Grafik: EDITION F/MaLisa-Stiftung

Studie zu Diversität im deutschen Fernsehen: Quizmaster unter sich

Im deutschen Fernsehen ist die Welt immer noch vor allem weiß und männlich, noch immer sitzen vor allem Männer als Experten in den TV-Talkshows – aber in welchen Bereichen gibt es Fortschritte?

Wer sich in diesen Tagen durch politische Talkshows quält, um Einschätzungen zu hören, wie doof das eigentlich ist, dass Leute von der Union Sachen ausplaudern bei den Sondierungsgesprächen, dem*der fällt auf: Ganz schön viele mittelalte bis alte Männer, die uns als Experten die Welt – oder besser: ihre Sicht auf die Welt – erklären. Auch wenn die Redaktionen bemüht sind, die noch vor kurzem ausschließlich aus Männern bestehenden Runden hier und da mit ein, zwei Frauen aufzulockern.

Eine neue Studie der MaLisa-Stiftung, durchgeführt vom Institut für Medienforschung der Universität Rostock, bestätigt genau diesen Eindruck: In den Informationsformaten im deutschen Fernsehen erklären zwar nicht mehr Männer komplett unter sich die Welt, aber weiterhin deutlich in der Überzahl. Selbst aus Berufsfeldern, in denen hauptsächlich Frauen arbeiten, sitzen mehrheitlich männliche Experten im Fernsehstudio: Drei Viertel der Expert*innen sind männlich. Immerhin liegt der Frauenanteil in den Bereichen Moderation und journalistische Jobs mittlerweile fast bei 50 Prozent.

Nachholbedarf bei Diversitätsmerkmalen

Einen Rekord bricht der Bereich Ratesendungen: Bei der Moderation von Quizshows sind Männer mit 87 Prozent in der Überzahl. Und auch in den Genres Comedy/Late Night/Satire und Tiersendungen sieht es nicht sonderlich gut aus: Der Männeranteil beträgt hier 77 Prozent.

Grafik: MaLisa-Stiftung

Weitere Ergebnisse der Studie: Fernsehen für Kinder ist insgesamt zwar immer noch unausgewogen; aber immerhin wurde in den Produktionen aus dem Jahr 2020 mehr weibliche Protagonist*innen und Figuren sichtbar. Behinderung, sexuelle Orientierung und ein sogenannter Migrationshintergrund sind im Fernsehen nicht so vielfältig sichtbar wie in der Bevölkerung verteilt: Während 26 Prozent der Menschen in Deutschland einen sogenannten Migrationshintergrund haben, konnte er in den TV-Programmen nur elf Prozent der Protagonist*innen und Hauptakteur*innen zugeschrieben werden. Schwarze Menschen und People of Color sind ebenfalls unterrepräsentiert: Sie stellen schätzungsweise rund zehn Prozent der Bevölkerung, aber nur rund fünf Prozent der Protagonist*innen oder Hauptakteur*innen konnten von den Forscher*innen als Schwarze Personen oder People of Color gelesen werden.

Grafik: MaLisa-Stiftung

Insgesamt sind über das gesamte TV-Programm hinweg Frauen weiterhin deutlich unterrepräsentiert: Auf zwei Männer kommt weiterhin eine Frau. Es gibt aber auch positive Entwicklungen: Das Geschlechterverhältnis in den fiktionalen TV-Produktionen aus dem Jahr 2020 ist nahezu ausgewogen.

„Wir sehen, dass im Fernsehprogramm nach wie vor eine überwiegend weiße und männliche Welt gezeigt wird.“

Die Leiterin der Studie, Elizabeth Prommer vom Institut für Medienforschung der Universität Rostock, sagt: „Wir sehen, dass im Fernsehprogramm nach wie vor eine überwiegend weiße und männliche Welt gezeigt wird.“ Vor vier Jahren hatte die MaLisa-Stiftung, die von der Schauspielerin Maria Furtwängler und ihrer Tochter Lisa gegründet wurde, zum ersten Mal das Geschlechterverhältnis im deutschen Fernsehen untersuchen lassen. Ein Ergebnis damals: Frauen sind im deutschen Fernsehen vor allem „in ihren besten Jahren“ um die 30 zu sehen, danach geht’s bergab, ab 50 waren sie kaum noch sichtbar: Auf eine Frau jenseits der 50 kamen damals acht Männer. Hier tut sich langsam etwas. Vor allem in der Altersgruppe zwischen 50 und 59 ist der Anteil von Frauen gestiegen. Mehr Ergebnisse der Studie könnt ihr hier nachlesen.

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Lisa Seelig arbeitet seit Ende 2014 für EDITION F, erst als Redakteurin, seit Januar 2020 als Textchefin. Ihre Themenschwerpunkte bei EF sind Familie, Leben mit Kindern und Geschlechtergerechtigkeit. Seit 2015 schreibt sie in ihrer Kolumne über die Freuden und Schrecken von Mutterschaft. Vorher hat sie einige populäre Sachbücher geschrieben und als freie Autorin für Zeitungen, Magazine und Online gearbeitet, darunter Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Spiegel Online, Zeit Online, dummy und Neon. Wichtigstes Learning aus der Journalistenschule: „Das versendet sich.“ Foto: Jennifer Fey

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