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Das Leben ist kein Ponyhof – oder doch?!

Während ich den Artikel jetzt schreibe, sitze ich ganz gemütlich in einem Strandkorb am Wasser in Berlin. Bis eben habe ich noch die Menschen um mich herum beobachtet, genauer genommen, die Kinder – die Kinder, die spielen, die lachen und in ihren Gedanken versunken sind. Und an der Stelle habe ich mich gefragt: „Wie war ich eigentlich als Kind? Was habe ich als Kind geliebt? Wobei habe ich die Zeit vergessen?“ und die wohl wichtigste Frage: „Wie viel Kind steckt eigentlich noch in mir?“.

 

Plötzlich war sie da … 

Plötzlich war sie da, die Zeit, in der wir keine Zeit mehr hatten – die Zeit, wo der Ernst des Lebens begonnen hat.  

Als Kind sind wir nach der Schule noch nach Hause gekommen, haben Klavier spielen geübt, sind zum Toben mit anderen Kindern raus gegangen oder haben ein Buch nach dem anderen verschlungen. 

Wenn ich dich jetzt frage, wann du das letzte Buch gelesen hast und wie lange du dafür gebraucht hast – wie lange musst du da überlegen? Ist es schon ein wenig länger her? 

Ja klar, wir haben keine Zeit.  

Wir stehen morgens auf, mischen hektisch unser Müsli zusammen, füllen noch schnell den Kaffee in den Thermosbecher und dann fahren wir schnell zur Arbeit – Zeit ist schließlich Geld. Wenn dann auch noch eine rote Ampel oder ein falschparkendes Auto uns auffällt, ist es mit unserer
inneren Ruhe auch schon vergessen.  

Auf der Arbeit jagt dann ein Meeting das andere, manchmal fragen wir uns, was wir da eigentlich machen, aber wirklich darüber nachdenken können wir auch nicht, schließlich haben wir keine Zeit.  

Wenn der Feierabend dann gekommen ist, müssen wir uns um die Alltagspflichten kümmern: Post beantworten, einkaufen, den Versicherungsmakler noch anrufen, Wäsche waschen, Wohnung putzen – ach, war das Leben als Kind noch schön, als man ganz unbekümmert leben konnte und sich keine Sorgen machen musste.  

Manchmal schaffen wir es uns noch mit Freunden auf einen After-Work-Drink zu treffen oder auch mal ins Fitnessstudio, quasi der Kinderspielplatz für Erwachsene, zu gehen.  

Und so vergeht Tag für Tag, Jahr um Jahr.  

Ja, ich weiß, dass ist schon ein bisschen überspitzt dargestellt, aber wenn wir mal ganz ehrlich zu uns selbst sind, trifft es schon ganz gut unser Leben.  

Und was für Hobbys hast du so? 

Daher stelle ich kaum noch die Frage nach Hobbys, wenn ich jemanden kennenlerne bzw. bin ich wirklich überrascht, wenn neben Freunde treffen, Sport machen und etwas unternehmen noch was anderes kommt.  

Wie würde denn deine Antwort lauten? 

Irgendwie sind unsere Leidenschaften, unsere Hobbys dem alltäglichen Wahnsinn gewichen – Stück für Stück mussten sie aus unserem Leben weichen. Vielleicht haben wir es im Studentenleben noch geschafft, einmal in der Woche zum Chor zu gehen oder uns in einer Umweltgruppe zu engagieren. Aber jetzt? – Fehlanzeige! 

 

Aber liegt es wirklich an der fehlenden Zeit? 

Ich glaube, das ist nur die halbe Wahrheit. Ja, wir haben viele Aufgaben, die wir schaffen müssen. Ja, wir haben vielleicht weniger Zeit als noch damals als Student. – aber wofür investieren wir unsere Zeit?  

Und raubt uns nicht die Sinnfreiheit oder das Gefühl vom Gefangensein manchmal mehr Zeit? 

Wie würden wir uns fühlen, wenn wir wieder mal etwas machen würden, was uns Spaß macht, wo wir mal ganz die Zeit vergessen würden? 

Das Problem ist nur, dass wir manchmal gar nicht mehr wissen, was das wäre – was wir eigentlich mit unserer Zeit anstellen würden, wenn wir sie hätten. Irgendwie haben wir es nämlich auch verlernt, uns mit uns selbst zu beschäftigen. 

Im Wahnsinn der unendlichen Erreichbarkeit, des Abenteuerbedürfnisses und des Getriebenseins finden wir manchmal gar nicht die Ruhe zu uns selbst und können somit auch nicht die innere Stimme hören, die uns sagt, was wir eigentlich lieben. 

