Foto: Fotolia

Es könnte so schön sein – Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen

Wie hoch ist der Gender Pay Gap wirklich und was sind die Ursachen für die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen? Was sich ändern muss, damit es wirklich Gerechtigkeit gibt.

 

Wie hoch ist der Gender Pay Gap wirklich und was sind die Ursachen für die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen? Was sich ändern muss, damit es wirklich Gerechtigkeit gibt.

Der Begriff Gender Pay Gap ist ein heißes Eisen in der Debatte um die Gleichstellung von Frauen. Er beschreibt die Lücke zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Frauen und Männern. Berechnet wird er vom Statistischen Bundesamt, wobei die Bruttobezüge von 1,9 Millionen Versicherten aus allen Branchen und Berufen berücksichtigt werden. Zwischen Lohn und Gehalt wird kein Unterschied gemacht . Bei der ersten Berechnung werden einfach alle Arbeitslöhne miteinander verglichen, zunächst ohne Berücksichtigung von Ausbildung, Berufserfahrung, Umfang der Beschäftigung oder Position. Laut dieser Berechnung liegt der Gender Pay Gap in Deutschland bei 21 Prozent. 

Der bereinigte Gender Pay Gap

Es gibt noch eine weitere, wesentlich komplizierte Methode, den sogenannten bereinigten Gender Pay Gap zu berechnen. Dabei werden alle strukturellen Unterschiede herausgerechnet, etwa dass Frauen deutlich seltener in Führungspositionen zu finden sind oder oft einen geringeren Beschäftigungsumfang haben. 2014 lag diese bereinigte Gehaltslücke immerhin bei 6 Prozent. 

Im Klartext: Alle arbeitenden Frauen zusammengenommen verdienen 21 Prozent weniger als die arbeitenden Männer des Landes. Was ist der Grund dafür? Selbst ohne die strukturellen Unterschiede sind es immer noch 6 Prozent Unterschied, die durch nichts gerechtfertigt sind als das Geschlecht.

Liebe Arbeitgeber! Sie achten darauf, alle Mitarbeiter gleich zu behandeln , und wollen, dass jede Stimme gehört wird. Wenn Sie die Gehaltsabrechnung machen , fällt Ihnen auf, dass Frauen in Ihrem Betrieb weniger verdienen als Männer? Kennen Sie die Situation, dass Frauen bei der Einstellung weniger hart um ihr Gehalt feilschen und seltener um eine Gehaltserhöhung bitten? Niemand will Ihnen Diskriminierung unterstellen oder erwartet, dass sie von selbst höhere Gehälter zahlen, um die niemand gebeten hat. Doch etwas Sensibilität für das Thema kann die Weichen für die Zukunft stellen.

Warum verdienen Frauen weniger?

Bereinigter Gender Pay Gap hin oder her, es ist eine Tatsache, dass Frauen weniger verdienen. Es lässt sich jedoch kein einzelner Hauptgrund ausmachen, sondern es gibt eine Vielzahl an Gründen. 

Frauen sind bescheiden

Einer der Gründe ist, dass Frauen beim Thema Gehalt zu bescheiden und ehrlich sind. Sie akzeptieren meist den ersten Vorschlag des Chefs und bitten deutlich seltener um eine Gehaltserhöhung. Experten haben viele Ratschläge, wie Frauen sich im Betrieb finanziell besser stellen können:

1. Unbedingt selbst auf den Chef zugehen und wegen einer Gehaltserhöhung verhandeln! Alle ein bis eineinhalb Jahre kann man das versuchen, am besten, wenn man gerade erfolgreich ein Projekt beendet hat. Von selbst wird der Chef niemals eine Erhöhung vorschlagen!

2. Frauen sollten sich dringend von dem Wunsch verabschieden, von allen gemocht zu werden. Sie befürchten, als unbescheiden zu gelten, wenn sie mehr Geld fordern. Im Gegenteil werden sie aber mehr Respekt ernten.

