Foto: Nils Hasenau

Joana Breidenbach: „Für Glück und Zufriedenheit brauchen wir mehr als materiellen Wohlstand“

Welche Hebel müssen wir jetzt bedienen, um eine bessere Zukunft für uns alle zu gestalten? Darüber haben wir mit Betterplace-Mitgründerin Dr. Joana Breidenbach gesprochen, die auch als Coach bei unserer Female Future Force Academy dabei ist.

 

„Es war wichtig zu lernen, auf meinen inneren Kompass zu vertrauen“

Wir stehen ökologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich an einem Scheidepunkt – und genau deshalb, müssen jetzt und nicht erst morgen Lösungen her, sagt Dr. Joana Breidenbach. Sie ist Mitgründerin von Betterplace, inzwischen Deutschlands größte Spendenplattform. Außerdem ist sie Gründerin und Leiterin des Betterplace Lab, dem Think-and-do-Tank der Organisation, das dazu forscht, wie digitale Medien den sozialen Sektor verändern. Auch sie wird als Coach bei der Female Future Force Academy dabei sein, und spannenden Input dazu geben, wie ihr euch selbst einbringen könnt, um die Zukunft zum Guten zu verändern.

Wann hast du zuletzt einen anderen Menschen dazu bewegt, mutig zu sein?

„Letzten Monat hat eine Freundin, die noch nie vorher meditiert hatte, sich spontan dazu entschieden an einem 10-Tage-Schweige-Retreat teilzunehmen. Sie sagte, sie sei dazu inspiriert gewesen, weil ich mich im Zuge meiner Meditationspraxis so positiv verändert hätte.“

Welche Erkenntnis hat dich im Leben entscheidend weitergebracht?

„Um erfolgreich zu sein, muss man oft seinen inneren Schweinehund überwinden. Und irgendwann habe ich gelernt, auf meinen inneren Kompass zu vertrauen, der mir hilft genau die Dinge zu machen, für die ich auf die Welt gekommen bin.“

Was ist deine Super-Power?

„Sehr viel Energie. Und je mehr ich die richtigen Sachen mache, desto mehr Energie habe ich.“

Warum gehen die Themen Weiblichkeit und Zukunft für dich Hand in Hand?

„Es ist Zeit, für den richtigen Mix aus männlichen und weiblichen Qualitäten – für die Gestaltung einer komplexen Welt benötigen wir dringend mehr ‚weibliche’ Fähigkeiten wie Intuition, Empathie und Ganzheitlichkeit.“

Was müssen wir jetzt bewegen, damit die Zukunft sich für alle in eine positive Richtung wendet?

„Wir müssen global vernetzt handeln, um den Klimawandel zu verlangsamen und zu verhindern, dass ökologische Systeme kippen. Und wir müssen Wege finden, die Schere zwischen arm und reich so zu schließen, dass möglichst viele Menschen sich als Teil des Sozialwesens verstehen. Das gilt auch für die Digitalisierung: richtig gestaltet kann sie zu einer neuen Renaissance, einer neuen humanistischen Blütezeit, führen.“

Welchen Rat würdest du heute deinem jüngeren Ich geben?

„Sei ein bißchen weniger fleißig und investiere mehr Zeit in innere Arbeit.“

Was sind die größten Auswirkungen der Digitalisierung auf unser Miteinander?

„Wir können uns zum ersten Mal wirklich als Weltgesellschaft begreifen; alle Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit und in ihren (überwiegenden) Gemeinsamkeiten sehen. Das ist ein mächtiger Bewusstseinswandel.“ 

Wie kann ich das Internet nutzen, um mich zu engagieren?

„Natürlich über betterplace.org! Zigtausende transparente soziale Projekte warten auf Unterstützung. Aber ich liebe auch digitale volunteering Möglichkeiten wie Micromappers oder Zooinverse.“

Was können Unternehmen von Social Businesses lernen und umgekehrt?

„Vergesst den Aktionärswert eurer Unternehmen und richtet sie so aus, dass sie für Mitarbeiter, die lokale Gemeinschaft und die Welt an sich gut sind.“ 

Wieso ist der Sinn im Job gerade so ein großes Thema und  ist das eine gute Entwicklung?

„Materiell geht es uns so gut wie keiner Generation zuvor. Aber wir spüren, dass wir an einem Scheidepunkt stehen – ökologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich – und das wir für Glück und Zufriedenheit mehr brauchen als materiellen Wohlstand. Stattdessen sehnen wir uns nach tieferen inneren Erfahrungen, also intensive Beziehungen, singstiftende Arbeit, spirituelle Verbindungen, die eine hochmaterialistische Gesellschaft vernachlässigt hat. Wenn wir diesen Bedürfnissen in uns folgen werden wir automatisch eine bessere Welt gestalten.“ 

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