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Gründungsphase: Ich hatte in meinem Leben noch nie solche Zweifel und Ängste

Die Entscheidung zu gründen war für mich der Anfang einer langen Reise. Seit dem habe ich oft mit Ängsten und Zweifeln zu kämpfen. Darüber will ich offen sprechen.

 

Alles auf Anfang 

Im Frühjahr diesen Jahres habe ich die Weichen neu gestellt: Ich habe meinen festen Job aufgegeben und meine tollen Kolleginnen verlassen. Und nach einer kurzen Orientierungsphase habe ich entscheiden, dass ich mich selbständig mache. „Wieder so eine Wahnsinnige!”, denken jetzt wahrscheinlich viele von euch. 

Und ganz ehrlich, ich fühle mich auch so. Gerade dann, wenn ich meinen Businessplan schreibe und dafür eine Rentabilitätsvorschau für die ersten Geschäftsjahre aufstellen muss. Da wird mir schlecht. Bin ich eigentlich wahnsinnig? Allein was für Zahlen ich erreichen muss, um mich selbst über Wasser zu halten …

Juhu, ich gründe

Ich möchte Menschen, Teams, Arbeitskulturen und somit unsere Gesellschaft dabei unterstützen, wieder zu lernen mehr nach innen zu schauen und dort ihre Stärken zu entdecken, anstatt dem ständigen Konsum- und Bestätigungsdrang nachzugeben. Ich habe es satt mir anzuschauen, wie wir alle den Likes, im Club den Blicken der Männer/Frauen oder beim Job dem Lob vom Chef hinterherrennen. Wie wir Entscheidungen nur für den Lebenslauf treffen, Dates nach Bildern und Matches aussuchen und Überstunden zur normalen Arbeitswoche zählen.

Wir haben jetzt lange genug im Außen nach Antworten und Erkenntnissen gesucht und uns mit allem und jedem verglichen. Und ich glaube mittlerweile wissen die meisten von uns, dass das auf Dauer nicht der gesunde Weg sein kann. Ich finde es ist höchste Zeit, dass wir endlich anfangen, uns selbst mehr zu vertrauen, wieder mehr zu reflektieren lernen und auf unsere innere Stimme zu hören. Ich wünsche mir eine Gesellschaft mit Menschen, die keine Angst voreinander haben, die sich nicht untereinander bewerten und dadurch klein machen müssen, sondern groß werden können – mit- und nebeneinander. Das ist meine Vision. 

Das ist meine Vision und das treibt mich jeden Tag an

Aber so eine Vision umzusetzen, das ist Arbeit. Ich dachte, es ginge mir leichter von der Hand, weil es ist ja eben meine Vision ist. Da stellt man sich vor, man hat so einen vollen Energiespeicher, der reicht locker aus bis die Gründung durch ist. Aber nein, ich habe bestimmt jeden Tag einen Moment, in dem ich mich frage: „Ist das der richtige Weg? Wieso tust du das?“

Ich war schon immer jemand, der lieber den Trampelpfad als die gepflasterte Straße gelaufen ist. Damit kenne ich mich also schon mal aus. Aber mein eigenes Business ganz alleine zu gründen ist eine vollkommen neue Straße – diese Straße muss ich komplett neu bauen, die gab es bisher nicht.

Ich habe emotionale Hochs und Tiefs und ja, ich liebe es und ich hasse es. Es ist
Chaos und Ordnung zugleich. Ich habe einen Namen im Kopf und dann verwerfe ich diesen wieder. Ich weiß, was ich anbieten will und wie ich die Formate nennen möchte. Zwei Minuten später kommt mir das schwachsinnig vor. Ich schreibe einen Text, den ich abends total liebe – morgens lösche ich ihn komplett wieder. Argh! Und von dem ganzen Papierkram will ich gar nicht erst anfangen …

Der Weg dahin war lang 

Ich habe sehr lange gebraucht, um meinem Herzen zu vertrauen. Aber irgendwann kam der Punkt, an dem ich wusste, dass ich es nicht mehr ignorieren kann. Jetzt kommt alles, was ich tue, aus meinem Herzen. „Das ist großartig!“, würde mein Coach jetzt sagen. 

Und ja, ich hatte lange gedachte, dass ich die sicherer Variante wählen würde und mir mein eigenes Herzensprojekt neben meinem festen Job aufbauen könnte. Aber zum Glück hatte ich sehr besondere Kolleginnen, die mich da gut gechallenged haben. Ich werde nie vergessen, wie sie mir sagten: „Wir haben das Gefühl, dein Herz ist nicht mehr hier bei uns.“ Und sie hatten Recht.

Aber wo war mein Herz?

An dem Tag bin ich in den Wald gefahren und habe nach meinem Herz gesucht. Und ich habe es wiedergefunden: hinten bei Pichelswerder auf einem Steg an der Havel. Da saß es und hat zu mir gesagt: „Geh deinen Weg!“ Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen pathetisch, aber so war es irgendwie. 
Und es ist nicht das erste Mal, dass mir mein Herz, das in den letzten 30 Jahren gesagt hat. Und wenn ich daraus eins gelernt habe, dann ist es, ihm zu folgen.

Und nun sitze ich hier vor meinem Laptop, um 22:44 Uhr in Berlin-Kreuzberg und schreibe Texte. Texte über mich, über meinen Ansatz, meine Vision, meine Ideen,mein Leben. Und dazu baue ich eine schicke Webseite, die all diesen Inhalten einen passenden Rahmen bieten soll.

Es ist schwer, aber es lohnt sich 

Und um ehrlich zu sein, das ist verdammt schwer. Vor allem wenn ich, wie wir alle, in einer Gesellschaft aufgewachsen bin, in der Bestätigung von außen so wichtig ist und ich schreibe ja nicht einfach nur so. Nein, ich schreibe Texte für meine eigene Webseite, für mich und meine berufliche Zukunft. 

Da klopft dann gerne so kurz vor Feierabend nochmal meine kleine Perfektionistin an (und ich dachte ich hätte sie durchs viele Meditieren endlich in Frieden gehen lassen). Aber nein, dann genau, wenn ich kurz vor dem Gedanken stehe mich mit meiner Feierabendplanung zu beschäftigen, genau dann klopft sie an und sagt mir: „Das ist doch alles Bullshit, was du
da schreibst, das will doch eh keiner lesen und überhaupt, was denkst du dir,
dass du meinst, du könntest das alles was du hier machst?!“

Das versaut mir so manchen Abend. Ich glaube, das ist das, was man als innere Dämonen bezeichnet. Wir alle haben sie und sie werden immer ganz besonders laut, wenn man viel Zeit mit sich selbst verbringt und den Herzensweg geht. Denn damit mache ich mich angreifbar, kann nicht mehr alles logisch und rational erklären und nehme das Risiko auf mich, dass mein Idee keinen Anschluss findet …

Aber hey, ich mache es trotzdem, weil ich es will, weil mein Herz es mir sagt,
weil ich fest daran glaube, dass Herzensthemen immer Anschluss finden …

Dieser Beitrag ist bereits auf Kathalins Blog erschienen. Wir freuen uns, dass sie ihn auch hier veröffentlicht. 


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