3. Sich selbst nicht klein machen und die eigene Leistung nicht schmälern. Selbstbewusstsein zeigen!

Frauenberufe sind schlechter bezahlt 

Tatsächlich gibt es noch eine „traditionelle“ Aufteilung bei den Berufen, sodass sich ganz klar Frauen- und Männerberufe zuordnen lassen. Während Frauen deutlich häufiger im Gesundheits- und Sozialwesen arbeiten, sind die Bereiche Verkehr, Bergbau und Baugewerbe eindeutig von Männern dominiert. Die Lohnlücke klafft jedoch eher zwischen den pflegenden und den technischen Berufen. Denn der Müllfahrer verdient in der Regel nicht mehr als die Krankenschwester. Bei den top bezahlten Berufen etwa im gehobenen Management und in Vorständen sind nur sehr wenig Frauen zu finden. 

Frauen arbeiten häufiger Teilzeit 

Die Entscheidung, eine Familie zu gründen, ist bei Frauen immer noch mit einer starken beruflichen Einschränkung verbunden. Die meisten frischgebackenen Väter verbringen mehr, anstatt weniger Zeit im Büro. Natürlich, meistens haben sie den besser bezahlten Beruf, sodass Mama erst einmal zu Hause bleibt. Zudem sind eine Menge Anschaffungen zu machen, für die das Geld erst einmal verdient werden muss. 

Eines der Probleme ist, dass man in Deutschland in den meisten Unternehmen nur dann eine nennenswerte Karriere machen kann, wenn man möglichst viele Stunden vor Ort ist. Gerecht wäre es, wenn sowohl Mütter als auch Väter nach der Geburt eines Kindes in Teilzeit arbeiten würden.

Frauen haben weniger Zeit, zu arbeiten

Nicht nur die Verantwortung für die Pflege der Kinder, auch die Sorge um die Alten und Kranken der Familie lastet meist auf den Schultern der Frauen. Selbst um den gemeinsamen Haushalt kümmern sie sich mehr als ihre Partner. Sind sie erst einmal aus dem Beruf ausgestiegen, weil sie sich eine Zeit um kranke Angehörige oder kleine Kinder kümmern mussten, ist die Rückkehr sehr schwierig. Meist kommen sie nur in Teilzeit wieder zurück, was kaum Aufstiegschancen bietet. Gerade Alleinerziehende haben hier ein besonders großes Risiko, unter Verdiensteinbußen und (Alters-)Armut leiden zu müssen. 

Es lohnt sich mehr, zu heiraten 

Als Ehefrau sind Frauen häufig besser abgesichert als durch ein selbstständiges Leben mit einer eigenen Erwerbstätigkeit. Viele Ehegattinnen haben keinen eigenen Beruf und sind vollständig auf ihre Ehemänner angewiesen. Experten sagen, dass der Heiratsmarkt die Frauen besser entlohnt als der Arbeitsmarkt. Doch wählen Frauen diese Rolle nicht selbst aus?

Übernehmen Frauen freiwillig die tradierten Rollen?

Immer wieder sind Stimmen zu hören, die den Frauen die Verantwortung für diese Umstände selbst zuschreiben wollen. Ihr Lebensweg sei größtenteils eigenen Entscheidungen geschuldet. Dabei darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass sich die Karriere einfach nicht lohnt, wenn Frauen mehr Witwenrente als eigene Altersrente bekommen. 

Wie kann Lohngerechtigkeit erreicht werden?

Lohngerechtigkeit wird erst dann zur Selbstverständlichkeit, wenn die sogenannten Frauenberufe gleich bezahlt werden! Die Pflege von Kleinen, Kranken und Alten ist nicht weniger wert als die technischen Berufe und IT Tätigkeiten oder gar der Handel mit Devisen und Immobilien. Ihr niedrigeres Lohnniveau lässt sich wohl am besten dadurch erklären, dass Frauen die Care-Arbeit früher ganz selbstverständlich unentgeltlich geleistet haben, während die Domäne des Mannes die Arbeitswelt war. 

Die Politik ist gefragt

Die strukturellen Bedingungen anzupassen, ist Sache der Politik. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern liegt Deutschland beim Thema Sender Pay Gap weit hinten. 2015 war die Einkommenslücke nur in Estland (26,9 Prozent) und Tschechien (22,5 Prozent) noch größer. In Italien und Luxemburg gibt es die kleinsten Unterschiede mit 5,5 Prozent. In Deutschland hat sich der Verdienstunterschied seit 2002 kaum geändert, obwohl er bis zum Jahr 2010 auf 15 Prozent gesenkt werden sollte. Dieses Ziel wurde klar verfehlt.

+ posts

Anzeige

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.