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Brainstorming wird 80 Jahre alt: Jeder kennt es, kaum einer kann es und fast alle haben dazu eine Meinung

 

Die Methode „Brainstorming“ wird im kommenden Jahr stolze 80 Jahre alt. Ein großartiger Anlass, dieser alt-ehrwürdigen und nach wir vor populären Methode Respekt zu zollen und zu hinterfragen, wie es um unsere Fähigkeit steht, diese Methode richtig und erfolgreich anzuwenden. Besonders im Hinblick auf deren Einsatz in Unternehmen, wo diese Methode besonderen Herausforderungen gegenüber steht. Lasst uns darüber nachdenken was wir tun können, damit Brainstorming wieder das bringt, was es leisten kann.
 

Alex F. Osborn, (geboren am 24. Mai 1888 in New York City; gestorben am 4. Mai 1966 in Buffalo, New York) war Gründer der Werbeagentur BDO (später BBDO). Er ist der Vater des Brainstormings, und es war das Jahr 1939, als er diese Methode vorstellte. Sein Anliegen: Bei seinen Mitarbeitern
„einen Sturm im Gehirn zu entfachen“. Es war der Gegenentwurf zu langatmigen und
uneffektiven Meetings. Zu Meetings, die nichts Neues hervorbrachten sondern jeden noch so interessanten Gedanken durch sofortiges und ständiges Kommentieren und Bewerten im Keim erstickten. Ein Gegenentwurf zu Einzelkämpfern, die meinten, alles allein machen zu müssen und nur ihre Ideen und ihre Meinung als wertvoll betrachteten. Osborn wünschte sich Freiheit und Freiraum im Denken. Eine Atmosphäre, die ein “Anders denken“ zulässt und fördert und somit wirklich Neues hervorbringt.  

Um das zu erreichen, stellte er gerade mal 4 Regeln auf. 4 Regeln, die aus einem normalen Meeting ein Brainstorming machen sollten. 4 Regeln, die auch heute noch, 80 Jahre später, eine große Herausforderung für alle Brainstormer sind:

1. Unterlasse Kritik, Bewertungen und Diskussionen

Eine Situation, die jeder von uns kennt: Man sitzt im Brainstorming, hoch motiviert und voll Begeisterung. Tapfer bringt man die erste Idee ein. Reaktion eines Kollegen: „Na, ob das funktioniert?“ Der Kommentar sitzt. Aber man ist ja nicht aus Zucker, und so wagt man sich kurze Zeit später mit der nächsten Idee nach draußen. „Sowas macht doch schon die Firma xy, oder?“ folgt schon der nächste (gar nicht bös gemeinte) Kommentar aus der Gruppe. Also lächelt man (gequält), versucht, weiterhin im Ideenmodus zu bleiben. Und wagt sich mit einer
dritten Idee in die Runde. „Das haben wir schon probiert. Das ist viel zu teuer“, lautet dieses Mal die Kritik. Spätestens jetzt dürfte jedem die Lust an weiteren Ideen vergangen sein. Kritik, und mag sie noch so berechtigt und freundlich vorgetragen sein, ist Kritik und macht den Empfänger in der Regel unsicher oder betroffen. Und wer unsicher ist, kann keine Ideen hervorbringen, vor allem keine neuen, bislang noch nicht gedachten. Die aber wollen wir im Brainstorming erreichen. Ergo hat Kritik in einer Ideenfindung nichts zu suchen. Denn, wie der Begriff Ideenfindung schon sagt, es geht darum, Ideen zu finden, nicht Lösungen zu beschließen.  

Und es gibt noch einen Grund, warum wir das Kritisieren und vor allem Diskutieren während des Brainstormings dringend vermeiden sollten. Es ist nämlich ein großer Unterschieb, ob ich Ideen finde bzw. produziere oder ob ich Ideen bewerte und kommentiere. Im einen Fall bin ich in einer kreativen, schöpferischen Haltung (Ideenfindung), im anderen in einer ausschließenden, logisch denkenden Haltung Ideenbewertung). Beide sind wichtig, aber eben der Reihe nach. Uns Menschen fällt es eher leicht, alles und jedes sofort zu kommentierten und zu diskutieren. Diese Seite habe wir im Laufe der Jahre intensiv trainiert, hier fühlen wir uns sicher. Im Gegensatz zu unserer kreativen Seite. Diese oft vernachlässigte, häufig gar nicht wahrgenommene Seite zu aktivieren fällt vielen von uns schwer. Osborn war klar, wollte er das kreative Denken in Gang setzen, musste er das „Klugschnacken“ im Team unterbinden. Und so galt und gilt: Kritik ist verboten! Ideenbewertung kommt immer und ausschließlich nach der Ideenfindung! 

