Foto: Spottster

Freya Oehle: Bei den Löwen waren wir weniger offensiv als bei anderen Pitches

In der „Höhle der Löwen“ werden Startups auf Herz und Nieren geprüft. Freya Oehle tritt heute Abend mit Spottster dort an. Bei uns schreibt die Hamburgerin über die Dreharbeiten zur VOX-Sendung.

 

Wir trauen uns

Heute Abend ist es so weit: Mein Gesicht und das meines Mitgründers Tobias werden genau zur Primetime bei auf Vox auf den Mattscheiben der Nation flimmern. Warum? Weil wir als Gründer von Spottster mit unserer Idee vor die fünfköpfige Jury von „Die Höhle der Löwen“ getreten sind, um sie von unserem Team, unserem Unternehmen und der Möglichkeit einer Investition von 500.000€ zu begeistern.

Vox hatte uns 2013 zur ersten Staffel angesprochen, aber
damals war unser Produkt noch nicht marktreif. Als sie dieses Jahr erneut auf
uns zukamen, haben wir aufgrund der einmaligen Möglichkeit, ein Funding und
Reichweite zu bekommen, unsere Bewerbung eingereicht. Wie der Sender damals auf uns
gekommen ist, wissen wir bis heute nicht

Bisher frohlocken alle, die davon hören und gratulieren uns zu den tollen Effekten, den die Teilnahme für unser Unternehmen hat. Aber jeder Taler hat bekanntlich zwei Seiten. Neben den großen Erwartungen, die man in die Reichweite der Sendung setzt, bleibt doch Ungewissheit darüber, wie man in der Sendung wirkt, wie der Sender das Material aus den hunderten von Kameras im Studio wohl zusammengeschnitten hat und ob unsere Website dem enormen Ansturm wohl standhalten wird oder unsere Server, um diesen medialen Gang nach Canossa krönend und historisch korrekt zu beenden, in die Knie zwingt.

Dreharbeiten mit Tempo

Die Dreharbeiten fanden schon im März statt. Die Produktion war gut getaktet: Ankommen, Einweisung, Sachen ablegen, in einen Teamwagen einsteigen, vor laufender Kamera aussteigen und Bitte: Interview Nummer eins. Rein in den Teamwagen, wieder quer durch die Domstadt, zurück ins Studio, verkabeln, ein Schluck Wasser und Bitte: Interview Nummer zwei.

„Wie fühlt ihr euch?“, „Seid ihr aufgeregt“, „Was ist heute euer Ziel?“ – Fragen, die man immer mit einem Schmunzeln und großer Bewunderung für die zugrundeliegende Tiefenpsychologie bei Sportreportern gewürdigt hatte.

Dann weiter – Schnittbilder drehen, also in möglichst unnatürlichen Situationen für längere Zeit ohne Regung möglichst natürlich vor der Kamera posieren, um das Teamplay zu zeigen. Muss ja keiner wissen, dass das normalerweise aus erbitterten Nerf-Gun-Fights und Streichen besteht.

Pitchen vor den Löwen

Und auf einmal: „Bitte vor die Tür treten. Wenn wir JETZT sagen, bis zur Markierung laufen, stehenbleiben und dann viel Erfolg beim Pitch“. Ende der Durchsage.

Tobi und ich raunen uns ein kurzes „MiezMiezMiez“ zu, damit
der Humor trotz der Anspannung nicht zu kurz kommt – wo kämen wir denn da hin –
und die Tür schwingt auf.

Es ist also genauso, wie man es abends vorm Fernseher genießt. Man hat die Jury vorher nie gesehen, mit dem Einlaufen beginnt der Dreh. Man wagt sich bis zur Markierung ins grelle Licht vor. In bewusster Distanz erblickt man zum ersten Mal die fünf, leicht erhöht thronenden Miezekatzen. Links eine Wand aus Kameras, die auf jeden nur denkbaren Winkel gerichtet sind – erste Zweifel, ob nicht der ein oder andere unvorteilhaft ist, kommen auf, bevor man auch schon voll im Erklärbärmodus des Pitches steckt.

Das Gefühl während des Pitches ist irgendwo zwischen
Aufregung und Unsicherheit. Nicht, weil man Angst hat, den Pitch zu versauen – der ist
mittlerweile eh Routine – sondern vielmehr, weil man auf seiner Markierung
stehend verharren muss und nicht wirklich weiß, was man von den Löwen zu
erwarten hat. Man befürchtet permanent etwas zu tun, was richtig
zusammengeschnitten später vor dem Fernseher schlecht wirkt – ist also viel
vorsichtiger und viel weniger offensiv, als man es gewöhnlich wäre, einfach um
keinen falschen Eindruck zu erwecken.

Ein Wechselbad der Gefühle

Dann: Stille und das immerwährende Lächeln der Judith Williams, bis das Feedback einsetzt. Lob, Kritik, bohrende Nachfragen, unzweideutige und zweideutige Gesichtsausdrücke – all dem gilt es Stand zu halten ohne seine exponierte Position zu verlassen. Man wartet quasi nur darauf, dass irgendetwas Schlimmes an
Feedback oder Rückfrage kommt. 
Zuletzt folgt ein „Danke“, man verlässt das Studio und der Spuk ist auch schon wieder vorbei.

Was folgt ist ein Warten: Werden wir in die Ausstrahlung aufgenommen? Was die wohl aus den einzelnen Szenen gemacht haben? Ob wir positiv rüberkommen? Und wehe, sie zeigen einen aus diesen unvorteilhaften Winkeln.

Man befindet sich bis zur Ausstrahlung im Wechselbad der Gefühle – der Taler wechselt eben immer wieder seine Seite. Doch ob er am Ende auf die richtige Seite fällt, wird sich dann heute Abend zeigen.

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