Foto: Astrid Eckert/TUM

Maria Driesel: „In Deutschland werden jährlich Hunderte wegen falscher Laborbefunde fehldiagnostiziert“

Maria Driesel ist eine unserer „25 Frauen, deren Erfindungen unser Leben verändern“ – sie hat eine Methode entwickelt, mit der Verwechslungen von Gewebeproben im Labor ausgeschlossen werden können.

 

Schnelle Gewissheit

Der Verdacht auf Krebs ist für jeden, den es betrifft, eine schwere Last. Um so wichtiger ist es, dass die Diagnose schnell und zuverlässig gestellt wird. Genau dafür möchte Maria Driesel mit ihrem Unternehmen Inveox sorgen. Sie ist Wirtschaftsingenieurin hat einen smarten Container für Gewebeproben entwickelt, um die Krebsdiagnose schneller und sicherer zu gestalten. Anders als bei der üblichen Untersuchung muss die Gewebeprobe nicht mehrmals das Behältnis wechseln und kann so mit einer Maschine bearbeitet werden, die dem*r Patholog*in zusätzliche Informationen für die Diagnose gibt. Wir haben mit ihr über ihre Erfindung gesprochen.

Du wurdest unter unsere 25 Frauen gewählt, weil du einen innovativen Probenbehälter entwickelt hast, mit dem Gewebeproben im Pathologie-Labor einfacher und sicherer untersucht werden können: Wie ist die Situation denn derzeit in Laboren, und was ist daran veraltet, riskant oder inakzeptabel, wo setzt also deine Erfindung an?

„Zeitintensive, stark manuelle Laborprozesse in der Pathologie sind teuer, fehleranfällig und der häufigste Grund für Fehldiagnosen. Allein in Deutschland werden jährlich Hunderte von Patient*innen aufgrund falsch-positiver oder falsch-negativer Laborbefunde der Pathologie fehldiagnostiziert oder falsch behandelt. Einem durchschnittlichen Pathologielabor können durch vermeidbaren Personalaufwand Mehrkosten von bis zu 200.000 Euro entstehen. Der finanzielle Schaden im Gesundheitswesen wird auf 50 Millionen Euro geschätzt. Der herkömmliche Arbeitsprozess des Probeneingangs in Pathologielaboren ist veraltet und ineffizient. Durch den unmittelbaren Kontakt mit dem krebserregenden Stoff Formalin, in das die Gewebeproben eingelegt sind, ist der Vorbereitungsprozess für die Labormitarbeiter in der Pathologie oft sogar gesundheitsgefährdend.

Deshalb haben wir ein Automatisierungssystem entwickelt, das dazu beiträgt, das Risiko von Unregelmäßigkeiten beim Probeneingang und daraus resultierende potentielle Fehldiagnosen dramatisch zu reduzieren und Patient*innensicherheit signifikant zu erhöhen. Das System bietet also neben einer Effizienzsteigerung und mehr Zeit für wertschöpfenden Tätigkeiten auch einen wertvollen Beitrag zum Arbeitsschutz.“

Geht es nur um Gewebeproben, die auf Krebs untersucht werden, oder auch andere Krankheiten?

„Grundsätzlich betrifft die Histopathologie alles, was die Untersuchung von Gewebe involviert. Neben dem onkologischen Themenkreis kann das auch beispielsweise Diagnosen von Tuberkulose betreffen. Der Fokus liegt aber auf Krebs: Etwa 95 Prozent der Gewebeproben, die unser Automatisierungssystem durchlaufen, werden auf onkologische Fragestellungen hin untersucht. Hier liegt auch unser stärkster persönlicher Antrieb: Patient*innen schnell und vor allem zuverlässig zur Gewissheit über ihre Diagnose zu verhelfen. Hier können wir unserer Ansicht nach den größten und wertvollsten Impact leisten.

Aus technischer Sicht ist perspektivisch ein Einsatz unseres Automatisierungssystems – komplett oder in seinen einzelnen Komponenten – auch in anderen Forschungsfeldern denkbar, die einen hohen Anspruch an strikte Qualitätssicherung im Probeneingang haben. So zum Beispiel in der klinischen Chemie, Mikrobiologie oder Tiermedizin.“

„Der stärkste Trigger für Innovation liegt eben in der Interdisziplinarität“

Wie bist du auf die Idee gekommen, hier anzusetzen? Und beschreibt doch noch kurz, was du studiert hast, woher du dein Know-how zum Thema hast?

