Foto: unsplash / Jez Timms

Hallo Liebe, Tschüss Liebe

Vom Kommen und Gehen. Von versteckten Gefühlen. Der Angst verletzt zu werden. Und der Einsicht, dass man genau dieses Risiko manchmal eben doch eingehen sollte.

 

Ich habe mir über die letzten Jahre ein ziemlich gutes Schutzschild aufgebaut. Dieses hat mich immer davor bewahrt in Sachen Liebe auf die Schnauze zu fallen. Hat mich jedoch, ehrlich gesagt, genau so gut davon abgehalten, Liebe überhaupt zuzulassen. Für eine gewisse Zeit war das auch notwendig. Irgendwann stand ich mir damit jedoch selbst im Weg, hatte meine Superwaffe nicht mehr unter Kontrolle, konnte sie nicht mehr entsichern.

Vollkommen überzeugt vom Freiheitsgedanken, davon dass Liebe durch Freunde doch reiche, dass Partner und Familie einfach nicht mein Ding wären, ging ich durchs Leben. Ließ niemanden mehr an mich ran. Bereiste die Welt, probierte alles aus was mich interessierte, war glücklich.

Und dann passierte es doch. Mein Schutzschild hatte sich über die Jahre
wohl etwas abgenutzt. Und so verliebte ich mich ganz langsam und von mir selbst unbemerkt. Durch die letzten Jahre so abgestumpft lebte ich mein Glück in mir aus, ohne den beteiligten Mann mit einzubeziehen. Er könnte ja anderer Meinung sein und dann wäre alles schon wieder vorbei bevor es richtig angefangen hatte. Das wollte ich nicht. Vor allem aber wollte ich mich nicht verletzbar machen. So wussten fast alle von meinem Glück – außer eben derjenige, der dieses Glück ausmachte.

Als es dann doch zu eben diesem Gespräch kam, hatten sich die Dinge verändert. Die Umstände gaben kein einfaches „Ja“ zu uns her. Zumindest für den Moment war ein kleiner Knacks da. Das wäre nicht so schlimm gewesen. Wäre da nicht meine große Angst gewesen, meine Freiheit nach so langer Zeit aufzugeben und mich auf ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang einzulassen.

Als ich mich also sortiert hatte und den Entschluss gefasst hatte, dass ich dieses Abenteuer auf jeden Fall erleben will, war es zu spät. Ich hatte die Spielregeln über die Jahre verlernt. Verlust – jeglicher Art – tut weh. Einen Menschen von heute auf morgen nicht mehr sehen zu können, während dieser seinem Leben weiterhin ganz normal nachgeht, lässt Träume zerplatzen und Welten zusammenbrechen. Zu wissen, dass man ihn früher oder später mit seiner first Lady sehen wird – eine Frau, die dazu bereit war das Risiko verletzt zu werden einzugehen – löst Schmerz aus. Zeigt aber wahrscheinlich ebenso, dass wir dann irgendwie doch nicht richtig waren. Auch wenn man diesen Gedanken anfangs nicht akzeptieren möchte.

Wir werden niemals Freunde werden. Vielleicht irgendwann mal wieder Bekannte. Die Frage ist, ob wir das überhaupt möchten. Und trotz der Schmerzen, des Verlustes, der Tränen und der Vermissung bin ich irgendwie dankbar. Denn ich bin jetzt dazu bereit, mein Schutzschild abzulegen. Ja, es macht mit verletzbar, ich werde bestimmt noch oft hinfallen, aber auch wieder aufstehen. Gefühle zulassen, aufrichtig sein, lieben und wenn es nur für einen kurzen Moment ist, das ist es mir wert. Auf die ewige Achterbahnfahrt. Auf das L(i)eben.

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