Foto: Christopher Michel – Flickr – CC BY 2.0

Ihr verschwendet meine Zeit – warum die Machos der Führungsetagen nerven

Manche männliche Führungskräfte über 50 halten jede Frau für ihre Sekretärin oder einen Flirt. Eine CEO Anfang dreißig schreibt bei uns darüber, wie nervtötend es ist, mit solchen Männern zu arbeiten.

 

Als Frau unter vielen Männern

Ich bin CEO, eine Frau und noch keine 33 Jahre alt. Als ich zum ersten Mal Geschäftsführerin eines Unternehmens wurde, war ich 28. Meine Aufgaben als Chefin sind nicht einfach, aber ich mache sie gut. In meiner Position als CEO habe ich in den vergangenen fünf Jahren tausende von Entscheidungen getroffen und wahnsinnig viel gelernt. Weil meine Firma verschiedene Zielgruppen bedient und Schnittpunkte mit öffentlichen und politischen Interessen hat, habe ich viel Kontakt mit Regierungs- oder städtischen Angestellten. Für mein Business ist außerdem Fundraising eine Notwendigkeit, zum einen bei Privatpersonen, zum anderen bei Unternehmen. In den letzten fünf Jahren habe ich dabei vor allem immer wieder mit Männern über 50 zu tun gehabt, weil sie auf dem gleichen Führungslevel wie ich arbeiten.

In diesen fünf Jahren habe ich nicht nur fachlich unheimlich viel gelernt, ich habe vor allem etwas darüber gelernt, was es bedeutet, eine weibliche Geschäftsführerin in Europa zu sein. Über Frauen in Führungspositionen und die bestehende Diskrepanz beim Thema Macht ist schon viel geschrieben worden. Ich habe immer wieder ganz persönliche Beobachtungen und Erfahrungen gemacht und daraus meine eigenen Schlussfolgerungen gezogen, was die Zusammenarbeit mit älteren Männern betrifft, denn sie unterscheidet sich deutlich von der mit jüngeren.

Wie also haben sich die Männer 50+ verhalten?

– In Meetings schenken sie Frauen weniger Aufmerksamkeit als Männern.

– Sie erwarten schlicht nicht, eine Frau in einer Führungsrolle zu sehen.

– Sie befördern Frauen nicht in Führungpositionen.

– Sie können Kritik nicht ausstehen.

– Sie haben kein Gespür für den Einfluss von Alltagskultur und die Dinge, die nach 1985 entstanden sind.

– Sie haben das Bedürfnis, alles kritisch zu kommentieren, was jüngere Personen sagen.

– Wenn eine Frau sie öffentlich kritisiert, wird sie als Zicke betrachtet und als zu grob bezeichnet, Männern müssen dieses Urteil bei gleichem Verhalten jedoch nicht befürchten.

– Männer können Bullshit reden. Sie können über jedes Thema reden, von dem sie keine Ahnung haben, niemand wird es wagen, dazwischenzugehen.

– Frauen hingegen werden sofort und andauernd unterbrochen.

– Männer ziehen ihre Lebenserfahrung als Argument für alles Mögliche heran, bei Frauen hingegen gilt das nicht.

– So genannte Frauenthemen interessieren Männer nicht. Sie ziehen sich aus dem Gespräch zurück.

– Sie haben keinerlei Interesse daran, dass Dinge sich nach vorn bewegen. Ihnen geht es nur um Erhalt des Status quo.

– Sie wollen Frauen ständig ihre Lebenserfahrung aufdrängen, aber haben keinerlei Interesse, Anekdoten aus weiblicher Perspektive zu hören.

– Sie betrachten Frauen entweder als Sekretärinnen oder potenzielle Liebhaberinnen.

– Sie gehen arbeiten, um sich dort für ihre Erfolge feiern zu lassen, weniger, um etwas wirklich voranzubringen.

– Jedes Meeting orientiert sich an den Männern, die es leiten. Wie ein Meeting verläuft, ist völlig davon abhängig, wie sie geschlafen haben, wie ihre Stimmung ist und wie es ihnen gerade geht.

– Sie haben ihre Stimmungsschwankungen nicht unter Kontrolle, wollen das auch nicht und verschwenden so die Zeit anderer.

– Sie weigern sich, direkt an der Sache zu arbeiten und wollen erst Aufmerksamkeit für ihre Person, bevor man über die Arbeit sprechen kann.

– Sie sind sozial und kulturell auf die Zeit fixiert, in der sie geboren wurden und unfähig, sich an Wandel anzupassen.

– Ihre Midlife-Crisis definiert sie.

– Sie ziehen sich in Meetings dauernd die Schuhe aus.

– Sie popeln sich öffentlich in der Nase.

– Sie haben oft zu viele Hemdknöpfe geöffnet.


Ich habe mit Frauen gesprochen, die in der Tech-Branche arbeiten oder in anderen jungen Industrieren. Ihre Erfahrung dort ist anders. Ein Glück.

Ich finde meine Erfahrungen unglaublich frustrierend, besonders deshalb, weil Männer diese Verhaltensweisen und insbesondere ihren Bias gegenüber Frauen erkennen, wenn man sie darauf anspricht. Obwohl sie sich dessen bewusst sind, haben Männer in Führungspositionen keinerlei Motivation, ihre Einstellung gegenüber Frauen – insbesondere Frauen auf ihrem Level – zu verändern. Das Problem ist, dass Männer 50+ vermutlich noch weitere 20 Jahre arbeiten werden. Sie tun nicht nur nichts dafür, damit Frauen die gleichen Chancen bekommen und ihre Branche mitgestalten können, sie verschwenden außerdem noch unsere Zeit, während sie versuchen, den Status quo zu erhalten.  Ich bitte euch dennoch noch einmal: Don’t waste my time.

Titelbild: Christopher Michel – Flickr – CC BY 2.0

Mehr bei EDITION F

Warum unfähige Männer so oft in Führungspositionen sind. Weiterlesen

Meine ersten 100 Vorstellungsgespräche als Chefin und was Bewerber daraus lernen können. Weiterlesen

„Man entwickelt erst im Laufe der Zeit das Know-how und das Selbstbewusstsein, das als Chefin nötig ist“. Weiterlesen

Anzeige

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.