„Kurz und knapp: Beobachten, Neudenken, Verbessern. Das gilt für Prozesse im Ingenieurswesen, in der Betriebswirtschaft und in der Pathologie gleichermaßen. Ein fachfremder Blick kann da sehr hilfreich sein – und, ich werde nie müde das zu wiederholen – der stärkste Trigger für Innovation liegt eben in der Interdisziplinarität. So ist im Grunde die Idee auf zwei Kontinenten entstanden: 2015 war ich noch in den USA, als ich in einem Café per Zufall mit einem Pathologen ins Gespräch kam. Obwohl das meine erste Begegnung mit dem Fachgebiet war, erkannte ich anhand der Erzählungen aus dem Arbeitsalltag sofort, dass die Prozesse immenses Optimierungspotential in sich bergen. Etwa zur gleichen Zeit wohnte mein Gründungspartner Dominik in München im Rahmen eines Praxisseminars der Technischen Universität einer Operation bei, bei der eine Prostatabiopsie versehentlich beinahe vertauscht worden wäre.

Wie habt ihr dann als Gründungspartner*innen zueinandergefunden?

Einige Zeit später, als wir uns noch nicht kannten, sprachen wir beide mit unseren jeweiligen Studienberater*innen bei Manage&More über unsere Beobachtungen und Ideen und staunten nicht schlecht, als wir erstmals voneinander hörten und uns – zunächst über Kurznachrichten per Facebook-Messenger – schließlich auch persönlich kennenlernten. Der Rest ist Geschichte: Ich schloss mein Studium ab und nahm eine Vollzeitstelle bei einem Münchner Konzern an, Dominik war in den letzten Zügen seines Masters und arbeitete studienbegleitend an verschiedenen Automatisierungsprojekten im MedTech-Konzernumfeld mit. Im Hinterkopf blieb aber immer der starke Wunsch, ein Unternehmen zu gründen und die Vision, die wir beide teilten, die Vision eines sicheren, effizienten Probeneingangs im Pathologielabor, zu verwirklichen. Intensive Gespräche mit Branchenexpert*innen, wie Patholog*innen, Laborleiter*innen und -mitarbeiter*innen, die uns neben wertvollen Einblicken in ihre Prozesse auch mit sehr viel positivem Feedback bestärkten, gaben uns die nötige Bestätigung, um den Schritt in die Gründung zu wagen. Im Februar 2017 gründeten wir dann offiziell die inveox GmbH und stellten unseren ersten Mitarbeiter ein.“ 

Wie funktioniert eure Lösung denn genau?

„Das Automatisierungssystem, das wir entwickelt haben, besteht aus drei voneinander unabhängigen Komponenten. Sie definieren – auch ersten Kund*innenfeedbacks zufolge – einen neuen Standard in operativer Effizienz und Patient*innensicherheit. Während das zur Untersuchung entnommene Gewebe des*r Patient*in heute mehrfach manuell in verschiedene Gefäße umgepackt und neu beschriftet werden muss, hat inveox diese Gefäße zu einem einzigen Probenbehälter mit einem integrierten Filter zusammengefügt. Die Probe bleibt stets in einem Behälter, Verwechselungen und Verunreinigungen werden ausgeschlossen. Für Datentransfer, Track&Trace und Prozesssteuerung wird der Probenbehälter mit einer eindeutigen ID versehen.

In einen speziell entwickelten Automaten werden mehrere Dutzend Probenbehälter eingeführt und gleichzeitig automatisch verarbeitet: Die Daten der Probe werden erfasst, das Formalin entfernt, das Gewebe zur Dokumentation und ergänzenden Befundung fotografiert. Die Probe wird dann, immer noch im gleichen codierten Teil des ursprünglichen Probenbehälters, der Biopsiekassette, vom Automaten ausgegeben und kann nahtlos weiterverarbeitet werden.“

Und wie sieht es mit der Datenerfassung aus?

„Die gewonnenen diagnoserelevanten Daten – Imaging, Beschreibung, Tracking – die bis dato nicht erfasst werden konnten, werden in einer IT-Datenbank gesammelt und dem*r Patholog*in in seinem*ihrem bestehenden Laborinformationssystem bereitgestellt. Mittels dieser webbasierten, verschlüsselten Daten- und Kommunikationsplattform werden einsendende*r Ärzt*in und Patholog*in jederzeit über den aktuellen Stand der Probe – vom Versand der Gewebeprobe bis hin zur Diagnose – automatisch informiert.

