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Guter Vorsatz: Neuer Job

Eine neue berufliche Herausforderung für 2016? Wie man die Energie rund um den Jahreswechsel nutzt, ohne überstürzte Entscheidungen zu treffen.

 

Weitermachen oder Wechsel?

Sicher hat es damit zu tun, dass zwischen den Jahren selbst in Büros mit 24/7-Attitüde zumindest für ein paar Tage die Lichter ausgehen – und endlich Zeit ist für ein bisschen Besinnung und Reflexion: Wie ist 2014 jobmäßig gelaufen – und will ich, dass es so weitergeht? Bin ich reif für einen Wechsel? Walter Feichtner ist Karriereberater und Coach in München und berät Firmen zu den Themen Recruiting und Führungskräfteentwicklung. Er erklärt, wie man überstürzte Entscheidungen vermeidet und wie eine gute Strategie für einen Jobwechsel aussehen könnte.

Wenn pünktlich zum Jahreswechsel der Wunsch nach einem neuen Job aufkommt – ist das Ihrer Erfahrung nach üblicherweise nur eine Sektlaune oder ernst zu nehmen?

„Grundsätzlich würde ich solche Gedanken immer ernst nehmen. Ich habe das auch bei unseren Kunden von „Karrierecoach München“ in den letzten Jahren beobachtet: Gerade zum Jahreswechsel melden sich viele  – weil sie am Ende des Jahres in sich gehen, sich fragen, ob sie glücklich sind, zufrieden, auch mit ihrer Position im Job, der für das Glück ja eine wichtige Rolle spielt – und sich fragen, ob sie etwas ändern sollten.“

Und, sollte man?

„Die Tatsache, dass man sich Gedanken zu dem Thema macht, klassischerweise zum Jahreswechsel, ist jedenfalls etwas Schönes: Nur dann habe ich die Möglichkeit, auch bewusst etwas zu ändern, die Dinge eigenverantwortlich anzugehen. Am Ende des Jahres haben viele zum ersten Mal überhaupt die Möglichkeit, sich gedanklich zu sortieren, Luft zu holen, das Jahr Revue passieren zu lassen. Man zieht eine kleine Bilanz des vergangenen Jahres. Viele wollen rund um Silvester etwas anpacken, Änderungen umsetzen. Dieses Energielevel erreichen viele nur in dieser Zeit zwischen den Jahren, in der man nicht permanent an den Job denkt und was als nächstes ansteht – und dieses Energielevel sollte man unbedingt nutzen.“

Was sind also die nächsten Schritte?

„Gerade bei denen, die schon länger in einem Job sind, hat sich womöglich eine gewisse Routine eingeschlichen, von der sie sich befreien wollen. Sie sollten sich fragen, was sie stört, was sich ändern sollte, damit sie zufriedener sind, und dann an die Umsetzung gehen: Möglichkeiten ausloten, den eigenen Marktwert checken, sich ins Spiel bringen.“

Das heißt konkret?

„Sich zu fragen: Wohin kann die Reise führen? Also eine Selbstanalyse machen, was passt zu mir, was müsste ein neuer Job bieten, damit ich zufriedener bin als jetzt? Und man sollte überlegen, welche Kanäle, welche Kontakte, welche Netzwerke man nutzen könnte. Und natürlich den Stellenmarkt checken.“

Ist der Jahreswechsel denn tatsächlich ein guter Zeitpunkt für einen Jobwechsel?

„Definitiv, ja. Vielleicht nicht gerade die Zeit zwischen Dezember und Mitte Januar, da bei vielen Firmen nicht mehr viel vor Weihnachten passiert, und Anfang Januar müssen sich erst mal alle neu sortieren. Aber ab Ende Januar, Anfang Februar wird es interessant: Die Firmen kennen ihre Budgets, sie haben einen Plan für das neue Geschäftsjahr gemacht, über neue Produkte, Vertriebsweg und Strategien nachgedacht, auch die Personalplanung dürfte damit konkreter werden. Denn auch für die Unternehmen ist der Jahreswechsel der Zeitpunkt, um über Neuausrichtung und Neupositionierung und damit verbundene Veränderungen im Unternehmen nachzudenken.“

Also nicht lange fackeln und los?

„Wie man mit der Idee einer Veränderung umgeht, ist Typsache: Es gibt die eher Sicherheitsorientierten und die eher Risikobereiten – bei ihnen ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie einfach hinschmeißen. Den Job zu kündigen würde ich nur empfehlen, wenn sich bereits andere Optionen aufgetan haben – so ein Wechsel ist nicht immer so geschmeidig, wie man sich das erhofft. Wer wirklich den Jobwechsel anstrebt, dem rate ich, sich erst mal die Rosinen herauszupicken, also eine Rangliste zu erstellen, wo man am liebsten hin will. Seine Wünsche nach unten anpassen kann man jederzeit noch.“

Und wie vermeide ich, dass ich aus einer Sektlaune heraus überstürzte Entscheidungen treffe?

„Es muss ja nicht für jeden gleich ein Jobwechsel sein – es muss sich nicht alles komplett ändern, um mehr Zufriedenheit zu schaffen, das ist manchmal auch ein Trugschluss. Man sollte sich genau Gedanken machen, ob man wirklich die Herausforderung eines neuen Umfeldes, eines neuen Jobs will, oder es eher Dinge im bestehenden Job sind, die einen belasten. Und da rate ich unbedingt, die Aufbruchstimmung am Jahresende zu nutzen, um hier konkret Änderungen zu bewirken: Sich genau zu überlegen, was einen stört, einem vielleicht sogar wehtut. Und dann sollte man Gespräche fordern, die Dinge klar ansprechen und  mit Leuten in der Firma, die involviert sind, nach Problemlösungen suchen. Also nicht hineinsteigern, sondern erst mal genau definieren und analysieren, was eigentlich die wahre Motivation für den Gedanken an den Jobwechsel ist.“

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