Foto: Youtube | TED

Was die innovativsten Firmen der Welt anders machen – diese Harvard-Professorin weiß es

Wie schaffen es Vorgesetzte, Kreativität im gesamten Team freizusetzen – nicht nur bei denen, die ohnehin im „kreativen“ Bereich arbeiten? Unter welchen Bedingungen kann echte Innovation stattfinden? Die Harvard-Professorin Linda Hill gibt in einem Ted-Talk Antworten.

 

Wer Führungsqualitäten hat, ist auch innovativ?

Linda Hill ist Professorin an der „Harvard Business School“ und forscht seit mittlerweile mehreren Jahrzehnten zu der Frage, wie sich Vorgesetzte zu innovativen Führungspersönlichkeiten entwickeln. In einem Ted-Talk gab sie einen Überblick, wie echte Innovation innerhalb eines Unternehmens oder eines Teams entstehen kann.

Hill berichtet, sie habe fast ein Jahrzehnt damit verbracht, zusammen mit drei Kolleg*innen aus direkter Nähe herausragende Führungspersönlichkeiten in Sachen Innovation zu erforschen: 16 Männer und Frauen aus sieben Ländern weltweit, die in zwölf verschiedenen Branchen arbeiten.

„Wir verbrachten hunderte von Stunden direkt vor Ort, um diese Führungspersönlichkeiten in Aktion zu  beobachten. Und am Ende hatten wir einen riesigen Haufen von Notizen, die wir analysierten und in denen wir nach Mustern suchten, was diese Führungspersönlichkeiten anders gemacht hatten.“

Hills Zusammenfassung: „Wenn wir wirklich Innovation wollen, dann müssen wir unser bisheriges Konzept von Leadership komplett über Bord werfen.“

Kollektiver Erfinder*innengeist

Denn Innovationen anzustoßen heißt Hills Ansicht nach nicht, eine Vision zu entwickeln und andere dazu zu inspirieren, diese Vision Realität werden zu lassen. Vielmehr müsse diese Vision in kollektiver Arbeit entstehen. „Viele von uns denken beim Begriff ,Innovation‘ an jemanden wie Einstein, der einen Aha-Moment hat“, erklärt Hill – das sei aber bekanntermaßen ein Mythos. Innovation habe nicht mit Solo-Erfindergeist zu tun – sondern mit einem „kollektiven Erfinder*innengeist“.

Im Kern von Innovation steckt laut Hill ein Paradox: „Du musst die Talente und Leidenschaften vieler Leute freisetzen – und gleichzeitig musst du sie einspannen für Arbeit, die nutzvoll sein soll. Innovation ist eine Reise, eine Art kollektive Problemlösung, normalerweise von Leuten, die unterschiedliche Expertisen und Blickwinkel haben.“ Innovation sei eine Arbeit, die viel mit Trial-and-Error, mit Misserfolgen, mit „immer-wieder-von-vorne-anfangen“ zu tun habe.

Sie geht auch auf den Einwand ein, dass Innovation gebremst werde, wenn zu viele Leute mitmischen würden – und nennt das Beispiel Pixar, eine der Firmen, die Hill und ihre Kolleg*innen für ihre Studie beobachtet hatten, und stellt vorher die Frage: Wie gelingt es einer Firma wie Pixar, die hunderte von Mitarbeiter*innen hat, immer wieder, in Form der von der Firma produzierten Filme, Leuchttürme der Innovation hervorzubringen? 

Und sie ergänzt: Egal ob sie ein islamische Bank in Dubai, ein Sozialunternehmen in Afrika oder ein Luxusgüterunternehmen in Südkorea beobachtet habe: Eine innovative Firma sei immer eine Community mit drei Fähigkeiten:

1. Kreative Reibung

In wirklich kreativen Firmen, sagt Hill, gebe es eine hitzige, aber produktive Streitkultur; in diesen Firmen habe sich die Erkenntnis durchgesetzt: Innovation passiert nur, wenn Diversität und Konfliktbereitschaft vorhanden sind.

2. Kreative Wendigkeit

Hier geht es Hill darum, in der Lage sein, das vorhandene Portfolio von Ideen zu testen und zu filtern, es geht ihr darum, durch Reflexion und Anpassung immer besser zu werden, es geht um ein Lernen, das von Entdeckungen geprägt wird – und darum, selbst zu handeln, und nicht einfach den Weg in die Zukunft theoretisch zu planen. Wirklich kreative Firmen setzten also nicht einfach ein Produkt, eine Idee in die Welt und suchten eine*n Schuldige*n, falls es nicht funktioniert, sondern gingen einen experimentellen Weg, bis sie herausgefunden haben, wie das Endprodukt aussehen sollte.

3. Kreative Entschlossenheit

In wirklich kreativen Firmen gehe es nicht darum, einfach weiterzumachen und gut miteinander auszukommen; diese Firmen machten keine Kompromisse, sie ließen nicht zu, dass eine Person oder eine Gruppe zu stark dominiert, selbst wenn es sich dabei um den*die Vorgesetzte*n  oder den*die vermeintliche*n Expert*in handelt. Vielmehr hätten diese Firmen einen geduldigen, viel inklusiveren Entscheidungsprozess entwickelt.

Hill beschreibt in ihrem Talk anhand der Beispiele weiterer Konzerne, wie echte Innovation funktioniert und Kreativität freigesetzt wird. Zu sehen hier:

Quelle: Youtube

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