Foto: Stocksnap

Was will ich eigentlich?

In einem dieser klugen Ratgeber über das Leben las ich neulich etwas, das mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich entscheiden muss: Karriere oder Zeit für Hobbys, Familie & Co. Alles geht nicht. Denn die eigenen Kapazitäten sind begrenzt und irgendwann ausgeschöpft. Aber woher weiß ich denn, was ich will?

 

Tschüßi, mein Leben!

Ich habe schon seit Langem Angst davor, irgendwann stumpf
vor mich her zu leben. Zu funktionieren und die Zeit verstreichen zu sehen.
Ohne dass ich überhaupt weiß, womit ich sie fülle. Arbeiten, Essen, Schlafen.
Ab und zu was trinken gehen oder ins Kino. Aber auch das nur auf Autopilot.
Denn danach kommt schon wieder das Nächste. Die nächsten Verpflichtungen. Das Funktionieren. Ich habe panische Angst davor, dass mein Leben ohne mich
vorbeizieht. Und ich nur zusehen kann, wie es am Horizont verschwindet.

Aber wie geht es denn anders?

Das ist natürlich nicht für jeden gleich. Der Eine geht in seinem Job total auf und lebt seinen Traum. Er wird sich vermutlich nicht so schnell überarbeitet oder kraftlos fühlen. Denn er tut ja schon, was er liebt.

Ein Anderer kann nur wirklich zufrieden sein, wenn er in der Freizeit seinen
Lieblingsbeschäftigungen nachgehen kann: viel Sport oder etwas Kreatives, eine
eigene Band oder vielleicht ein Kochblog? Er braucht diesen Ausgleich. Der Job
ist für ihn vielleicht nur ein Mittel, um das machen zu können, was er liebt.

Und wieder ein Anderer fühlt sich nur im Gleichgewicht von beidem wohl. Er mag seine Arbeit und ist gut darin, aber ohne den Yogakurs am Abend könnte er auch nicht sein.

Alles eine Frage der Priorität?

Und dann gibt es natürlich noch die Familie. Ich bin in einem Alter, da gründen viele um mich herum eine Familie. Ich fange ganz automatisch an, darüber nachzudenken, wie ich selbst mein Familienleben gestalten würde. Natürlich will ich für meine Kids da sein, wenn ich mal welche habe. Aber reicht mir das? Oder brauche ich auch die Selbsterfüllung im Job? Was hat Priorität? Woher weiß ich das überhaupt?

Fragen über Fragen. Und jede einzelne verwirrt mich nur ein bisschen mehr. Ich habe schon viel zu dem Thema gelesen: Wie du wirklich glücklich wirst, Selbstachtung als Weg zum Glück, Bewusster leben… you name it! Da ist überall viel Wahres drin, ohne Zweifel. Aber einfach anzuwenden ist das nicht.   

Karriere…

Will ich Karriere und viel Geld? Joah, schlecht wäre das sicher nicht. Ich bin jedenfalls stolz wie Oskar, wenn ich im Job Erfolge habe. Das tut mir gut. Ich hätte vielleicht sogar das Zeug zu einer guten Führungsposition. Aber will ich das? Und vor allem: Will ich den Weg dorthin? Hart arbeiten, anecken, Überstunden, Anspannung, immer unterwegs, immer am Limit. Hm Hm Hm… so geil klingt das nicht. 

Aber damit nicht genug: Worin will ich das überhaupt erreichen? Was will ich tun? Gelernt habe ich ja was anderes, als ich gerade tue. Das heißt irgendwann wollte ich mal etwas anderes. Was ist aus meinen Träumen geworden? Aber jetzt noch umorientieren? Ist ja auch nicht so easy peasy lemon squeezy. 

Ich könne aber auch auf meinem gemütlichen Polster sitzen bleiben, da lebt es sich ja nicht schlecht. Sicher könnte es mehr Knete geben, mehr geht immer, aber passt so jetzt auch. Der Job ist cool, auch wenn er nicht der Traum von früher ist. Warum was ändern? Nur frage ich mich, ob da nicht die Trägheit aus mir spricht. Oder die Angst vorm Scheitern. Tja tja tja. Und wieder denke ich mir: So einfach ist das alles nicht.

… oder Freizeit?

Freizeit haben ist auch geil. Schön abends noch raus, im Sommer am Rhein chillen. In Ruhe ein Buch lesen oder einfach mal einen Kuchen backen. Ich stehe ja auf dieses Spießerleben. Das gibt mir Ruhe. Im Garten Blümchen anpflanzen. Durch Wälder spazieren. Find ich mega! Vielleicht brauche ich das.

Hallo, innere Stimme?

Nur wer sagt mir das eigentlich? In den schlauen Büchern steht ja: Höre auf deine innere Stimme! Habe ich gemacht. Die sagt nichts. Vielleicht muss ich auch einfach mal machen, statt nur drüber nachdenken. Einfach mal dem
Traum von früher nachjagen und schauen, was passiert. Wenn das eine steile
Karriere ist, auf geht’s! Wenn es eine neue Sprache ist oder ein Buch schreiben
oder in den Pubs der Stadt singen, dann ran an den Speck! Und wenn es eine
Familie ist und ein spießiges Girl Next Door Leben, dann ist auch das fein. Es
geht ja nicht darum, was andere davon halten. Sondern was ich selbst brauche,
um meinem Leben nicht hinterher winken zu müssen. Und wahrscheinlich merke ich auf dem Weg schon früh genug, ob es das Richtige war.   

Erstmal achtsam leben

Und das mit Achtsamkeit hat auch etwas! Viele ganz banale Dinge mache ich auf besagtem Autopilot: Das Abendessen vor dem Fernseher, in der Bahn mit dem Handy spielen statt aus dem Fenster schauen, in der Dusche ToDo-Listen des Tages durchgehen. Das alles lenkt mich ab von der eigentlichen Sache, die ich mache. Und dann kann ich sie auch nicht bewusst wahrnehmen, geschweige denn genießen. Es hilft schon, sich mal zu zwingen, die Dinge einfach bewusst zu machen. Bewusst schmecken. Bewusst sehen. Bewusst fühlen. Dann habe ich mehr von meinem Tag und schließlich auch von meinem Leben.

Wird schon

Jetzt habe ich hier so ein bisschen herumgebrainstormt und komme schließlich doch wieder zu der Ratgeber-Behauptung vom Anfang: Nee, alles wird nicht gehen. Aber ich wünsche mir auch nicht alles zusammen. Ich denke, es schlummert irgendwo eine Tendenz in mir. Eine Richtung, in die es mich früher oder später ziehen wird. Ich muss sie nur noch finden.

Anzeige

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.