben es geliebt, weil es nichts Besonderes zu sehen gab – es war einfach echt. Es geht ans Herz, wie sich eine erwachsene Frau über ein Star-Wars-Plastik-Gimmick für Kinder so dermaßen freuen kann, dass sie sich vor Lachen überhaupt nicht mehr einbekommt. Komplett spontan und ohne Überlegungen zu Frisur, Kameraperspektive, Filter oder ähnlichen Dingen, ohne die unsere Selbstpräsentation in den typischen Kanälen nicht mehr auskommt. Nein, Candace hatte einfach aus dem Nichts einen Riesenspaß und hat das mit uns geteilt. Nicht mehr, nicht weniger. Und man selbst wurde einmal mehr auf die absurd inszenierte „Realität“ gestoßen, die wir uns in den Social-Media-Kanälen geschaffen haben. Lächerlich, ja fast peinlich, sind wir mit unseren perfekten Selfies und schön angerichteten Chia-Pudding-Bildern angesichts dieses komplett unperfekten Videos voller realer Lebensfreude – das dadurch einfach großartig wird.

Denn so sieht das wahre Leben eben aus! Keine von uns steigt mit gemachten Locken aus dem Bett, hat zuhause Sex wie im Porno oder jeden Tag ein Abendessen vor sich, das wir für das Familienfotoalbum festhalten wollen. Letztlich sind wir alle wie Candace – nur dass wir es eben kaum noch öffentlich sichtbar machen. Nicht auf Facebook, nicht auf Twitter, nicht auf Instagram. Unser Leben als Normalo hat sich ins Private zurückgezogen und findet nur noch im kleinen Kreise hinter verschlossener Tür statt. Da fragt man sich doch: Wie verquer sind wir eigentlich geworden?

Die Social-Media-Kanäle sind zu leblosen Orten geworden

Was uns der Erfolg von Candace lehrt ist doch, dass unsere Kanäle verarmt sind, was die Freude an den simplen Dingen des Lebens angeht. Weil dort nur noch gut sortierter, lebloser, konstruierter Content stattfindet, mit dem wir eine Version unserer Selbst und der Welt ins Netz blasen, die, wenn überhaupt, nur in Ausnahmefällen existiert. Und nein, davon will ich mich gar nicht ausnehmen. Aber warum die Plattformen nicht einfach wieder dafür nutzen, wofür sie eigentlich mal gemacht wurden (neben dem schönen Nebeneffekt, an unsere Daten zu kommen): Andere an unserem Leben teilhaben zu lassen. Ohne zu viel nachzudenken, ohne Beautyfilter. Denn das mag hübsch aussehen, erzählt aber am Ende einfach gar nichts.

Ich plädiere für mehr Realität, für mehr Geschichten aus dem Leben, die nicht auf den Branding-Wert abgeklopft werden: Macht mich das interessant, begehrenswert, intelligent, humorvoll? Ach herrje, das sollte uns doch egal sein – die meisten von den Menschen, die es in unserem Feed sehen, kennen wir doch noch nicht einmal. Lasst die Candace in euch raus, lacht, bis ihr vom Stuhl fallt und euch das Wasser aus der Nase schießt – ich würde mich so freuen! Denn: Hallo Realität, du kannst so schön sein!

Quelle: Youtube

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