DAS BÖSE WORT MIT F

Warum ich über Frausein und Feminismus ständig spreche – und es mir nicht zu blöde wird.

 

Nein, ich finde es nicht blöd mich als Feministin zu bezeichnen. Weniger noch, finde ich es unnötig oder negativ.

Ja, es ist ein Wort mit viel Historie und noch viel mehr Meinung. Ich stehe also
jedes Mal für alles davon ein –  projiziert und behaftet auf mich – die es in dem Moment ausspricht.
Die Reaktionen gehen von Augenrollen, Räuspern, Fadesse bis hin zum liebevollen Zuspruch.

Was es bedeutet eine Frau zu sein? 
Eine Anhäufung an (subjektiven) Realitäten, die min. 51 % der Weltbevölkerung selber leben, einem anderen Teil erscheinen sie entfernt und wenig nachvollziehbar. Genau deshalb, muss der Austausch auch stattfinden.

Warum Feminismus noch betonen – wo wir es doch „eh schon so weit gebracht haben“?

Weil Feminismus für mich (und Dich) Freiheit bedeutet.


Es hat mir die Freiheit gebracht, die ich als Kind und junge Erwachsene familiär
nicht kannte. Auch medial betrachtet war ich umgeben von den immer gleichen
stereotypen Erzählweisen und Darstellungen; von weißen (dünnen) Frauen, deren größtes Glück die äußerliche Anerkennung von Männern und der einhergehende (oder fehlende) Beziehungsstatus war.
Und ja – Feminismus war und ist ein Befreiungsschlag, den ich nach 26 Lebensjahren empfunden habe.

Freiheit von Erwartungen der Außenwelt.

Erwartungen wie ich mich als Frau „weiblich“ zu verhalten hatte. Eben verhaltener, leiser, weniger bestimmend, brav und konform. Alles Eigenschaften, die mir nicht entsprachen und in denen ich mich selten wohlfühlte. Die ich vor der Entdeckung von feministischer Literatur und neuen weiblichen Vorbildern (Marina Abramović, Lena Dunham, Ariel Levy, Simone de Beauvoir, Chelsea Handler uvm…..) immer für gegeben betrachtet hatte.

Es bedeutet frei zu sein von Erwartungshaltungen, die eine Industrie, eine Marketing-Lobby und politische Systeme (bestehend zu einem Großteil aus Männern) geschaffen haben.
Erwartungshaltungen gegenüber meiner Gebärmutter, meiner Lebensweise, meiner PartnerInnen-Wahl. Alles Stempel, die uns ab Kinderalter eingeimpft werden.

Freiheit für meinen Körper.

Mein Körper, der auf einmal nicht nur aufgrund seiner äußerlichen Erscheinung
Berechtigung hatte,  zu sein.  Die Berechtigung abseits der Schönheitsideale als Mensch und Frau wertvoll betrachtet zu werden. 
Feminismus hat als Bewegung so viel geschafft, so viel dass ich mir nicht herausnehme alles hier aufzuzählen, aber alles tun möchte um mehr davon in die Welt zu tragen, gemeinsam – für beide Geschlechter.
Es gibt Meilensteine, die noch keine 100 Jahre alt sind (!), u.a.  das Wahlrecht für Frauen, das Recht auf Abtreibung, Freiheit sich selbst für Beziehungen, oder
gegen eine zu entscheiden.
(Dass ich als Mensch 13 Jahre lang mit Essstörungen gekämpft habe, sei hier am Rande betont, da es ein wichtiger Teil meiner Genesung war neue/andere Frauenbilder und Sichtweisen kennenzulernen).

Freiheit von Neid gegenüber anderen Frauen.

Neid, der uns stets gelehrt wird ob bewusst oder unterbewusst, weil andere „schöner“ oder „erfolgreicher“ seinen. Stattdessen hat mich Feminismus
darauf aufmerksam gemacht und jedes Mal, wenn ich das F-Wort in den Mund nehme, erinnert es mich daran, jede Frau zu unterstützen, gemeinsam an einem Strang zu ziehen und unsere Lebensentscheidungen und Lebensweisen zu zelebrieren, zu respektieren –  anstatt stets zu vergleichen.

Freiheit zu Erwartungshaltungen gegenüber Männern

Denn anders, als viele glauben berechtigt Feminismus (und damit Gleichberechtigung) uns alle (!) stereotype Annahmen zu hinterfragen. Männer müssen nicht nur stark sein, die Allein-Verdiener, die großen, starken, sexgetriebenen, emotionsarmen Gestalten die überall abgebildet zu sein scheinen.

Ich will in einer Welt leben, wo wir uns respektvoll und offen begegnen, wo in jeder Art von Beziehung Platz für Diskurse ist – ohne Gegebenheiten im Vorhinein, auf Grund unseres Geschlechts einzufordern.

Feminismus schränkt mich nicht ein, und Dich und alle anderen auch nicht.

Ich stehe hier nicht alleine. Ich stehe hier nicht nur als 29-Jährige Österreicherin, viel mehr stehe ich vor einer Geschichte, einer Gesellschaft und allem was noch kommen wird. Deshalb höre ich nicht auf darüber zu sprechen. Worte haben Kraft, Worte sind Macht.

Ich weiß ihr könnt es schon nicht mehr hören, das „Unwort: Feminismus“ – aber diese Art von Freiheit lasse ich mir nicht nehmen – stattdessen will ich geben.

Für euch ist dieser Artikel, für die Seufzenden.

Wer jetzt noch Fragen hat, sich unverstanden oder misinterpretiert fühlt – kann sich gerne bei mir melden, oder „Rebecca Solnit“ googlen. 

 

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