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Trotz Staffelung: Kitagebühren belasten arme Familien besonders stark

Kitagebühren sind in Deutschland nach dem Einkommen gestaffelt – und doch wiegen sie für Familien mit weniger Einkommen schwerer als für Familien mit einem guten Einkommen. Sollten die Gebühren also abgeschafft werden? Auch das ist noch nicht die Lösung.

 

Kitakosten abschaffen und alles ist gut? So einfach ist es nicht

Nicht nur die Suche nach einem Kitaplatz, die sich trotz des Rechtsanspruchs immer noch sehr schwierig gestaltet, bereitet vielen Eltern Sorgen – auch die Kitagebühren haben es für einen Teil der Familien in Deutschland in sich, und das obwohl sie nach Einkommen gestaffelt sind. Familien unterhalb der Armutsrisikogrenze müssen einen fast doppelt so hohen Anteil ihres Einkommens für den Kita-Beitrag ihrer Kinder aufbringen wie ökonomisch privilegiertere Familien. Konkret heißt das: Eltern, die über weniger als 60 Prozent eines durchschnittlichen Einkommens (das sind deutschlandweit 17 Prozent) verfügen, zahlen monatlich durchschnittlich 118 Euro und damit zehn Prozent ihres Einkommens für den Kitabesuch ihrer Kinder. Bei einkommensstärkeren Eltern liegt der Anteil dagegen bei rund fünf Prozent oder 178 Euro – wie eine neue, repräsentative Bertelsmann-Studie ergab. Aber auch der Wohnort entscheidet darüber, wie sehr die Kitagebühren für Eltern ins Gewicht fallen.

Kitagebühren sind in Deutschland also nicht gerecht und auf das individuell Leistbare verteilt – wäre es also nicht besser, die Kitagebühren würden für alle Familien entfallen? So einfach ist es leider auch nicht.


„Bei der Kita-Finanzierung klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander“

– Jörg Dräger, Bertelsmann-Vorstand

Beitragsfreiheit darf nicht in weniger Personal und einer schlechteren Ausstattung enden

Warum das so ist, lässt sich ebenfalls mit den durch die Studie erhobenen Zahlen erklären – denn während die Bundesregierung aktuell Investitionen von dreieinhalb Milliarden Euro geplant hat, um die Qualität von Kitas zu verbessern, kommt die Studie auf 15 Milliarden Euro, die benötigt werden würden, damit sich wirklich etwas verändert. Das bedeutet: Es braucht weiterhin Kita-Gebühren, um wenigstens die vorhandenen, nicht ausreichenden Standards zu halten.

Würden die Gebühren also von heute auf morgen für alle wegfallen, dann hätten abermals weniger privilegierte Familien das Nachsehen. Denn sobald die Qualität der Betreuung sinkt, fällt das ja vor allem auf jene Kinder zurück, die besonders auf eine gute Förderung in den Kitas angewiesen sind – also jene, die keine Chance auf Musik-Unterricht, Sportkurse und ähnliches haben, aber auch jene, die eine intensivere Betreuung benötigen würden, weil sie sprachlich mehr Unterstützung brauchen als andere Kinder.

Die Kita-Gebühren für insbesondere arme Familien abzuschaffen, wäre theoretisch natürlich ein wichtiger und guter Schritt – das kann aber nur dann wirklich sinnvoll sein, wenn die Regierung auch genügend finanzielle Mittel bereitstellt, damit der Betreuungsschlüssel endlich überall aufgeht und mehr Personal eingestellt werden kann. Wenn Deutschland ein familienfreundliches Land sein möchte, dann muss es dabei beginnen, dass Familienpolitik für alle Familien gemacht wird und ganz besonders jene ins Zentrum der Reformen rücken, die mehr Unterstützung brauchen als andere. Die Rechnung scheint so einfach, und doch geht sie noch lange nicht auf.

Wir haben jetzt unsere eigene Facebook-Gruppe rund um das Thema Familie. Wir wollen uns mit allen austauschen und vernetzen, die sich für das Leben mit Kindern interessieren – egal ob ihr selbst Eltern seid oder (noch) nicht. Schaut doch mal vorbei

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