Foto: © Andrea IURLOV – Fotolia.com

In der Liebe braucht’s kein „Heile-Welt-Getue“

Er steht mal wieder an, der „große“ Tag – sei es der Jahres- oder der Hochzeitstag. Die Herzen fliegen, schlagen im Gleichtakt und platzen gleich vor Liebe … Ich kann es nicht mehr ertragen, dieses „Heile-Welt-Getue“ an diesen Tagen. Wenn sich Menschen an den restlichen Tagen im Jahr nicht mit ihrem Partner auseinandersetzen, dann wiegen Blumen an diesen Tagen auch nicht auf.

 

Ganz im Gegenteil: Vielleicht trifft sie am Tag danach der Alltag noch härter als sonst. Weil ihre Erwartung zwar an einem Tag im Jahr erfüllt wurde, den Rest des Jahres aber weiter unbefriedigt in ihnen schlummert. Statt mit ihrem Partner darüber zu sprechen, wird die Enttäuschung aber meistens bei den Freunden abgeladen.

Das wahre Leben ist kein Schnulzenfilm

Ein Spielfilm, den ich bei vielen Paaren beobachte. In der Liebe halten sie aus Angst vor Konflikten mit ihren Wünschen und Meinungen hinter dem Berg, kommunizieren diese aber dann außerhalb der Beziehung. Für mich eine klare Sache: Sie leben in zwei Welten! In der einen reden sie Klartext, in der anderen schweigen sie.

Wenn Ihnen dieses Drehbuch auch bekannt vorkommt – spitzen Sie jetzt die Ohren: Liebe ist nun mal kein kitschiger Hollywoodfilm, in dem sich Hauptdarsteller mit Blicken anschmachten und im roten Ferrari für immer Richtung Horizont verschwinden. Um nicht in der negativen Endlosschleife festzuhängen und Ihre Beziehung voranzutreiben, brauchen Sie Dialoge. Eine stetige – und konfliktbehaftete – Auseinandersetzung zwischen den beiden Hauptdarstellern!

Konflikt geh weg, ich habe keine Zeit

Ja, ich weiß, das ist im Alltag manchmal schwierig. Auch wenn Sie sich vornehmen, wirklich einmal mit dem Partner zu sprechen, ist Zeit oft Mangelware. Da ist es einfacher, Konflikten aus dem Weg zu gehen und seine Enttäuschung irgendwo anders rauszulassen. Er heult sich bei Freunden am Stammtisch aus, sie schreibt ihre Wünsche in Beziehungsforen im Internet nieder. Das geht ganz und gar nicht! Sich in Gesellschaft über den Partner aufregen, aber gleichzeitig zu Hause nicht ansprechen, was einen stört – das ist für mich nicht nur unhöflich, sondern auch dumm.

Denn wenn Sie sich nicht trauen, Ihre Wünsche beim Partner anzusprechen, dann kommunizieren Sie permanent in zwei Welten. Zu Hause Friede, Freude, Eierkuchen, um ja den Haussegen nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen – und Jammer- bis Motzattacken, wenn der Partner gerade nicht zuhört. Ich frage mich: Was ist das für ein Leben? Sie wollen mehr Pep im Bett, einen Mann, der im Haushalt hilft, oder einfach nur Blumen auch mal unterm Jahr: Dann sagen Sie es Ihrem Partner – und nicht dem ganzen Freundeskreis!

Raus aus den Kinderschuhen

Ja gut, jetzt können Sie natürlich sagen, dass Ihnen Ihre Eltern das offene Formulieren von Wünschen und Meinungen aberzogen haben. Auf ein „Ich will das nicht!“ folgte meist ein „Doch, das isst du jetzt!“ oder „Doch, so macht man das richtig!“. Das ist leider wahr! Aber Sie sind inzwischen groß und können selbst entscheiden, was für Sie das Richtige ist.

Auch Handlungsmuster, die Ihnen in die Wiege gelegt wurden, sind nicht gottgegeben. Ein bisschen Selbstreflexion hat noch niemandem geschadet! Haben Sie also Mut, Ihre eigenen Meinungen und Wünsche auszusprechen und kommunizieren Sie diese vor allem Ihrem engsten Vertrauten, Ihrem Partner.

Liebe braucht Streit

Die Angst schwingt dabei natürlich mit, klar. Wenn Sie aussprechen, was Sie denken und wollen, dann kann das Ihr Weltbild und Ihre Beziehung ganz schön auf den Kopf stellen. Streit ist vorprogrammiert – doch er lohnt sich! Nur wenn Sie Dinge aussprechen, können Sie sie auch ändern. Und Sie wollen ja, dass sich was ändert!

Ganz nebenbei verschwindet damit auch Ihr Problem mit den zwei Welten, in denen Sie unterschiedlich kommunizieren. Es besteht ja kein Bedarf, sich bei den Freunden auszuheulen, wenn Sie direkt mit dem Partner reden. Sie werden sehen: Wenn Sie ansprechen, was Sie wollen, feiern Sie Ihre Partnerschaft nicht nur am Jahrestag! Das wahre Geschenk sind nämlich nicht die Blumen, sondern die wirkliche Auseinandersetzung mit dem Partner.

Anzeige

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.