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Hier in Amerika ist alles besser.

Als ich vorhin mit meiner Tochter zu unserem Lieblingsbiosupermarkt um die Ecke auf dem Fahrrad an etlichen Obdachlosen vorbeigeradelt bin, wurde ich mit den Schattenseiten dieses Landes konfrontiert. Obdachlosigkeit in Amerika wird nicht abgefangen. Hier ist Armut überall zu finden und bei den Wohnungs- und Lebensunterhaltspreisen auch nicht verwunderlich. Der kalifornische Mindestlohn kann diese Kosten nicht abdecken. Ich fahre an den vielen Obdachlosen vorbei – Kranke, Kinder, Schwangere Frauen – und wünsche mir für diese Menschen ein wenig Hartz 4. Eine Politik, die in Deutschland von vielen Bürgern abgeschafft gehört.

 

Ich werde hier immer wieder damit konfrontiert, dass in Amerika natürlich nicht alles besser ist. Doch wie viele Male bin ich in Deutschland Bettlern begegnet und ignorierte diese, weil ich an die vielen Sozialleistungen des Landes dachte und nicht die Notwendigkeit darin sah, Unterstützung zu geben. Mir fehlte das Mitgefühl, das irgendwo zwischen fast 50% Steuerabgaben und miserabler Einwanderungspolitik verloren gegangen ist. 

Hier durfte ich lernen, mein Herz zu öffnen.

Menschen, die auswandern, suchen in ihrer neuen Heimat ein besseres Leben. Was bedeutet aber „besser“? Das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Sicher ist es objektiv betrachtet für viele Menschen dieser Erde „besser“ auszuwandern, weil ein sicheres Leben im Heimatland nicht mehr gegeben ist. Doch wenn man sich entscheidet, von einem Industrieland in ein anderes zu ziehen, darf man nicht blauäugig auf ein besseres Leben hoffen. In jedem Land erleben wir glückliche und weniger glückliche Umstände.

Es gibt schließlich keine perfekte Politik, sonst wär nun mal jede Nation ein Garten Eden.


In einem Sozialstaat wie Deutschland müssen Menschen nicht unter Hunger leiden oder erfrieren, weil ihnen ein Dach über dem Kopf immer sicher ist.
Ich empfinde hier so viel Mitgefühl für all die Menschen, die so sehr um ihr Leben kämpfen müssen und so viel mehr geben müssen. Doch in einem Land zu leben, in dem Neid und Missgunst in fast jedem Bürger schlummern, ist mir noch mehr zuwider. 

Es ist schon erstaunlich, dass in einem Sozialstaat die Menschen so unsozial sind.

Dann wird sich beschwert, dass die Flüchtlingskinder die Kindergartenplätze klauen oder die Einwanderer den Staat ausnehmen, ohne die Sprache zu beherrschen. Vielleicht passiert das, wenn man gezwungen wird, sozial zu sein. Ich bin nun Einwanderer in einem Land, in dem man sich den A*** aufreißen muss, um einen Platz in der Gesellschaft zu ergattern. Doch hier wurde ich von JEDEM Amerikaner, dem ich erzählt habe, dass ich aus Deutschland komme, mit einem warmen „Welcome to America“ begrüßt. 


Hier ist bei weitem nicht alles besser. Doch hier halte ich an der Straße an, stecke dem Obdachlosen mein restliches Bargeld in die Hand und erfahre unendlich viel Dankbarkeit und Herzlichkeit und darf innerhalb von weniger Minuten einen Mann kennenlernen, dessen Augen trotz aller Schicksalsschläge weiterhin vor Hoffnung funkeln.

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