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Eine Legende

Ein Leben als Rolling Stone – Keith Richards und seine Autobiografie

 

Einmal, ganz zu Beginn des 21. Jahrhunderts, da begab es sich, dass Mick Jagger von Prinz Charles – die Queen war verhindert – zum Ritter geschlagen wurde. Keith Richards, dem Gitarristen der Rolling Stones, sagte daraufhin über Mick Jagger, den Sänger der Rolling Stones, dass er mit einem wie ihm nicht mehr auf der Bühne stehen wolle. Mit einem, der „ein Krönchen aufhat und sich mit Hermelinkragen rausputzt“. Eine regelrechte Scheiß-Ehrung habe Jagger sich da andrehen lassen, wetterte Richards, während Jagger sich damit rechtfertigte, vom damaligen Premierminister Tony Blair zur Annahme des Ordens gedrängt worden zu sein. Das machte Richards nur noch wütender. 

Trotz dieses Zerwürfnisses hat Mick Jagger damals gesagt, er und Keith seien weiterhin dickst befreundet. Jetzt, nachdem Richards, der im Dezember 67 wird (und damit mit Jagger gleichzieht), eine Autobiografie namens „Life“ herausgebracht – in Buchform, das muss man bei einem wie ihm dazusagen. Ein 108-Jähriger könnte kaum mehr Falten haben als Richards, der inzwischen aussieht, wie die Karikatur einer Karikatur eines Rock’n’Rollers bei Madame Tussauds. Wer in seinem Buch blättert, weiß schnell, warum das so ist. Und wer in Richards‘ Buch blättert, weiß aber auch, dass es diese Freundschaft zwischen ihm und Jagger längst nicht mehr gibt.

Jaggers Universum

Die Jahrzehnte der wilden Drogenexzesse, des Alkoholmissbrauchs und der orgiastischen Nächte mit den Mädchen haben ihre Spuren hinterlassen. Im Gesicht von Keith Richards, und in der Bandgeschichte der Stones. Mick Jagger war es schon früh leid, Richards mit durchziehen zu müssen, bekennt der Mann an der Gitarre, doch es wurde schlimmer. Ende der Siebziger entkam Richards dem Teufelskreis aus Heroin und Whiskey dann halbwegs, sein Kopf wurde klarer, und er forderte wieder mehr Mitbestimmung im Jagger’schen Universum, in dem die Rolling Stones um Jagger kreisten und nicht er um die Stones. Es krachte. 

Jagger, so erzählt es Richards, wollte alles, nur keinen zweiten Mann neben sich, der die Geschicke der Band leitete. Aufs Heftigste angefahren habe Mick ihn, sagt Keith, sein Maul sollte er halten und aufhören, sich einzumischen. Ein paar Jahre später, tief in den 80ern, wurde es widerlich, wie Richards es ausdrückt. Jagger hatte klammheimlich einen Vertrag mit CBS abgeschlossen – der vorsah, ihn als Solisten noch größer zu machen, als er es mit den Stones ohnehin schon geworden war. Richards drohte Jagger, ihm „die Kehle durchzuschneiden“. Jagger sagte, er würde nie wieder mit Richards gemeinsam arbeiten können. 

Henrix, Choplin, Morrison – Richards?

Dann gingen sie ihrer Wege, das heißt: Jagger ging allein. Nach ein paar Jahren stellte er fest, dass er als Solist keinen Erfolg hatte, und er suchte Hilfe. Bei Keith Richards. Und der war nicht zu stolz, Jagger abzuweisen, Richards liebt die Rolling Stones mehr als jeder andere Mensch auf diesem Planeten, ist gewissermaßen der Kitt, die die Band im Innersten zusammenhält. Jagger hat das nach langen Jahren wohl auch verstanden. Die beiden gesetzten Herren, die mal Freunde waren, treten noch zusammen auf, ansonsten haben sie sich nichts mehr zu sagen. Das ist irgendwie auch kein Wunder, wenn einer der beiden sich für den alleinigen Schöpfer eines Megaerfolgs hält und der andere früher mal seine Bleistifte mit einer 20 Zentimeter langen Messerklinge gespitzt hat. 

Jimi Hendrix, Janis Choplin, Jim Morrison – die ersten Drogentoten, die der Rock’n’Roll gesehen hat. Von Richards haben alle erwartet, dass er der nächste sein würde. Wie sein Körper all die Grausamkeiten, die Richards ihm angetan hat, aushielt, das weiß wohl nicht mal er selbst. Nach seinem Tod stelle er seine sterblichen Überreste gern der Wissenschaft zur Verfügung, hat er gesagt, sollen die es doch rausfinden. Allerdings: die Forscher würden ihn wohl ablehnen. Sagt Richards selbst. 

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