Die drei Komponenten unseres Automatisierungssystems sind voneinander unabhängig nutzbar und lösen jeweils ein Kernproblem. Bei vollständiger Nutzung entfalten sie jedoch die größte Wirkung: Patient*innensicherheit und eine Effizienz-Steigerung von 50 bis 70 Prozent im Probeneingang. Das kann bei mittelgroßen Pathologielaboren einen Gegenwert von bis zu 200.000 Euro an Einsparpotential pro Jahr bedeuten. In größeren Instituten, wie zum Beispiel Unikliniken, entsprechend mehr.“ 

Wie oft kommt denn ein Vertauschen von Gewebeproben tatsächlich vor, gibt es da Zahlen? Und basiert das dann klassisch auf menschlichem Versagen (Labormitarbeiter*in hat was falsch eingetippt)?

„Gegenwärtig gibt es in Deutschland hierzu keine offiziellen Zahlen oder Studien. Unregelmäßigkeiten treten Schätzungen von Branchenexpert*innen zufolge in etwa ein bis 15 Prozent der Fälle auf. Im Allgemeinen gilt in Fachkreisen die Vorbereitung von Gewebeproben als sehr mühsam und zeitintensiv – insbesondere die Arbeitsschritte im Probeneingang erfordern höchste Konzentration. Bei mehreren Tausend Proben am Tag ist selbst bei bestmöglicher menschlicher Sorgfalt das Einschleichen von Unstimmigkeiten nur eine Frage der statistischen Wahrscheinlichkeit.
Wir sind Menschen – im besten Sinne des Wortes – und damit in entscheidenden Bereichen essentiell und absolut unersetzlich. Es ist klug, sich auf diese oft aus Zeitknappheit vernachlässigte Arbeitsbereiche zu konzentrieren und nicht wertschöpfende, monotone und gesundheitsgefährdende Tätigkeiten durch Technik erledigen zu lassen.“

Ihr sprecht vom vernetzten, digitalen Labor der Zukunft. Was macht dieses Labor aus, wie funktioniert es in eurer Idealvorstellung?

„Eine zuverlässige Diagnose ist die Basis für eine gute Therapie. Deswegen beginnt die Zukunft der Medizin für uns im Labor. Ein vollautomatisiertes, vernetztes Pathologielabor inklusive Probentracking und der vollständigen Erfassung von Prozessdaten: Process Mining und ein Algorithmus, um zu verstehen, was mit einer Probe auf ihrem langen Weg zwischen Entnahme und Befundung passiert als Datengrundlage für weitere Erkenntnisse. Unsere Zukunfts-Vision, auf die wir perspektivisch hinarbeiten, ist eine Plattform, auf der Informationen zentral zusammenlaufen: Prozessdaten und Diagnose aus der Pathologie und Radiologie. In Verbindung mit Patient*innenprofilen kann das eines Tages die Grundlage für zuverlässige und ganzheitliche Krebsdiagnosen bilden – und zwar in Echtzeit.  Das Gesamt-Innovationspotential, das sich aus dem Aufeinandertreffen von Technologie und Medizin ergibt, können wir aus heutiger Sicht nur erahnen. Medizintechnik, insbesondere in Kombination mit Digitalisierung, Automatisierung und, auf lange Sicht auch AI/Machine Learning, erschließen Möglichkeiten im Gesundheitswesen, deren Nutzungspotential selbst die Fachwelt erst zu erfassen beginnt.“

Arbeiten mittlerweile schon Pathologie-Labore mit eurem System? Wie weit seid ihr mit der Umsetzung, das System auf den Markt zu bringen?

„Generell wird die unmittelbar bevorstehende Einführung des inveox-Automatisierungssystems im Markt mit großem Interesse aufgenommen. Unser Prototyp wurde bereits erfolgreich vor Investor*innen und Branchenexpert*innen vorgestellt, die ersten Vor-Serienprodukte werden ab Spätsommer an ausgewählte Kund*innen ausgeliefert. Außerdem warten circa 50 Kunden*innen aus Deutschland, darunter mehrere Unikliniken, auf den Lieferzeitpunkt der ersten inveox-Automatisierungssysteme der Serienproduktion. Mit etwa 250 weiteren, die unsere Lösung hochrelevant finden, führen wir bereits interessante und konstruktive Gespräche.“

„Ich bin Maria, und ich bin CEO. Und beides bin ich gern“

Du bist CEO deiner Firma und hast also viel Verantwortung. War das schon immer so, dass du gerne geführt hast, gerne Verantwortung übernommen hast? Wenn ja, warum glaubst du, dass dir das liegt?

