Foto: Stephanie Huber

Warum Erwachsene so viel falsch verstehen

Was 5-jährige besser können als wir Erwachsene

 

Schatz, wie spät ist es?“ ruft der Ehemann seiner Frau zu, die sich im Badezimmer, für die anstehende Verabredung, stylt. „Himmel nochmal. Ich habe dir doch gesagt, ich brauche eine halbe Stunde. Warum drängst du jetzt schon nach 10 Minuten?“ schallt eine wütende, weibliche Stimme aus dem Badezimmer.

Eine alltägliche Situation in unseren Häusern und Wohnungen. Die Ehefrau fühlt sich von ihrem Mann gedrängt und kontert wütend. Der Abend ist in den meisten Beziehungen gelaufen und könnte direkt an der Stelle beendet werden. Denn wahrscheinlich werden die Beiden stillschweigend das Haus nebeneinander verlassen und vor lauter Wut auf den Anderen den Abend nicht mehr uneingeschränkt genießen können.

Ein und dasselbe erleben wir im Berufsalltag, wenn wir mit einer Aufgabe beschäftigt sind und der Chef steckt den Kopf zur Türe rein und fragt, ob wir fertig sind. – Das Beispiel des Ehepaares passt in viele Alltagssituationen. Die gute Nachricht, es ist eine vermeidbar.

Was ist in Wirklichkeit passiert?

Die Uhr des Ehemannes ist stehen geblieben, er fragt seine Frau: „Schatz, wie spät ist es?“ Die Frau, die im Badezimmer auf die Uhr sehen könnte, interpretiert in seine Worte hinein, er will mich drängen … ich bin nicht schnell genug … es dauert ihm zu lange. – Und mit dieser Interpretation im Kopf antwortet sie. Natürlich alles andere als freundlich und entspannt. Im Gegenteil, sie kontert einem Angriff.

Pech für den Ehemann, der jetzt ebenfalls einen gravierenden Fehler macht, wenn er beurteilt, das das Verhalten seiner Frau eine „Unverschämtheit“ ist. Denn dann reagiert er ebenfalls wütend oder gar beleidigt und beantwortet den Angriff mit einem Gegenangriff.

Wie hätte der Abend und die Kommunikation besser verlaufen können?

Die Lösung ist simpel und doch im Alltag unglaublich schwer umzusetzen. Und dabei beherrschen sie 5-jährige besser als wir Erwachsene! Doch dazu später mehr.

Hätte die Ehefrau anstatt zu interpretieren gefragt: „Aus welchem Grund möchtest du die Uhrzeit wissen?“ dann wäre der Abend wahrscheinlich glücklicher verlaufen. Selbst der Ehemann hätte auf den verbalen Angriff aus dem Badezimmer fragen können: „Was ist geschehen, dass du so wütend wirst?“ In beiden Fällen hätte das den Abend gerettet und der Abend hätte mit ein anderes Ende nehmen können. Vielleicht hätte die Ehefrau geantwortet: „Wenn deine Uhr stehen geblieben ist, dann haben wir doch jetzt mehr Zeit und ich wüsste spontan, wie uns die gewonnene Zeit vereinigen könnte.

Was 5-jährige besser können als wir Erwachsene

Die Antwort kennt jeder, der schon einmal mit einem Kleinkind zu tun hatte. Kleinkinder fragen. Sie fragen, sie hinterfragen, sie werden nicht müde zu fragen – aber sie interpretieren und bewerten nicht. Sie lernen die Welt durch Fragen und Zuhören kennen – und leider lernen sie daraus und aus den Erfahrungen, die sie machen und noch machen werden zu bewerten und zu interpretieren. Sie lernen vielleicht, Hund streicheln heißt gebissen werden. Jedenfalls dann, wenn sie von einem Hund gebissen wurden. Folglich bewerten sie jeden Hund mit ihren Erfahrungen. Sie treten dem Hund nicht mehr unvoreingenommen gegenüber.

Das sind die Erfahrungen, die uns im Leben vor Gefahren schützen sollen. Dennoch ist der Ehemann, der nachfragt, weil seine Uhr stehen geblieben ist, nicht gefährlich. Gefährlich sind lediglich unsere Interpretationen, Vermutungen und Bewertungen.

Wenn wir Erwachsenen lernen wie die 5-jährigen zu fragen, dann werden sich Streitigkeiten und Konflikte deutlich reduzieren. Doch auch beim Fragen gibt es einige Kniffe, die beachtet werden sollten. Die richtige Fragen öffnen Türen und lenken in die gewünschte Richtung.

Die Macht der richtigen Fragen

Warum?

Die Warum-Frage steht häufig am Anfang einer Auseinandersetzung, weil sie oftmals als Angriff oder Vorwurf verstanden wird? – Spart euch die Frage, ersetzt sie lieber durch andere Fragen.

Warum kommst du so spät?“ lieber durch ein „Was ist passiert, dass du dich verspätest?

Was? Wie? Wann? Wo? Woran? Wer?

W-Fragen sind zielführende Fragen und vermitteln richtig angewandt Interesse. Sie klären und schaffen Transparenz. Es gibt übrigens keine dummen Fragen, sondern höchstens unangenehme.

Wie ist deine Sicht der Dinge?

Wann genau hat sich das verändert?

Wo ist der Unterschied?

Woran würdest du merken, dass das Gespräch erfolgreich war?

Wer soll in Kenntnis gesetzt werden?

Was genau bewirken W-Fragen: Fragen statt vermuten, nur so gehst du sicher, nicht zu interpretieren, sondern wirklich zu verstehen.

Wer nicht weiß, was er fragt, darf sich nicht wundern, wenn er hört, was er nicht will!

Beginnt zu fragen statt zu vermuten, zu interpretieren und zu bewerten. Ihr werdet die Erfahrung mache, dass Gespräche eine viel bessere Qualität bekommen. Nur wer fragt, wird wirklich verstehen – und dann klappt´s auch mit dem Partner …

Viel Erfolg!

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