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Homo-Ehe: 2015 – und immer noch leben in der Vergangenheit – wie kann das sein?

Irland hat per Volksentscheid die Homo-Ehe durchgesetzt. Während wir das noch feiern, fragen wir uns, warum um Gottes willen nur in Irland?

 

Homo-Ehe: Wirklich nicht mehr als ein Anfang

Gerade hat Irland ganz klar und doch auch sehr überraschend per Volksentscheid die Homo-Ehe durchgesetzt. Die 62-prozentige Mehrheit ist ein großartiger Erfolg und ein wichtiges Signal für alle Länder, die sich mit dem Thema endlich und zwar umfassend auseinandersetzen müssen. Jetzt könnte man meinen, das seien sicherlich nicht mehr so viele, oder nur noch einige. Aber nein, das kleine, beschauliche, sehr katholisch geprägte Irland, ist tatsächlich das erste Land, dass die Homo-Ehe und damit einhergehend alle Rechte für homosexuelle Paare durchgesetzt hat. Ein Anlass um uns zu fragen: Was ist denn mit dem Rest? Immerhin schreiben wir das Jahr 2015

Auch wenn sich schon einiges getan hat, für die homosexuelle Community, so hapert es doch noch immer an allen Ecken und Enden. Gleichberechtigte Ehe? Nein, Eintragung einer Lebenspartnerschaft. Adoption? Fehlanzeige. Ein Ende der Diskriminierung? In Zeiten, in denen „schwul“ für viele noch immer wie ein Schimpfwort klingt: nicht in Sicht. Und wer nun sagt, das sei doch alles passé, der wohnt wahrscheinlich in einer Großstadt und sollte die eigene Blase in regelmäßigen Abständen platzen lassen. Denn in Kleinstädten und Dörfern ist die Stigmatisierung noch riesig und die Selbstmordrate von homosexuellen Jugendlichen liegt im Vergleich zu heterosexuellen Jugendlichen sieben Mal höher. Eine Zahl, die einem den Magen verkrampfen lässt.

Wir brauchen die Politik um aktiv eine Veränderung herbeizuführen

Aber während wir bei gesellschaftlichen Anschüben noch Zeit brauchen werden und diese vor allem durch (vor-)gelebte Toleranz anschieben können, so kann hierzu natürlich von rechtlicher Seite einiges getan werden. Und das erste wäre die Homo-Ehe. Es ist doch kaum zu ertragen, dass wir dafür noch immer kämpfen müssen. Die Würde das Menschen ist unantastbar und vor Gott sind wir alle gleich? Nun, an der Würde wird, und bei weitem nicht nur hinsichtlich der Rechte für Homosexuelle, ganz schön viel rumgetatscht. Und dafür, dass wir vor Gott alle gleich sind, winden sich die Christdemokraten in dieser Frage ganz schön rum. Immerhin äußerte CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn sich nun gegenüber der Welt mit folgenden Worten: „Man sollte denken, was die katholischen Iren können, können wir auch.“

Das sollte man denken, ja. Doch während der CDU-Mann leise seinen Unmut anmerkt, schießen einem noch die unvergessenen Bilder von Merkels stotternder Antwort während des Wahlkampfes 2013 durch den Kopf, die sie in der TV-Wahlarena auf eine Zuschauerfrage bezüglich der Adoptionsmöglichkeiten von homosexuellen Paaren zu geben versuchte. Und bei der man sich einfach nur unfassbar unwohl fühlte. Ganz einfach weil man sich fragte, wie borniert der Politbetrieb eigentlich sein kann, heute überhaupt noch über die gleichberechtigte Ehe von homosexuellen Paaren und die damit einhergehenden Rechte zu diskutieren.

Ja, die Anhebung der Rechte ist Teil des Koalitionsvertrages und ja, am Mittwoch will Heiko Maas dem Kabinett dazu einen Vorschlag vorlegen, der in 23 verschiedenen Gesetzen und Verordnungen Besserung versprechen soll. Doch wieso nicht statt mit einem neuen Bürokratiemonster einen Tropfen auf einen immer heißer werdenden Stein zu geben, einfach ein klares Ja zur Homo-Ehe einräumen? Das bleibt wohl das Geheimnis der großen Koalition. Zufriedengeben, sollten wir uns damit allerdings nicht.

Sicherlich fragen auch wir uns viel zu oft im Stillen: Warum nur, sind wir immer noch so rückständig? Der fantastische Erfolg in Irland ist Anlass genug, um einmal mehr laut nachzufragen. Auf dass es die richtigen hören. Und wir bald auch die Homo-Ehe in Deutschland beklatschen dürfen.

Ein Zeichen setzte am 26. Juni 2015 der US-Surpreme Court: Er setzte fest, dass die Homo-Ehe in allen 50 Staaten legal sein muss. Und Obama twitterte: „Heute haben wir einen großen Schritt in Richtung Gleichberechtigung gemacht.“

 

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