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Equal Pay und Transparenz: diese 3 Ansätze sollten wir uns von Island abschauen

Island will nicht nur die Lohngerechtigkeit garantieren, sondern das Problem der fehlenden Gleichberechtigung größer anpacken. Wir verraten euch, welche Punkte davon auch für Deutschland spannend sein könnten.

 

Mehr vom isländischen Spirit für Deutschland 

Seit dem 1. Januar 2018 gilt in Island ein Gesetz, das es verbietet, Frauen weniger zu bezahlen als Männern, sofern sie die gleiche Arbeit ausführen und in einem Unternehmen mit mehr als 25 Beschäftigten arbeiten. Das Gesetz war eine Reaktion auf den Gender-Pay-Gap von 17,5 Prozent, der 2015 in Island herrschte. 

Anlässlich des Equal Pay Days (am 18. März) kamen am 19. März die isländische Premierministerin Katrín Jakobsdóttir, der isländische Botschafter Martin Eyjólfsson, die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frauenrats Lisi Maier und Kristín Hjálmtysdóttir vom Isländischen Roten Kreuz in der nordischen Botschaft in Berlin zusammen, um ihr Gesetz vorzustellen und zu diskutieren, woran es denn liegt, dass Island dem Rest Europas so weit voraus ist. 

Beim Global-Gender-Gap-Index belegt Island Platz eins – Deutschland verweilt bereits seit mehreren Jahren gemütlich auf dem 13. Platz. Der Gender Pay Gap liegt in Deutschland noch immer hartnäckig bei über 20 Prozent. Die Einkommensschere geht vor allem im höheren Alter immer weiter auseinander, fand eine neue Studie vom Jobportal Adzuna heraus. Das, was in Deutschland in Sachen Lohngerechtigkeit passiert, dauert ewig. Wir haben daher am 19. März den isländischen Spirit tief eingeatmet und stellen euch nun drei Ansätze vor, die sich Deutschland unbedingt abschauen sollte. 

1. „Manchmal muss man radikale Dinge tun, um eine Veränderung zu bewirken“

Diesen Satz wiederholte die isländische Premierministerin gestern immer wieder. Denn auch in Island lag der Gender-Pay-Gap 2016 noch bei über 15 Prozent. Und wer tatsächlich an der derzeitigen Situation etwas ändern will, muss eben durchgreifen, findet Katrín Jakobsdóttir – ob es den Unternehmen gefällt oder nicht. Für solche Veränderungen gibt es einfach nicht den richtigen Zeitpunkt. 

Auch in Deutschland tritt am 6. Juli ein Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen in Kraft. Dieses sieht vor, dass Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten künftig individuell Auskunft darüber geben müssen, nach welchen Kriterien sie ihre Mitarbeiter wie bezahlen. Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten sind dazu angehalten, ihre Entgeltstrukturen regelmäßig zu überprüfen. Außerdem müssen sie periodisch über den Stand der Gleichstellung und der Entgeltgleichheit berichten und diese Berichte für alle zugänglich machen. 

Klar, man freut sich über jeden kleinen Schritt, den Deutschland in Punkt Gleichberechtigung macht. Doch von „harten Maßnahmen“ kann hier nicht die Rede sein. Denn laut dem Statistischen Bundesamt liegt die Anzahl der Unternehmen in Deutschland mit mehr als 250 Beschäftigten bei 14.157 und macht damit nur 0,38 Prozent aller Deutschen Unternehmen aus. 

Lisi Maier, die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frauenrats, findet auch: 

„Das Entgelttransparenzgesetz reicht nicht aus, um dem Gender-Pay-Gap entgegenzuwirken. Es muss zu einem echten Entgeltgleichheitsgesetz ausgebaut werden.”

Und das soll für alle Unternehmen gelten. Außerdem müsse im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz endlich ein Verbandsklagerecht verankert werden, dass „Organisationen wie Antidiskriminierungsverbänden, Gewerkschaften, Betriebs- sowie Personalräten und Mitarbeitervertretungen erlaubt, stellvertretend für die Betroffenen zu klagen.“

2. „Wir müssen Väter dazu motivieren, von Anfang an für ihre Kinder sichtbar sein zu wollen“

Zwischen 80 und 90 Prozent der Väter gehen in Island in Elternzeit. In Deutschland hingegen lag die Anzahl der Väter, die 2016 Elterngeld bezogen haben, bei nur 28 Prozent, zeigt eine Untersuchung des Statistischen Bundesamts. Die Erklärung für den großen Unterschied liegt nahe: Island bezahlt 80 Prozent des Durchschnittseinkommens, in Deutschland sind es circa 67. Zudem beträgt die isländische Elternzeit insgesamt neun Monate, von denen jedem Elternteil exakt ein Drittel zugewiesen wird, das nicht übertragbar ist. Das dritte Drittel der Elternzeit kann frei zwischen den Eltern aufgeteilt werden. In Deutschland dominiert die Regel 12+2, in Island die 3+3+3-Regel. Die neun Monate sollen sich ab 2019, das wurde auf dem Panel auch noch mal deutlich gemacht, allerdings auf zwölf Monate erhöhen, dann mit einer Aufteilung von 5+5+2, die in den ersten 36 Monaten nach der Geburt genommen werden können. Einen Haken gibt es jedoch an der Sache: In Island gibt es keinen Mutterschutz vor der Geburt. 

3. „Das Kind schafft es auch in die Uni, wenn es nur ein Jahr bei der Mutter war“

Für diesen Satz erhielt Kristín Hjálmtysdóttir vom Isländischen Roten Kreuz gestern viel Zuspruch. Sie findet, es muss unbedingt ein Umdenken in den Köpfen stattfinden. Dass man sich als Mutter auch um das Kind kümmern kann, wenn man wieder an den Arbeitsplatz zurückkehrt – und gut in seiner Arbeit ist. Dass man sich nicht zwischen Kindern und Karriere entscheiden muss, sondern beides möglich ist. „Das schlechte Gewissen muss aufhören“, findet sie. „Es bringt nichts, endlos viele Kindergärten zu bauen, wenn gleichzeitig kein Umdenken erfolgt.“ Auch die Premierministerin erzählt: 

„Ich bin während meinem ersten Jahr als Ministerin ungeplant mit meinem dritten Sohn schwanger geworden. Für mich war von Anfang an klar, dass ich mich nicht zwischen der Mutter und der Politikerin in mir entscheiden will. Ich werde mein Kind kriegen, in Elternzeit gehen und dann wieder in mein Amt zurückkehren. Den Widersachern habe ich gesagt: ,Wenn ihr das unverantwortlich findet, dann tut es. Aber ich finde, es ist das Verantwortlichste, was ich tun kann.‘“

Ob sich das fortschrittliche Equal Pay Gesetz in Island als erfolgreich zeigen wird, können wir erst in einem Jahr anhand von Zahlen richtig beurteilen, das hat auch die Premierministerin selbst eingesehen. Eines machte sie zum Abschluss aber noch mal deutlich: 

„Wir sind unterschiedlich, haben aber alle genau den gleichen Wert.“

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