Foto: simpleinsomnia – Flickr – CC BY 2.0

Fremdflirten – Rache ist ein mühseliges Geschäft

Unsere Kolumnistin erwischt ihren Mann beim Flirten und fragt sich, welche Form der Rache erlaubt sein sollte.

Rache ist süß

Als eine Fitnesstrainerin neulich Henry, meinen Mann, anzwinkerte und ich etwas pikiert schaute, meinte er, ich solle mich doch freuen, wenn andere Frauen ihn attraktiv fänden. Für Männer sei es schließlich wichtig zu wissen, dass sie noch von Frauen begehrt würden und sei es auch nur in dieser harmlosen, ephemeren Form eines Zuzwinkerns. Und wenn sich der Mann wohl fühlt, dann sei das schließlich auch für die Partnerschaft gut.

Ehrlich gesagt, bin ich mir da nicht so sicher. Angenommen, ein Mann freut sich so sehr über einen weiblichen Zuspruch, dass er sich entschließt, die ganze Sache zu intensivieren, trifft sich mit der Dame erst zum Kaffee und dann zu anderen Dingen und – einmal gegen alle Wahrscheinlichkeit angenommen – die Ehefrau oder Freundin erführe das, wäre das vielleicht für die Partnerschaft nicht so gut. Möglicherweise legt sie ihm dann Kaktusse in seine Unterhosen, oder kocht ihm ein Omelett aus in Tabasco eingelegten Eiern, bemalt seine Armani-Krawatten großflächig mit Tippex oder verwandelt seine Wohnung in ein Biotop.

Letzteres hat zumindest eine Freundin von mir gemacht, die –  nachdem sie erfahren hatte, dass er sie mit einer anderen betrügt – während seiner mehrwöchigen Abwesenheit den Perserteppich in seiner Wohnung erst etwa 2 cm unter Wasser gesetzt, die Heizung auf ein Maximum hochgedreht und dann mit Sojasprossenkeimen besäht hatte. Nach seiner Ankunft hatte sich sein Wohnzimmer in ein blühendes Gewächshaus verwandelt.  Wenn man nicht gerade ein Botanikfreak ist – kein unbedingt schöner Anblick! Unglaublich, was sich manche Frauen als Racheaktionen einfallen lassen. Ich wäre nie im Leben auf eine solch originelle Idee gekommen. Könnte eine Geschäftsmodell sein. Ich könnte eine Agentur aufmachen, die sich auf Racheaktionen spezialisiert hat. „The Avengers“ könnte man es nennen. Klingt zu martialisch? Wie wäre es mit der „Erynnia-Agentur“, benannt nach den griechischen Rachegöttinnen, den Erynnien. Hat auch gleich etwas Feministisches. Feministisch ist gut.

Und mein Karma?

Andererseits sind solche Akte ja auch ein bisschen niederträchtig. Schlecht für das Karma. Sofern man daran glaubt, muss man davon ausgehen, nach solchen Aktionen als Lemur wiedergeboren zu werden. Kann man es vertreten, ein Geschäft aufzumachen, das seine Kunden langfristig in Lemuren verwandelt? Wobei so ein Leben als Lemur vielleicht auch ganz reizvoll sein kann. Lemuren sind diese süßen weiß-schwarz gestreiften Äffchen aus Madagaskar, die immer ihre Augen so aufreißen, als hätten sie gerade eine Mango verschluckt. Außerdem kuscheln sie den ganzen Tag eng aneinander hockend auf einem Ast. Besonders viel machen sie sonst nicht. Eine Art Hippiegesellschaft auf zwei Metern Baumhöhe. Gedanken über fremdgehende Ehemänner machen die sich jedenfalls nicht. Warum auch? Wechselt einer den Ast, setzt sich halt ein anderer daneben. Oder geht eben zu einer anderen Gruppe. Eigentlich vorbildlich. Auch karmisch gesehen.

Fragt sich nur, als was dann eine vorbildliche Lemurendame später wiedergeboren wird. Vielleicht als eine Fitnesstrainerin? Wenn ich nicht aufpasse, dann holt die sich meinen Mann und fragt ihn, ob er sich neben sie auf einen Ast setzen will. Dann würde ich wahrscheinlich doch zur Erynnie werden. Aber ob auf unserem Boden im Wohnzimmer Sojasprossen wachsen würden, ist zweifelhaft. Immerhin haben wir Parkett und keinen Teppich. Und am Ende würde das nur einen einzigen Menschen ärgern, nämlich mich, weil ich diejenige bin, die das Zeug dann beseitigen müsste. Rache ist ein mühseliges Geschäft. Beim nächsten Mal, bei dem mein Mann von irgendeiner Frau ephemer angezwinkert wird, haue ich einfach ab nach Madagaskar. Rauf auf den nächsten Baum und dann eine Mango verschlucken.

Titelbild: simpleinsomnia – Flickr – CC BY 2.0

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