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„Danke, aber …” – warum können wir Komplimente so selten annehmen?

Komplimente an- und ernst zu nehmen fällt vielen von uns schwer. Aber warum ist das so und was sagt das eigentlich über unser Selbstwertgefühl aus?

 

Vielen Dank, aber …

Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich heute gedacht: Ja, vielleicht stimmt es ja wirklich, vielleicht bin ich tatsächlich intelligent. Der Gedanke fühlt sich fremd, aber auch befreiend an. jetzt beim Ausschreiben dieses Gedankens schreit eine Stimme in meinem Kopf danach ein „einigermaßen“ einzuschieben und damit den Satz noch schwächer zu machen: „Vielleicht bin ich tatsächlich einigermaßen intelligent.”

In den letzten zehn Jahren habe ich ein Masterstudium abgeschlossen, einen Doktortitel erworben, an der Universität unterrichtet und trotzdem bin ich über den Gedanken: „Ich bin eben ein strebsamer Dummkopf“, nicht hinausgekommen. Gestern hat mir ein Freund gesagt, dass er mich mag und mich für intelligent hält. Ich habe dieses Kompliment schon ein paar Mal gehört. Für gewöhnlich denke ich, dass die Leute, geblendet von meinem Doktortitel, daraus schließen, dass ich intelligent wäre. Das Impostor– oder Hochstapler-Gefühl kommt in mir auf und mit verlegenem Blick gehe ich schnell zum nächsten Thema über. Auch gestern konnte ich das Kompliment nicht ernst nehmen. Heute früh bin ich mit dem positiven Gedanken aufgewacht, dass die Menschen, die mir so etwas sagen, vielleicht sogar Recht haben könnten. Das Gefühl, das dieser Gedanke hinterlassen hat, fühlt sich warm und schön an und ich spüre die Freude darüber immer noch in mir. 

Die Selbstzweifel werden uns schon in der Kindheit eingehämmert 

Durch die Erfahrungen in unserer Kindheit formen sich Gedankenmuster und Programmierungen, die mit einem selbst eigentlich nichts zu tun haben. Deine Lehrerin gibt dir das Gefühl, eine untalentierte Schülerin zu sein. Deine Mutter oder dein Vater kritisieren andauernd dein Äußeres. Deine Schulkollegen nennen dich doof. Als Siebenjährige nimmst du solche Aussagen für wahr. 

All diese negativen Impulse prasseln auf Kinder ein und werden von ihnen unreflektiert in ihr Gedankenrepertoire aufgenommen. Leider sind es selten die Flügel auf ihren Rücken und die geballte Schaffenskraft, die in ihnen schlummert, die ihnen aufgezeigt werden. Auch, weil die meisten Eltern selbst permanent an sich zweifeln. Ein Teufelskreis. Um diesen aufzulösen müssten erst die Emotionen, die wir mit alten Verletzungen in Verbindung bringen, überwunden werden.

Selbstbewusstsein können nur wir selbst entwickeln 

Ich habe mich in den letzten Monaten verändert. Ich habe meinen Job gekündigt, habe mich entschieden, den klassischen Karriereweg nicht weiter zu gehen und erstmal zu mir selbst zu finden. Die Erkenntnis, dass die anderen Menschen mit ihren Komplimenten Recht haben könnten, ist jetzt ein weiteres Puzzleteil auf meinem Weg zu einem neuen Selbstbild. Einem Bild, das eben nicht auf die Wünsche der Umwelt oder die Erfahrungen meiner Vergangenheit abgestimmt ist. Ein Bild, das ich selbst erschaffen und gestalten kann. 

Ein Hoffnungssignal an alle, die mit ihren negativen Glaubenssätzen kämpfen

All jenen, die mit ihren negativen Gedankenschleifen und Glaubenssätzen kämpfen, möchte ich ein kleines Hoffnungssignal geben. Auch bei mir hat es sehr lange gedauert. Aber irgendwann habe ich mich mit meiner Vergangenheit und meinen Erfahrungen intensiv auseinandergesetzt, bin auf dem Weg in vielen schwarzen Löchern versunken und jetzt an dem Punkt angelangt, an dem ich tatsächlich so etwas wie innere Balance spüre – endlich. 

Als kleinen Tipp: Man schafft es bestimmt auch aus eigener Kraft, aber kleine Helferlein motivieren dabei den Weg weiterzugehen – mir hat zum Beispiel ein wöchentlicher Motivations-Podcasts sehr geholfen. Und vertraut den Menschen um euch rum und vor allem eurem eigenen Bauchgefühl!

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