Foto: Women's March

Der Protest geht weiter: warum es 2017 einen Frauenstreik geben wird

Die Initiatorinnen des Women’s March haben zum Generalstreik aufgerufen, um zu zeigen: Ohne Frauen steht die Welt still.

 

Protest muss größenwahnsinnig sein

Seitdem ich die Geschichte vom Frauenstreik in Island kannte, bei dem 1975 nahezu alle Frauen des Landes einen Tag in den Streik getreten sind, träume ich davon, einen ähnlichen Protest in Deutschland zu sehen. Unter Feministinnen wird immer wieder darüber gesprochen: Wie organisiert man das, so dass alle Frauen informiert werden, aber vorher nichts durchsickert?

Gerade zeigt sich, dass um den Generalstreik der Frauen auf die Beine zu stellen, vor allem das Momentum da sein muss, um Teilnehmerinnen zu mobilisieren. In den USA ist genau das gerade vorhanden. Millionen Menschen hat der Women’s March am 21. Januar 2017 in dutzenden Städten in den USA auf die Straßen gebracht, um friedlich für ihre Rechte und gegen den neuen Präsidenten Donald Trump zu demonstrieren. Überall in der Welt gab es solidarische Märsche. 

Die Frauen, die den Women’s March organisiert haben, wollen es nicht bei dieser einmaligen Aktion belassen. Auf der Website gab es seit dem Samstag im Januar außerdem die Aktion „10 Actions for the first 100 days“, bei denen die Gruppierung Anregungen gibt, wie sich der Protest aufrechterhalten lässt. 

Gestern gab das Team des Women’s March über seine Social-Media-Kanäle die nächste große Aktion bekannt: „General Strike: A Day Without A Woman“. Das Datum und weitere Informationen sind bislang nicht bekannt, daher hilft es, um eine Vorstellung zu bekommen, den Streik in Island 1975 und den Frauenstreik in der Schweiz 1991 zu kennen, bei dem etwa eine halbe Million Frauen für einen Tag im Juni ihre Arbeit niederlegten. Ihr Motto: „Wenn Frau will, steht alles still“. Die Schweizerinnen protestierten damals für faire Löhne, initiiert wurde die Aktion von Gewerkschafterinnen. 

Bildquelle: Women’s March | Facebook

Das Vorbild Island

Auch bei dem Streik in Island ging es um faire Löhne. Am 24. Oktober 1975 beteiligten sich geschätzt 90 Prozent der Isländerinnen am so genannten „freien Tag“ und legten nicht nur ihre Erwerbsarbeit nieder, sondern auch die unbezahlte Arbeit Zuhause. Die Aktion hatte weitreichende Auswirkungen: Zeitungen konnten nicht gedruckt werden, Schulen blieben geschlossen, Flüge mussten gecancelt werden, Männer mussten ihre Kinder mit zur Arbeit bringen und sie an diesem Tag ohne die Hilfe der Frauen versorgen. 

Wer sich bildlich vorstellt, was passieren würde, wenn Frauen heute auch nur für 24 Stunden die Arbeit niederlegen würden, weiß sehr genau: An diesem Tag würden Wirtschaft, öffentlicher Dienst und der Alltag, wie wir ihn kennen, völlig lahmgelegt. Zwar sind Frauen in weiten Teilen ökonomisch bis heute nicht gleichgestellt, ohne sie jedoch bricht die Wirtschaft zusammen.

Kommt ein erneuter Frauenstreik 2017 zustande, wird er Geschichte schreiben.

Macht mit!

Geschlechtergerechtigkeit ist noch in keinem Land der Welt erreicht, selbst nicht in hochentwickelten Industrienationen wie Deutschland und den USA. Während die USA nun einen sexistischen und rassistischen Präsidenten haben, dessen Entscheidungen das Leben von vielen Menschen, gerade solcher, die ohnehin schon viel Diskriminierung erfahren, noch schlechter macht, gibt in in Deutschland zwar keinen akuten Grund für einen Frauenstreik, aber zahllose Gründe, warum solch ein Streik auch hier mindestens einmal im Jahr stattfinden könnte. Der Gender-Pay-Gap ist nur einer davon, hinzu kommen zum Beispiel die mangelhafte politische Unterstützung für Alleinerziehende, Altersarmut, das Fortbestehen von sexualisierter Gewalt, häuslicher Gewalt und Sexismus und rechtliche und alltägliche Diskriminierung von LGBT-Menschen sowie Rassismus und mangelnde Inklusion für Menschen mit Behinderungen. Die Liste, die Frauen und andere diskriminierte Gruppen zusammenbringt, ist lang.

So erklärt auch der Women’s March in seinen Leitsätzen für Geschlossenheit: 

„We believe that Women’s Rights are Human Rights and Human Rights are Women’s Rights. We must create a society in which women – including Black women, Native women, poor women, immigrant women, disabled women, Muslim women, lesbian queer and trans women – are free and able to care for and nurture their families, however they are formed, in safe and healthy environments free from structural impediments. “

Also: Verfolgt die Aktionen des Women’s March und solidarisiert euch auch hier. Proteste bewirken immer etwas. Auch wenn konkrete Verbesserungen im alltäglichen Leben nur langsam umgesetzt oder spürbar werden – der Zusammenhalt und die Motivation, die aus gemeinsamen Protesten erwächst, ist es wert.

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