„Als jüngstes von drei Geschwistern lernt man frühzeitig, sich einzubringen – sei es für Planungen für den Familienurlaub oder auch nur ganz banal bei der Verteilung der Gartenarbeit – eigene Ideen, Wünsche oder Alternativen müssen formuliert, mit anderen abgestimmt oder auch mal ausgefochten werden. Das kennt, glaube ich, praktisch jede*r. Später, im Rahmen meiner Freizeitaktivitäten – vom Orchester über den Matheclub bis zum Mentoring für jüngere Kinder – hatte ich Freude daran, im Austausch mit anderen Aktivitäten, wie zum Beispiel Ausflüge oder Feste zu organisieren und wurde oft zur Gruppenleiterin gewählt. Absicht steckte meinerseits nicht wirklich dahinter: ich fand es einfach klasse, etwas anzupacken und freute mich natürlich total, wenn andere von meinen Ideen überzeugt oder begeistert waren und gerne mitmachen wollten. In der Pubertät wurde mir dann auch zunehmend bewusst, dass das mit Verantwortung verbunden ist – nicht nur im Bezug auf das Gelingen des Projekts, sondern auch der daran Beteiligten, die auf mich vertrauen.

Insgesamt erlebe ich meine heutige Aufgabe als natürliches Ergebnis ganz verschiedener beruflicher wie persönlicher Faktoren und Einflüsse, die mich als Mensch – und somit auch als CEO – geformt und geprägt haben. Kurzum: Ich bin Maria, und ich bin CEO. Und beides bin ich gern.

Was würdest du deinem 20-jährigen Ich raten?

„Kauf Dir den roten Lippenstift! (lacht)“

Und was fandest du einen wirklich tollen Ratschlag bezüglich deines beruflichen Weges und wer hat ihn dir gegeben?

„Ein wichtiger Rat, der letztlich auch zur Gründung von inveox beigetragen hat, kam von meiner Studienmentorin, Sabrina. Damals stand ich vor einigen beruflichen Alternativen: ich hatte die Wahl, bei einer internationalen Unternehmensberatung zu unterschreiben, das gut dotierte Angebot einer Position in einem Automobilkonzern anzunehmen oder die Möglichkeit, mein eigenes Startup zu gründen, von dem ich insgeheim schon lange geträumt hatte. ,Maria, im Inneren weißt du doch schon längst, was du wirklich willst‘ meinte sie, ,hör auf dein Herz.‘ Nun ja, zunächst hatte ich das Ziel um rund 30 Zentimeter verfehlt – die Distanz zwischen Herz und Kopf: ich hörte auf letzteren, ging auf Nummer Sicher und zum Automobilkonzern. Einige Monate später jedoch war endgültig klar: Ich will gründen, ich will inveox. Meine ehemalige Mentorin und ich schmunzeln heute immer noch, wenn wir uns daran erinnern.“

„Diversität machen wir nicht nur am Geschlecht fest – einen Menschen macht doch so viel mehr aus als ein Chromosom“

Gerade in deinem Bereich gibt es bestimmt noch einen hohen Männerüberschuss, euer Unternehmen hat sich bewusst das Thema Diversität auf die Fahnen geschrieben – mit welchen Maßnahmen schafft ihr es, eure selbst gesteckten Ziele im Bereich Diversity zu erreichen?

„Diversität machen wir nicht nur am Geschlecht fest – das wäre viel zu kurz gegriffen – macht einen Menschen doch so viel mehr aus, als ein Chromosom. Was wir bei inveox schätzen, ist Offenheit und Vielfalt – sie ist Voraussetzung für jedes Miteinander und gleichzeitig stärkster Trigger von Innovation. Deshalb ist es auch wichtig, die fachliche wie persönliche Vielfalt der Menschen, die mit uns arbeiten, auf allen Ebenen zu sehen und zu fördern. Talente wollen erkannt, Kompetenzen ausgebaut werden – das betrifft sowohl Hard- als auch Softskills gleichermaßen. So können Menschen sich bestmöglich einbringen, weiterentwickeln und wachsen. inveox beschäftigt zurzeit 22 fest angestellte Mitarbeiter sowie mehrere Teilzeitkräfte und Werkstudenten renommierter Universitäten. Wir sind stolz darauf, Expert*innen mit inzwischen zwölf Nationalitäten und aus neun Fachbereichen zusammenzubringen und zu sehen, wie aus Diversität und Interdisziplinarität täglich neue Ideen geboren, neue Erfolge erzielt werden. Wir verbinden junge Menschen, die am Puls neuester Technologien forschen, mit Älteren, die dank ihrer langjährigen Erfahrung Talente und Ideen kanalisieren und die jungen Kolleg*innen als Mentoren fördern können. So ist das jüngste Teammitglied 18, das älteste 64 Jahre alt.“

Was ist für dich die größte Herausforderung als Chefin?