Daher gibt es schon moderne Erfindungen wie Sommercamps für Erwachsene, wo man einfach mal wieder die Zeit verfliegen lassen kann, wo man einfach mal durch die Natur tobt oder im Wasser etwas baut – in der Hoffnung, sich wieder ein bisschen besser kennenzulernen. 

Aber muss es immer eine Woche sein, um herauszufinden, was uns vielleicht glücklich machen kann? Ich glaube, dass wir auch im Alltag Antworten finden können. 

 

Was hat dich als Kind begeistert? 

Was hast du zum Beispiel als kleines Kind gern gemacht? Was hast du gespielt? Wofür hast du dich interessiert? 

Versuche noch einmal in Erinnerungen zu versinken, vielleicht helfen dir auch Fotos von früher.  

Ich habe zum Beispiel unheimlich gern gebastelt und gemalt – von Wachsmalerei, Seidenmalerei über Acrylfarben – hauptsache bunt und kreativ. 

Anfangs habe ich das auch noch während meines Studium gemacht, aber Stück für Stück sind die Farben im Keller verschwunden und damit auch die Leidenschaft fürs Ausdrücken. 

Ja, auch jetzt weiß ich nicht, wo ich die Leinwände hinhängen sollte – denn ganz ehrlich, möchte ich sie auch nicht in meiner Wohnung aufhängen. Aber was steckt eigentlich dahinter? – Das Ausdrücken und das Kreativ sein. Daher habe ich jetzt Sketchnotes für mich entdeckt und versuche diese auch immer wieder mal in meinen beruflichen Alltag zu integrieren und kann damit sogar noch meine Kunden und nicht nur mich allein glücklich machen.  

Ich habe mir außerdem mit ganz viel Begeisterung und Fantasie immer neue Geschichten ausgedacht, die meine Eltern zu jeder Gelegenheit freudestrahlend als Geschenk entgegennehmen mussten. Ja auch damals habe ich meine Gedanken schon in Gedanken ausgedrückt. Ich kann mich noch an eine Geschichte mit Max und seinem 7. Geburtstag erinnern. Allein bei dem Gedanken muss ich jetzt schon lächeln – und jetzt? Jetzt versuche ich in meinen
Artikel dieser Leidenschaft für Worte nachzugehen.  

Man muss also nicht sein ganzes Leben umkrempeln, um das viel diskutierte Glück im Leben zu finden. Vielleicht reicht es auch schon, in der Schatzkiste des eigenen Lebens zu kramen. Der ein oder andere wird vielleicht erstaunt sein, was sich darin alles findet. Der nächste Schritt ist dann zu überlegen, wie wir dem „neu gefundenem“ mehr Zeit in unserem Alltag schaffen können. 

Meine Hypothese ist nämlich, dass es nicht die mangelnde Zeit ist, sondern das mangelnde „Wissen“, was wir machen wollen würden – denn, wenn uns etwas richtig begeistert, finden wir meistens die Zeit – alles eine Sache der Prioritäten. 

Daher würde ich dich jetzt gern dazu einladen, eine Liste von den Hobbys deiner Kindheit zu schreiben. Und ja, ich meine wirklich aufschreiben – also mit Zettel und Stift, nicht nur im Kopf. 

Ich fange mal an: 

  • Kochen und backen, wie ich es geliebt habe; irgendwann habe
    ich ein eigenes Kinderbackbuch geschenkt bekommen und da habe ich vor allem den
    Zitronenkuchen mit meiner Oma gern gebacken 
  • Geschichten schreiben 
  • Malen, malen, malen 
  • Basteln, ich kann mich noch erinnern; wie enttäuscht ich
    war, als ich meiner Mum das neue Blumengesteck schenken wollte und der Kleber
    leider das ganze Styropor „aufgefressen“ hat 
  • Fahrrad fahren 
  • Lego spielen 
  • …  

Und jetzt du – und dann schau mal, was dahinter steckt.
Möchtest du heute die Hobbys genauso wieder in dein Leben holen oder welches
Bedürfnis versteckt sich dahinter?

Dieser Artikel ist auch auf meinem Blog erschienen. Hier teile ich immer wieder mal meine Gedanken zum Leben, zur Persönlichkeitsentwicklung und zu Veränderungen in unserer Gesellschaft, mit dem Ziel andere zu inspirieren und zu ermutigen, den eigenen Weg zu finden und zu folgen.

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