Foto: Leah Kunz

INTRO: Von Zuversicht und Nachsicht

Gar nicht so leicht gerade, mental stark und bei Laune zu bleiben. Unsere Chefredakteurin probiert, nachsichtig mit sich selbst zu sein – und einen viralen Instagram-Hit.

Mentale Stärke, so lautet unser Fokusthema bei EDITION F PLUS im Februar. Also ziemlich genau das, was wir alle gerade brauchen, oder? Home Office, Homeschooling, Existenzsorgen, Zukunftsangst. Die Corona-Pandemie ist nicht die beste Begleitung für ein glückliches Leben.

Gebe ich Mentale Stärke in eine digitale Suchmaschine ein, wird mir erklärt, dass „mental starke Personen ihre Emotionen so regulieren, dass die eigenen Gedanken ins Positive gedeutet werden und trotz widriger Umstände das Beste aus der Situation gemacht wird“. Klingt auf den ersten Blick ganz gut, das Beste aus der Situation machen.

Auf den zweiten Blick wird mir aber mulmig. Emotionen so regulieren, dass die eigenen Gedanken ins Positive gedeutet werden? Das klingt für mich wie ein sehr billiger Instagram-Spruch. Also nichts gegen Instagram und auch nichts gegen Empowerment-Sprüche, die auch gern mal nicht so deep sein müssen. Aber wenn mir jemand rät, ich solle etwas mit meinen Emotionen anstellen, werde ich hellhörig.

Gefühle fühlen

Denn ich finde: Gefühle sind zum Fühlen da. Wie es Safi Nidiaye in ihrem Sachbuch über den positiven Umgang mit negativen Gefühlen auf den Punkt bringt. In einer weltweiten Pandemie wäre es doch total seltsam, jeden Tag pfeifend durch die Gegend zu hüpfen und so zu tun, als sei alles easy-peasy. Ist es nicht.

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Für mich ist der erste Schritt in Krisen immer: Akzeptanz. Vor allem vor mir selbst. Das Eingeständnis: Das ist jetzt gerade nicht so, wie ich es mir wünsche. Erst dann kann ich mir überlegen, wie ich damit umgehen kann und möchte. Was mir nicht hilft: Alles Negative direkt ins Positive zu formulieren. Das klingt für mich nicht nach einer nachhaltigen Strategie für psychische Gesundheit. Im Gegenteil.

Also versuche ich es gerade statt mit Zuversicht – die mir ab und an abhanden kommt – mit Nachsicht. Nachsicht mit mir selbst. Nachsicht für die Situation, in der ich mich, in der wir alle uns gerade befinden. Nachsicht dafür, weder meinem Kind noch meiner Lohnarbeit gerecht zu werden. Und mir selbst auch nicht. Nachsicht damit, dass ich manchmal nicht zuversichtlich sein kann.

Besser als Selbstbetrug

Das ist jetzt so und ich weiß nicht, wie lange das noch so ist. Aber es ist okay, dass es so ist. Alles andere wäre Selbstbetrug.

Die einzige Art des Selbstbetrugs, die ich unterstütze, ist Lachyoga mit Carmen Goglin. Klingt komisch? Ja, total! Aber genau das ist so gut daran. Kennt ihr die Momente, in denen euch etwas total peinlich ist und dann lacht ihr drüber und könnt gar nicht mehr aufhören zu lachen? – Genauso ist das mit den Videos, mit denen die Lachyoga-Trainerin viral ging.

In diesem Sinn: Viel Spaß mit dem Scheibenwischerlachen und diesem EDITION F-PLUS-Monat. Falls du Tipps hast, die garantiert gute Laune machen, schreib sie mir gerne: mareice.kaiser@editionf.com. Falls du selber Tipps für mentale Stärke brauchst – wir haben mit fünf Frauen darüber gesprochen: „Den Blick in die Zukunft richten, sich Ziele setzen, den Glauben nicht verlieren, dass Krisen sehr häufig zeitlich begrenzt sind“, rät Dr. Donya Gilan.

Du schaffst das! Mentale Stärke in Krisenzeiten.

Du willst noch mehr Input zum Thema – Podcasts, Texte und Gedanken? Alle Inhalte aus dem Themenschwerpunkt findest du jederzeit auf unserer Überblicksseite. Hier geht’s lang.

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Mareice Kaiser setzt sich für einen Journalismus ein, an dem alle teilhaben können, an dem alle beteiligt sind und in dem alle vorkommen – seit März 2020 als Chefredakteurin bei EDITION F. Ihre Themen: Inklusion, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, Chancengerechtigkeit.

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