Foto: TLGG

Fränzi Kühne: „Ich wurde dazu erzogen, mich erst einmal selbst super zu finden“

Christoph Bornschein und Fränzi Kühne gründeten vor zehn Jahren Deutschlands erste Social-Media-Agentur. Heute gelten sie als absolute Überflieger*innen im Bereich der digitalen Transformation. Wie bleibt man da am besten auf dem Boden? Wir haben nachgefragt.

Richtung: bergauf

Gemeinsam mit Boontham Temaismithi gründeten Christoph Bornschein und Fränzi Kühne vor zehn Jahren in Berlin ihre Agentur „Torben, Lucie und die gelbe Gefahr“ – damals Deutschlands erste Social-Media-Agentur. Für die Agentur und die drei Gründer*innen ging es schnell steil bergauf, es folgten Kund*innen wie Astra, Lufthansa oder Spotify, Umsatz und die Mitarbeiter*innenzahl stiegen rapide, bis sich die drei dann im Jahr 2015 für den Verkauf der Agentur entschieden haben – die Geschäftsführung übernimmt das Gründer-Trio weiterhin. Fränzi Kühne wurde Ende des vergangenen Jahres als bisher jüngstes Mitglied in den Aufsichtsrat eines börsennotierten Unternehmens gewählt. Wir haben mit den beiden gesprochen, ob sie sich eigentlich oft selbst richtig super finden – und wie man vermeidet, abzuheben.

Christoph, du hast in einem früheren Interview mit uns auf die Frage, was du deinem jüngeren Ich raten würdest, geantwortet: „Was man, wenn man mit einem bislang halbwegs erfolgreichen Weg gesegnet ist, halt immer sagt. Und was Frank Ocean sagt: It’s all working out, kid.“ – das war ja auf jeden Fall ein bisschen Understatement – und Leute, deren Weg weniger als „halbwegs erfolgreich“ war, mögen da denken: „Jaja, der hat leicht reden“ – deshalb meine Frage: Hast du leicht reden?

Christoph: „Wer schwer arbeitet, hat leicht reden. Ist ja klar. Der Rat an mein jüngeres Ich ist ja nur: ,Mach dir keine Sorgen, sondern genau so weiter. Was du da sagst und denkst und tust hat Hand und Fuß und wird auch ordentlich nachgefragt.‘ Mehr an Erfolgsrezepten hab ich auch nicht parat. Viel arbeiten, sich weiterentwickeln, Gelegenheiten erkennen, Glück haben, an Niederlagen nicht zu lange kauen – das ist halt nicht der Stoff, aus dem die ,Die 5 Tricks der Super-CEOs‘-Listicles gemacht werden. Aber halt meins.“

Fränzi, du und Christoph gelten als absolute Erfolgsmenschen, die immer mal wieder mit Superlativen in Verbindung gebracht werden („Deutschlands jüngste Aufsichtsrätin“…) – was bedeuten dir solche Zuschreibungen? Machen sie dich stolz, oder erzeugen sie einen gewissen Druck – oder nichts davon und du stehst da völlig drüber?

Fränzi: „Gerade ,jüngste‘ ist ja nun ein sehr vergänglicher Superlativ. Generell machen mich solche Zuschreibungen natürlich stolz und unterstreichen noch einmal, dass unser Weg richtig ist. Der Druck, sich dann aber weiterzuentwickeln, der kommt von mir und ist sowieso immer da. Ich bin angetreten, weil ich etwas verändern möchte. Das ist ein Ziel, das ich mir selbst gesetzt habe, und das mit ein paar Superlativen natürlich noch nicht erreicht ist. Für diesen Weg, diese Mission ist mir am Ende relativ egal, was andere denken.“

Auf dem FEMALE FUTURE FORCE DAY werdet ihr gemeinsam darüber sprechen, wie man bleibt, wie man ist, und trotzdem ganz groß rauskommt…ihr seid schon lange keine Underdogs mehr – war es früher leichter, als niemand große Erwartungen hatte?

Fränzi: „Das wird auf jeden Fall das erste Doppelinterview dieser Art mit Christoph und mir. Ich bin sehr gespannt – mal sehen, wie oft wir uns widersprechen.“

Christoph: „Wir widersprechen uns nie.“

Fränzi: „Anfangs kamen die Erwartungen von uns dreien. Wir wussten, dass wir auf einem richtigen Weg sind, und hatten die Erwartungen eher an die anderen: Versteht ihr’s? Seid ihr dabei?“

Christoph: „Das hat sich im Grund auch nicht geändert, nur das es heute um viel mehr Leute mit viel mehr Erwartungen geht – bei uns und auf Kund*innenseite.“

Fränzi: „Den Anspruch an uns, unsere Arbeit und unsere Ergebnisse haben wir dabei immer aufrechterhalten. Wir sind meist noch unsere größten Kritiker*innen.“

Und mal ganz ehrlich, gibt es diese größenwahnsinnigen Momente, in denen ihr denkt „Boah, bin ich super“, und sind diese Momente schön, weil es ja an sich schön ist, die eigenen Erfolge zu feiern, oder habt ihr dann manchmal Sorge, abzuheben, und wer oder was würde euch daran hindern?

Fränzi: „Ich wurde von Anfang an dazu erzogen, mich erst einmal selbst super zu finden. Das ist eine wichtige Grundlage, auf der man so etwas wie TLGG aufbauen kann.“

Christoph: „Ich finde Fränzi auch super.“

Fränzi: „Wir sind weit davon entfernt, abzuheben, weil wir bei all dem noch immer selbstkritisch und reflektiert bleiben. Aber das betrifft nicht uns als Fränzi und Christoph, sondern eben unsere Arbeit, unsere Perspektiven.“

Christoph: „Erfolge und gelungene Projekte machen uns ja nicht zu besseren Menschen, sondern unsere Arbeit zu besserer Arbeit. Was nicht heißt, dass man die nicht feiern sollte, im Gegenteil.“

Und mal ganz grundsätzlich: Ist das realistisch, so zu bleiben, wie man ist, wenn sich die Rolle, die Verpflichtungen, die Wahrnehmung derart ändern? Oder muss man sich zwangsläufig irgendwie verändern?

Fränzi: „Die Fränzi mit 25 war komplett anders als die Fränzi mit 35. Da sind so viele Erfahrungen, durch die ich gereift, gewachsen, stärker geworden bin. Da ist viel Positives, das mich bestärkt, und viele Fehler, aus denen ich lerne. Aber die Grundwerte sind immer noch so stabil wie damals.“

Christoph: „Das ist ja auch ein gradueller Prozess, da legt sich ja kein Schalter um. Die Aufgaben und die Verantwortung, die man übernimmt, haben ihren Einfluss, die Erfolge machen sicherer und die Misserfolge klüger. Dazu kommen die Veränderungen um uns herum – die ganze Welt ist ja 2018 eine andere als 2008. Am Ende haben wir uns auch einfach dadurch verändert, dass diese zehn Jahre vergangen sind. Wer will denn mit Mitte 30 so sein wie mit Mitte 20?“

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