„Klar, wie jede*r habe auch ich kleine und große Herausforderungen im Alltag – ein Unternehmen zu gründen ist verhältnismäßig einfach. Es zu führen und weiterzuentwickeln hat’s manchmal wirklich in sich und erfordert neben Gründer*innengeist und Geschäftssinn auch eine große Portion Durchhaltevermögen. Wöchentlich, täglich, stündlich und minütlich gibt es Auf und Abs. Erfolge, die mich auf meinem Weg bestätigen und Unwägbarkeiten, die mich vor immer neue Herausforderungen stellen und vollen persönlichen Einsatz fordern – auch weit nach Feierabend und am Wochenende.
Ungeplantes passiert täglich, in banalen und geschäftskritischen Bereichen – in allen Ausprägungen, Dringlichkeiten und Eskalationsstufen.

Und was ist hier deine Rolle?

„Meine Aufgabe besteht dann zum wesentlichen Teil darin, Probleme schnell und gründlich zu lösen, das Schiff sicher auf Kurs zu halten. Und das möglichst weitsichtig und besonnen. Wenn mich jemand für meine ,ruhige Hand‘ lobt, schmunzle ich nur – innerlich fegt oft genug ein Wirbelsturm. Nicht selten hinterfrage ich mein Handeln, den Weg, den ich für mich gewählt habe. Niemals jedoch das Ziel: das verfolge ich mit meinem Gründungspartner Dominik Sievert konsequent und Schritt für Schritt, linear und über Umwege, komme was mag. Wir nennen das elastische Beharrlichkeit. Das Geheimnis versteckt sich genau dort – man muss nie aufgeben, unabhängig davon, mit welchen Herausforderungen man konfrontiert ist. inveox ist für uns nicht nur ein Projekt, sondern unsere derzeitige Lebensaufgabe, der wir uns beide mit all unserer Kraft und Leidenschaft verschrieben haben.“

Was müsste denn aus deiner Sicht passieren, damit das Feld, in dem du arbeitest, diverser wird? Wie bringt man zum Beispiel mehr junge Frauen dazu, MINT-Fächer zu studieren?

„Mein Feld ist die Pathologie. Sie ist ein zu Unrecht nahezu unsichtbarer, aber dabei essentieller Bereich der Medizin. Damit dieses Feld diverser wird – und mit Diversität meine ich sehr viel mehr, als nur das Geschlecht – möchte ich Menschen begeistern, ihr Fachwissen für die Weiterentwicklung und Innovation in der Pathologie einzusetzen. Generell finde ich die strenge, oft steif gehandhabte Unterteilung des Wissens in Fachbereiche ungünstig. Interdisziplinarität ist der Nährboden für Innovation. Ich möchte Spezialist*innen unterschiedlicher Fachbereiche dazu bringen, sich füreinander zu interessieren, ihre Köpfe zusammenzustecken und Lösungen für folgenschwere, längst bekannte Probleme zu finden. So zum Beispiel laden wir bei inveox Informatiker*innen dazu ein, mit uns gemeinsam an einem Stück Zukunft der Medizin zu arbeiten und einen sofort greifbaren Impact zu leisten, das Leben von Menschen unmittelbar zu verbessern.

Das Faible für Mathematik und Physik liegt bei uns in der Familie, bei Frauen wie bei Männern und wurde auch ganz natürlich, geschlechterunabhängig und mit spielerischer Freude ausgelebt: beim Kartenspielen (ich als Kleinste musste immer die Ergebnisse aufschreiben und die Punkte zusammenzählen), mit Experimenten in der Werkstatt meines Vaters, oder Beobachtungen im der Freizeit. Ich erinnere mich zum Beispiel, wie meine große Schwester mir die Wurfparabel anhand des Wasserstrahls aus dem Gartenschlauch erklärte – das ist Physik in Aktion!

Mädchen wie Jungen rate ich gleichermaßen: Seid neugierig und folgt Euren Talenten und Interessen. Ihr könnt alles werden – die Welt steckt voller Möglichkeiten und wartet auf eure Ideen.“

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