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Kindern von Single-Mamas geht es genauso gut wie Kindern von Paaren!

Brauchen Kinder zwei Elternteile, um sich gut zu entwickeln? Ein neues Studienergebnis zeigt, dass es so etwas wie die perfekte Familienform nicht gibt.

 

Kindern von Single-Mamas geht es gut

In dieser Woche wurde ein Ergebnis aus dem Statistischen Jahrbuch 2017 vorgestellt, das wieder einmal belegt, dass alleinerziehende Eltern in Deutschland ökonomisch stark benachteiligt sind und politische Maßnahmen es bislang nicht geschafft haben, das zu ändern. Den neuen Daten zufolge können es sich 43 Prozent der Single-Eltern nicht leisten, für eine Woche im Jahr mit ihrem Nachwuchs in Urlaub zu fahren. Besonders schmerzhaft ist das für die Kinder, wenn beispielsweise in der Schule oder im Kindergarten abgefragt wird, wohin sie dieses Jahr in Urlaub fahren.

Alleinerziehende und ihre Kinder brauchen Unterstützung, die besonders ihre finanzielle Belastung ausgleicht und ihrer Diskriminierung, wie zum Beispiel bei der Besetzung von Stellen oder bei der Wohnungssuche, entgegenwirkt. Was sie jedoch nicht brauchen ist Mitleid, das sich in Vorurteile übersetzt, die alleinerziehende Mütter als grundsätzlich „überfordert“ labeln oder sie als unvollständige Familien ansehen, denen der Vater fehle und aufgrund dessen Abwesenheit die Kinder Entwicklungsprobleme hätten. Denn so schön harmonische Familien mit mehreren erwachsenen Bezugspersonen für Kinder sein können und so sehr es für Eltern entlastend ist, die Familienarbeit, schöne Momente und Sorgen mit anderen Erwachsenen teilen zu können – dass Kinder sich am besten entwickeln, wenn Mutter und Vater vorhanden sind, stimmt nicht. So wie Studien belegt haben, dass es für Kinder keinen Unterschied macht, ob sie Mama und Mama oder Papa und Papa haben statt ein heterosexuelles Elternpaar, so legen neue Forschungsergebnisse ebenso nahe, dass auch Ein-Eltern-Familien genauso gut für Kinder sein können, wie die traditionelle Familie mit zwei Eltern.

Neue Studie zu Single-Müttern

In der Studie wurde das Wohlergehen von Kindern verglichen, die entweder bei Single-Müttern, die sich bewusst dazu entschieden hatten, allein ein Kind großzuziehen, oder heterosexuellen Paaren aufwuchsen. Die Studie fand keine Unterschiede in der Qualität der Eltern-Kind-Bindung sowie der altersgerechten Entwicklung der Kinder.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie, die von der „European Society of Human Reproduction and Embryology“ publiziert wurde:

  • Das Wohlbefinden der Kinder war in beiden Familienformen gleich gut
  • Es gab keine signifikanten Unterschiede sowohl beim emotionalen Involvement als auch beim Stresslevel der Eltern
  • Single-Mütter hatten ein besseres Support-System für sich aufgebaut, nutzten es stärker aber verlangten auch stärker danach.

Mathilde Brewaeys, eine der Forscherinnen, die an der Studie beteiligt war, stellte hierzu fest: „Die Annahme, dass es für ein Kind nicht gut sei, in einer Familie ohne Vater aufzuwachsen, basiert vor allem auf der Forschung zu Kindern, deren Eltern geschieden sind oder die elterlichen Konflikten ausgesetzt waren. Es scheint jedoch so zu sein, dass negativer Einfluss auf die kindlichen Entwicklung eher auf einer problematischen Eltern-Kind-Beziehung beruht und nicht auf der Abwesenheit eines Vaters.“

Kinderwunsch ohne Partner

Die Ergebnisse sind eine gute Nachricht für Frauen, die sich ohne Partnerin oder Partner ihren Kinderwunsch erfüllen möchten und mit Vorurteilen zu einem unvollständigen Familienmodell konfrontiert werden, wenn sie offen über ihren Wunsch sprechen.

Dass ein starkes Support-Netzwerk jedoch einen hohen Anteil daran hat, dass es Kindern in Ein-Eltern-Familien gutgehen kann, hat auch eine klare politische und gesellschaftliche Botschaft: Denn vielen Frauen, die nicht „freiwillig“ ihre Kinder allein großziehen, aber vor allem ihren Kindern, sollten genau diese Möglichkeiten der Unterstützung einfach und überall zur Verfügung gestellt werden: Das fängt schon bei einer guten Betreuung in Schwangerschaft und Wochenbett durch Hebammen an, betrifft finanzielle Aspekte wie Unterhalt, Steuern und Betreuungskosten sowie Möglichkeiten der Kinderbetreuung und familienfreundliche Arbeitsumgebungen. Die Autorin Christine Finke, die sich für Alleinerziehende stark macht, schlägt beispielsweise vor, Single-Müttern eine Haushaltshilfe zu bezahlen, statt den Mutter-Kind-Kuren, die Krankenkassen bezahlen, wenn die Überlastung schon da ist.

Frauen, die sich bewusst dafür entscheiden, allein ein Kind zu bekommen, stammen aktuell vor allem aus der Gruppe von finanziell gut abgesicherten Menschen, die Unterstützung in der Form von Babysittern oder Nannys bezahlen können, oder ihr Netzwerk aus Familie und Freunden schon aktivieren können, bevor das Kind kommt. Trennungen treffen jedoch Frauen in allen gesellschaftlichen Gruppen, aufgrund traditioneller Rollenverteilung haben viele der Frauen dann  nicht genug Einkommen, um sich selbst gut zu versorgen und müssen sich nach einer Trennung erst ein Support-Netzwerk aufbauen. 

Allen Kindern die gleichen Startchancen ins Leben zu geben, das wird oft als ein politisches Ziel formuliert. Wenn wir genau das als Gesellschaft erreichen wollen, müssen die unterstützenden Angebote an Ein-Eltern-Familien sehr viel besser werden, damit das Wohlergehen der Kinder nicht individuelle Glückssache ist. Machbar ist das. Eingebettet in familienfreundliche Strukturen kann es Kindern in jeder Familie gutgehen, auch wenn dort nur ein Erwachsener am Abendbrottisch sitzt.

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