 

2. Je mehr Ideen desto besser 

Osbornwollte viele Ideen statt der einen Lösung. Und das aus zwei guten Gründen. Grund 1:
Denken wir in Lösungen, denken wir automatisch in Kriterien und Bewertungen (siehe oben). Denken wir in Ideen, ist unser Denken frei. Und dieses freie Denken ist Sinn und Zweck des Brainstormings, weil es die neuen, bislang nochnicht gedachten Ideen ermöglicht. Grund 2:Neue Ideen zu denken ist gar nicht so einfach. Das liegt zum einen daran, dass wir in der Regel schon einen Haufen bekannter Ideen im Kopf haben. Zum anderen muss man aber auch erst einmal in einen „Ideenfindungsmodus“ (Flow) kommen. Um den zu erreichen, gilt es, Ideen wie am Fließband zu generieren und sich so daran zu hindern, ins (Nach-)Denken zu kommen. Nicht, dass jede Idee das Zeug zu einer Lösung hat. Der Gedanke hinter diesem Vorgehen ist viel mehr, dass es dem Gehirn nach einer Zeit immer leichter fällt den Ideenfaden weiter zu spinnen. Und damit wird die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht, dass durch das Brainstormings neue und interessante
Ideen entstehen – schlicht, weil wir dran geblieben sind und uns nicht mit den ersten paar naheliegenden Ideen begnügt haben.

 

3. Greife Ideen auf und denke sie weiter 

Diese Regel ist die klare Ansage gegen das Einzelkämpfertum. Brainstorming ist eine
Teamleistung. Die große Kunst besteht darin, den anderen aufmerksam zuzuhören,
ihre Ideen wirken zu lassen, um diese dann weiterzudenken. Das klingt so
simpel, ist es aber nicht. Denn wir verwechseln Weiterdenken oft mit Meinung.
„Die Idee finde ich sehr gut, aber …“ ist eine häufige und eigentlich auch
positiv gemeinte Reaktion auf eine Idee. Eine solche Aussage ist aber keine
Weiterentwicklung, sondern eine Einladung zur Diskussion, die die Ideenfindung
killt. Weiterdenken bedeutet, die interessanten, vielleicht auch provokanten
Aspekte einer Idee zu erkennen und diese weiter kreativ zu verarbeiten und zu entwickeln..
Oder Aspekte, die zum Scheitern einer Ideen führen könnten, in ein „wenn nicht
so – wie dann?“ zu überführen. Das ist dann kreatives Denken vom Feinsten! 

 

4. Denke wild! Je ungewöhnlicher, desto besser! 

Osborn glaubte daran, dass es großes Denken braucht, damit überhaupt Neues entstehen
kann. Wir alle kennen den Spruch: „If you always do what you’ve always done, you will always get what you’ve always got.” Beim Brainstorming ist das nicht anders. Wenn wir in der Ideenfindung unser Denken einschränken, die Grenzen des Erlaubten zu eng setzen und Provozierendes, Unbekanntes, Schräges direkt verwerfen, werden wir wahrscheinlich nur die Ideen bekommen, die wir bereits kennen. Die Folge ist Frust und die Erkenntnis, das „Brainstorming nichts bringt.“ Es ist aber nicht die Schuld der Methode Brainstorming, sondern das Ignorieren der 4. Regel bzw. die Unfähigkeit out of the box zu denken. Gelingt es hingegen, über die Dauer des Brainstormings das
Denken in Lösungen hintan zu stellen und sich davon zu verabschieden, dass jede gefundene Idee das Zeug zu einer potenziellen Lösung haben muss, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wirklich Neues entstehen kann.  

Um an der Stelle ein Zitat von Mark Twain zu bemühen: „Menschen mit einer neuen Idee gelten solange als Spinner, bis sich die Sache durchgesetzt hat.“ 

Lasst uns im Jahr 2019 das Brainstorming feiern. Hauchen wieder dieser alten Methode frischen Wind ein, lassen wir sie wieder aufleben und befruchten wir mit ihrer richtigen Anwendung unserer Kreativität. Mein Beitrag: Ich werde alle 2 bis 3 Wochen einen kleinen Impuls posten, der euren kreativen Denkmuskel trainiert und euren schöpferischen Geist erhellt. Mal sehen, was es
bringt! Ich freue mich, wenn ihr dabei seid!  

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