Foto: Glamour Magazin | Februar Ausgabe 2017

Yeah! Das Glamour Magazin zeigt Lena Dunhams Dellen auf dem Cover

Adieu, verdammte Hochglanz-Lüge! Endlich dürfen Körper auf das Cover eines Mode-Magazins, die nicht bis ins Bodenlose retouchiert worden sind. Danke, dafür!

 

Der Frauenkörper als Politikum: Hört das denn nie auf?

Gerne reden wir uns heute ein, dass jeder so aussehen darf wie er will – und lügen uns damit selbst in die Tasche. Wie wir aussehen ist ein Thema und wie wir (vermeintlich) aussehen sollten, ist es ebenso. Auch heute wachsen junge Mädchen und junge Männer noch in dem Glauben auf, dass sie bestimmte Äußerlichkeiten erfüllen müssen, um als schön wahrgenommen zu werden – und, das ist die bittere Pille, die man immer wieder schlucken muss, leider haben sie damit recht. In den meisten Fällen wird Schönheit noch immer an sehr starren, ästhetischen Normen verhandelt – denn letztlich empfinden wir das als schön, was wir häufig sehen und das was uns in der Werbung, in Magazinen und im Fernsehen als schön verkauft wird. Die Körperbilder, die dort gezeigt werden, sind nun einmal nicht divers. Umso wichtiger sind alle Impulse, die Körper zeigen wie sie sind, in all ihrer Vielfalt, ohne einen Filter darüber laufen zu lassen.

Genau das hat die amerikanische Ausgabe des Mode-Magazins Glamour mit dem aktuellen Cover (Februar 2017) gemacht. Auf diesem ist der Girls-Cast zu sehen, und das ohne, dass das Bild noch einmal durch Photoshop laufen musste – zumindest wurde es nicht verwendet, um Dellen zu retouchieren oder Speck an Hüften wegzuzaubern. Eine großartige Sache, ganz einfach, weil das Magazin viele junge Frauen erreicht, die sehen, dass ein Magazin Cover nicht Menschen mit bestimmten Maßen und Körpermerkmalen vorbehalten ist. Es ist aber auch großartig, weil es zu dieser Maßnahme keine gesonderten Hinweise auf dem Cover gibt. Und das ist der eigentlich spannende Part, denn nur wenn wir unaufgeregt mit Körpern umgehen, werden wir auch dahinkommen, dass Körper (und ganz besonders Frauenkörper) nicht mehr für einen öffentlichen Diskurs herhalten müssen, sondern endlich Privatsache werden. Wobei sich eine Frau mit Kleidergröße 36 schon über wesentlich mehr Privatheit freuen kann, als etwa eine Frau mit Kleidergröße 44. Denn sie hat Dank ihrer Maße einen Körper, der ganz automatisch zum Statement wird. Ganz besonders, wenn sie sich wohl damit fühlt. Es ist zum Haareraufen.

Unbedachte Kommentare können das Selbstwertgefühl zerstören

Warum das so wichtig ist, beweist Lena Dunham eindrucksvoll, indem sie sich selbst zu dem Cover geäußert hat. In einem Instagram-Post schreibt sie, wie sie schon als Teenager immer als lustig aussehend bezeichnet wurde, wie ihr Bauch als Wampe deklariert und ihre Schneidezähne mit dem schönen Label „Hasenzahn“ versehen wurden. Und sie schreibt darüber, wie sie nach außen hin immer cool tat, obwohl sie diese, oft unbedachten Kommentare unfassbar verletzten.

„I posed as the sassy confident one, secretly horrified and hurt by careless comments and hostility“

Das nicht, weil sie sich selbst hässlich fand. Nein, sie hasste nicht ihren Körper, sondern die Gesellschaft, die ihr sagte, sie habe zu hassen, was sie im Spiegel sehe.

„I didn’t hate what I looked like- I hated the culture that was telling me to hate it.“

Auch als sie erwachsen und schließlich berühmt wurde, besserte sich das nicht – denn nun wurde sie zwar für diesen „lustigen“ Körper gefeiert, aber immer mit dem Zusatz, dass es ja wahnsinnig mutig sei, sich so zu zeigen. Und damit wird wieder unnormal gemacht, was komplett normal ist. Für all jenen, die nicht müde werden, sich zu Körperbildern zu äußern hat sie eine klare Message, die wir nur unterschreiben können: „Mein Körper ist kein Freiwild. Niemandes Körper ist das, ganz gleich, um welche Konfektionsgröße, Hautfarbe oder Geschlecht es sich handelt.“

„Whether you agree with my politics, like my show or connect to what I do, it doesn’t matter- my body isn’t fair game. No one’s is, no matter their size, color, gender identity, and there’s a place for us all in popular culture to be recognized as beautiful.“

You go, girl! Auf dass wir bald keine Texte mehr zum Thema schreiben müssen!

Bild: Lena Dunham | Instagram

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Silvia hat von 2014 bis zum Herbst 2019 für EDITION F gearbeitet, zunächst als freie Journalistin, dann als Redakteurin und seit dem Jahr 2017 als Redaktionsleiterin. Seit Oktober ist sie freie Autorin und Kolumnistin und schreibt auf EDITION F weiterhin ihre Kolumne „Thirtysomething“. Im März 2019 erschien im Goldmann-Verlag ihr erstes Buch: „A Single Woman: Ein Plädoyer für Selbstbestimmung und neue Glückskonzepte“. Foto: Jennifer Fey

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