Foto: David Weyand

Katharina Finke: „Minimalistisch zu leben macht mich flexibel und frei”

Sie besitzt nur noch so viel, wie sie selbst tragen kann und ist damit ziemlich glücklich. Vermissen? Tut sie nichts. Katharina Finke lebt nach dem Prinzip des Minimalismus und hat uns nun verraten, wie sie dort hingekommen ist und wie man am besten damit anfängt.

 

Ihr Besitz passt in zwei Koffer und eine Tasche

Die Journalistin Katharina Finke hatte keine Lust mehr auf den Überfluss, der in unserer Gesellschaft vorherrscht. Sie befreite sich von fast allem, was sie besaß und das machte sie unheimlich glücklich. Wir haben sie gefragt, ob sie nicht doch ein paar Dinge vermisst, wie sie beim Ausmisten vorgegangen ist und wie man am besten zum Minimalist wird.

  Katharina, du hast dich dazu entschieden, nur noch mit dem Nötigsten zu leben. Dabei hast du deinen Besitz auf das beschränkt, was du selbst tragen kannst: Alles passt in zwei Koffer und eine Reisetasche.Was hast du mit dem Rest von deinen Sachen gemacht?   

„Ich habe sie an Freunde und Bekannte verschenkt, online und auf dem Flohmarkt verkauft und gespendet. Ich habe nur sehr wenige Dinge weggeschmissen.”

Was war ausschlaggebend dafür, dass du dich von all den Dingen trennen wolltest?

„Ich bin viel unterwegs und habe auf meinen Reisen gemerkt, dass ich nicht mehr brauche als das, was ich im Flieger mitnehmen kann. Als mein Ex-Freund und ich vor knapp fünf Jahren dann unsere gemeinsame Wohnung in Hamburg aufgelöst haben, stand ich vor der Frage: Sachen einlagern oder sie loswerden und ich entschied mich für Letzteres.”

Was war das Erste, das du weggeschmissen hast?

„Das kann ich so nicht sagen, da ich mich durch die Wohnungsauflösung von dem Meisten auf einmal getrennt habe. Aber ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich meine Pokale und Medaillen von meiner ehemaligen Sportkarriere als Leichtathletin und Tennisspielerin weggeben habe. Das war erst nicht so leicht.”

Gibt es etwas, was du niemals weggeben würdest?

„Ja, den Ring meiner verstorbenen Oma.”

Was würdest du sagen ist das, wovon wir alle viel zu viel besitzen?

„Definitiv Klamotten (vor allem Schuhe), Wohnaccessoires und elektronische Geräte.”

Was ist das beste am minimalistischen Lebensstil?

„Flexibel und frei zu sein. Es erleichtert mir auch viele Entscheidungsprozesse. Außerdem habe ich mehr Zeit für neue Erfahrungen, die ich bevorzugt auf meinen Reisen sammle. Sie sind unbezahlbar und machen mich wirklich reich.”

Derzeit hört man immer öfter von Menschen, die minimalistisch leben. Was denkst du, woher kommt dieser Trend und warum kommt er gerade jetzt auf?

„Prinzipiell finde ich es gut, wenn die Menschen achtsamer mit ihrem Umfeld umgehen und sich bewusst machen, was ihr Lebensstil für Auswirkungen auf andere hat. Aber das ist nicht für alle, die sagen, dass sie minimalistisch leben, der Fall. Viele machen das auch aus modischen Gründen – wie bei jedem Trend. Ich könnte mir vorstellen, dass der Minimalsimus derzeit viel Zuspruch erhält, weil die Welt immer komplexer wird und ein minimalistischer Lebensstil dabei helfen kann besser damit klar zu kommen, weil er das Lebensumfeld klarer macht.”

Würdest du sagen, dass ein minimalistischer Lebensstil für jeden geeignet ist? 

„Das kann ich nicht sagen, denn ich würde mir nicht anmaßen mich in die Bedürfnisse aller Menschen hineinzudenken. Wie bereits erwähnt ist „minimalistischer Lebensstil“ ein sehr offener und flexibler Begriff. Für mich bedeutet es: Ressourcen sparen, aber nicht auf alles verzichten. Meine Motivation dahinter: mehr Achtsamkeit und Bewusstsein für meine Umwelt. Es wäre sehr schön, wenn mehr Menschen das so tun würden. Aber ich befürchte, dass alle glauben, dass es für jeden geeignet ist. Um nachhaltig seinen Lebensstil zu verändern, muss meiner Meinung nach die Motivation von innen kommen.”

Was sind deine Tipps für diejenigen, der anfangen will minimalistischer zu leben?

„Das Wichtigste ist ehrlich zu sein, denn ich halte nichts von Zwängen. Es macht keinen Sinn, wenn man sich überlegt: ,Ich verzichte ab jetzt‘ und sich selbst dann aber dazu zwingen muss. Außerdem ist es wichtig, menschlich zu bleiben. Keiner ist perfekt und keiner macht alles richtig. Ich auch nicht. Deswegen würde ich jedem raten, der minimalistisch leben will, sich erst mal einen Lebensbereich auszusuchen – ganz gleich ob Kleidung, Bücher, Möbel, Kosmetik oder Reisen.

Außerdem sollte man es als Prozess sehen und sich dem Verzichten Stück für Stück nähern. Nicht nur in Hinsicht auf alle Lebensbereiche, sondern auch innerhalb der Bereiche selbst. Nehmen wir zum Beispiel Bücher oder Klamotten: Ich würde erst einmal die Dinge, die ich nicht brauche aussortieren und sie im Keller zwischenlagern. Mir dann eine Frist setzen, um zu sehen, ob ich sie vermisse und sie weggeben, wenn das nicht der Fall ist. Sobald ich bereit bin auch in einem anderen Lebensbereich zu verzichten, mich dem widmen usw.

Dabei bitte nicht vergessen: Spaß haben und die neu gewonnene Zeit nutzen, um sie mit anderen Menschen zu verbringen. Denn es ist wissenschaftlich erwiesen, dass uns das glücklicher macht als uns mit Materiellem zu beschäftigen.”

Katharinas Buch: Loslassen – Wie ich die Welt entdeckte und verzichten lernte, (15 Euro, Malik Verlag) erscheint am 01. März 2017 und kann jetzt vorbestellt werden. 


 

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