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Immer mehr Eltern melden sich im Büro ab, wenn ihr Kind krank ist – doch was bedeutet das?

Seit 2007 hat sich die Anzahl der Tage, die Eltern aufgrund eines kranken Kindes bei der Arbeit fehlten, verdoppelt. Was verraten diese Zahlen – und was nicht?

 

Husten, Schnupfen, Scharlach

Wenn das Kind krank wird, können sich Eltern arbeitsunfähig melden und bekommen von ihrer Krankenkasse 90 Prozent des Nettolohns erstattet. Zehn Tage stehen jedem Elternteil zu, Alleinerziehende können dementsprechend 20 Tage in Anspruch nehmen. Die FAZ berichtete heute in Berufung auf Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums, dass im vergangenen Jahr Erziehungsberechtigte knapp 2,5 Millionen Mal zu Hause blieben, um ihr krankes Kind zu betreuen. Die Zahlen hätten sich somit seit 2007 mehr als verdoppelt. 

Heißt das also, dass Kinder heute mehr krank sind? Nein. Der Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer bringt das in Zusammenhang mit Müttern, die früher sowie vermehrt nach der Elternzeit in ihre Berufe zurückkehren und dementsprechend die Fehltage aufgrund kranker Kinder in die Höhe treiben – denn die Betreuungstage für kranke Kinder von Hausfrauen können schlicht nicht erfasst werden. Dass es diese Möglichkeit gebe, begrüßt Kramer als familiengerechtes Angebot der Unternehmen. 

Die Angst vorm Fehlen im Job

Außen vor lässt er jedoch, dass nicht in allen Unternehmen eine Kultur herrscht, die kranke Kinder als etwas Normales begreifen und Angestellte von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch machen, obwohl sie Bedarf hätten. Die Betreuung der kranken Kinder wird dann privat organisiert – über Familie oder Babysitter – und wenn das Kind nicht allzu krank ist, wird es von Eltern aus der Not heraus doch zur Kita oder in den Kindergarten gebracht – bis die Erzieher*innen anrufen, damit die Eltern es abholen.

Und obwohl es garantierte Krankheitstage fürs Kind gibt, die den Arbeitsgeber monetär nichts kosten, wirkt die Unlust der Unternehmen, Ausfälle der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kauf zu nehmen, oft als Hürde, um Eltern einzustellen. Besonders Mütter sind hier von einer Diskriminierung betroffen. Dabei fehlen Eltern nicht einmal häufiger im Büro als ihre Kolleginnen und Kollegen ohne Kinder. Laut einer Analyse der Techniker Krankenkasse fehlen Eltern über 40 sogar seltener als kinderlose Mitarbeiter und Mütter und Väter unter 40 nur zwei bis drei Tage mehr als ihre kinderlosen Teammitglieder, was zu wenig sein sollte, um das Klischee ständig fehlender Eltern zu bekräftigen. Also bitte fünf Mal hintereinander ins Notizbuch schreiben und laut vorlesen: „Eltern und kinderlose Menschen fehlen bei der Arbeit genau so oft.“ Laut eines Berichts der Bundesregierung waren Angestellte in Deutschland im Jahr 2016 im Schnitt 15,2 Tage krank – unabhängig davon, ein Kind zu haben.

Gleichberechtigte Betreuung?

Interessant bei der Erhebung des Gesundheitsministeriums zu den Fehltagen für kranke Kinder wäre nun eine detaillierte Auswertung, die Angaben dazu beinhalten würde, wie sich Paare die Krankheitstage aufteilen, wie Alleinerziehende davon Gebrauch machen, wie sie sich auf Anstellungsverhältnisse, Unternehmensgrößen und Branchen verteilen. Denn viel mehr als der absolute Anstieg der Tage, ist im Bezug auf Familienfreundlichkeit die Frage, für wen die Arbeitswelt nun freundlicher geworden ist und ob die vermeintliche Geschlechtergerechtigkeit, die eine größere Zahl von berufstätigen Müttern suggeriert, auch bei der Aufteilung der Betreuung kranker Kinder zum tragen kommt – oder ob auch hier vor allem die Frauen einspringen, weil ihr Gehalt im Schnitt niedriger ist und ihr Job damit auch in der Paarbeziehung als „unwichtiger“ eingestuft wird. 

Uns interessiert daher: 

Welche Erfahrungen habt ihr mit der Abmeldung im Büro gemacht, wenn das Kind krank ist?

Teilt ihr euch die Krankentage mit dem anderen Elternteil?

Empfindet ihr die Arbeitswelt familienfreundlicher als noch vor ein paar Jahren?

Habt ihr Diskriminierung bei der Einstellung oder im Job erlebt, weil ihr Eltern seid?

Titebild: depositphotos.com

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