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Wie ich gelernt habe, die Liebe wieder zuzulassen

Das letzte Mal verliebt habe ich mich mit 15. Das Ende tat so weh, dass ich es die letzten 17 Jahre vermieden habe – bis ein ganz besonderer Mensch in mein Leben trat.

 

Verlieben? Sowas mach ich einfach nicht mehr

Ziegel für Ziegel hab ich sie aufgebaut, die Mauer um mein Herz. Verlieben, das gab es jahrelang nicht. Weil ich es nicht zugelassen habe, weil ich jeden Menschen, der mir zu nahe kam von mir weggestoßen habe. Meine Welt war voll von Freunden, Familie, schönen Momenten, Lachen, Freude. Aber eben ohne diesen einen Menschen. Und das geht. Man kann das über Jahre gut aushalten. Allein sein. Stark sein. Sich nicht verletzbar machen. Weil man sich eben keiner Liebe hingibt. Weil es einfach viel zu sehr wehtut, wenn man liebt und nicht
zurückgeliebt wird. Weil jedes mal ein Teil von einem stirbt. Und weil da eben auch einfach bis jetzt nicht der Mensch aufgetaucht ist, der die Mauer niederreißen konnte.

So sicher war mein Herz, dass es alle Wege verbaut hatte. Doch dieses eine Hintertürchen, diesen einen Geheimgang, den gab es da. Und den hast du genutzt. Und dann war es eben da, das Verliebtsein. 32 Jahre hab ich alt werden müssen, um dieses Gefühl wieder zu erleben. Mit allem, was dazugehört. Ich spreche von Schmetterlingen, Unmengen davon in meinem Bauch. Von Tagträumen. Von Liebesliedern. Von schlaflosen Nächten. Von Herzklopfen. Von Nervosität. Von Schönheit. Von Naivität. Von Leichtigkeit. 

Lang ist´s her 

Mit 15 war es das letzte Mal so. Und seitdem nie wieder. Nie wieder so heftig. Nie wieder so unbedarft. Nie wieder so, mit einfach allem, was man zu geben hat. Doch es hat nicht sollen sein. Es war eben nicht so für dich, wie es für mich war. So etwas tut immer weh. Aber als Erwachsener, da kann man mit so etwas schon umgehen. Ich nicht. Denn was da aus mir sprach, wer da aus mir sprach, das war nicht mein erwachsenes Ich. Das war ein 15-jähriges Mädchen, dem das Herz herausgerissen wurde. Eine Welt, die zusammenbrach. Die Gefühle, die da aufkamen, die waren nicht die einer erwachsenen Frau.

So ganz darüber hinweg bin ich tatsächlich immer noch nicht. Das wird einfach noch dauern. Aber das Wiedersehen mit der Liebe hat mir die Augen geöffnet. Nämlich, dass es da noch etwas anderes gibt, als Starksein, etwas anderes als Alleinsein, etwas anderes als sich der Liebe zu versperren. So weh es immer noch tut, das Wiedersehen mit „mir”, mit meinem 15-jährigen-Ich, mit dem Mädchen, das bereit ist einfach alles zu geben, das war einfach viel zu schön, um die Mauer wieder aufzubauen.

Liebes Ich, es tut mir leid

Ich hab das nicht ganz alleine begriffen – da gab es jemanden der mir die Augen geöffnet hat. Aber ich habe jetzt verstanden, dass die Liebe, die mich überrollt hat, nur so stark war, und der Liebeskummer so furchtbar, weil ich mich dem Gefühl über Jahre versperrt habe. Ich hab mich in einen Teenager verwandelt, in mein altes Ich. Erst jetzt habe ich realisiert, dass das 15-jährige Mädchen nur so getobt hat, weil es jahrelang im Verborgenen leben musste. Und jetzt hat es alles nachgeholt. Bei diesem einen Menschen, der da in mein Leben getreten ist. Und der hat dann all die Liebe abbekommen, die ich zu geben hatte. Davon habe ich viel. Und das ist vielleicht schwer zu ertragen. Das ist mir jetzt auch klar. Weil man dann eben alles auf diesen einen Menschen projiziert, was man sein Leben lang unterdrückt, vermieden hat.

Ich entschuldige mich von ganzem Herzen bei dir, liebes kindliches Ich. Wir haben uns schon mal getroffen. Vor 17 Jahren. Da waren wir beide 15.
Wir waren eins. Dann hab ich dich ausgesperrt aus meinem Herzen. Du
musstest draußen bleiben. Hinter der Mauer. Aber du bist ein Teil von mir und du wirst ab jetzt deine Bühne bekommen, damit ich mich weiterhin verlieben kann. Und damit es nicht jedes mal so weh tut, wenn man nicht zurückgeliebt wird. Denn das gehört dazu. Ohne dich kann ich nicht leben, ohne dich will ich nicht leben. Du hast mir beigebracht, wieder in die Liebe verliebt zu sein.

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