Foto: Eigenes Bild

Me-Time am Samstagmorgen: eine bittersüße Lovestory

Über den Zauber eines Samstagmorgens, einen Spaziergang ganz alleine und die Inspiration, die aus dem tiefsten Innersten kommt, wenn man ihr nur zuhört.

 

Neun Uhr morgens in München, die Sonne strahlt mit dem blauen Himmel um die Wette und der Samstag liegt noch unberührt vor der großen Stadt. Vor mir liegt ein nicht verplanter Vormittag – eine Seltenheit – so beschließe ich kurzerhand, mir die Business Punk zu schnappen und ins Zentrum zu fahren. Allein, nur für mich, ohne Handy, ohne Zeitorientierung und nur mit meinen Gedanken bewaffnet.

ALLEINSEIN, ZEIT FÜR SICH ZU HABEN, IST NICHT GLEICH EINSAM
SEIN

Viele verwechseln Alleinsein mit Einsamkeit. Keine Verabredungen wahrzunehmen scheint für manche einem sozialen Versagen gleichzukommen. Eine fatale, sehr unkluge Ansicht meiner Meinung nach. Jana von „Mädchenhaft“ hat sich einige sehr schöne Gedanken zu diesem Thema gemacht. Sie schreibt „Alleine zu sein bedeutet, Dinge alleine zu machen aber auch für dich zu machen.“ Deine Bedürfnisse und Wünsche zu erkennen vermagst Du nur in der Selbstreflexion. Kein anderer Mensch soll Deine Kapitel für Dich schreiben. Schließlich bist Du die einzige Person, die immer da sein wird. Nur vor dieser musst Du Rechenschaft ablegen, auf was Du in Deinem Leben getrost verzichten kannst und auf was eben nicht.

ZURÜCK ZU MEINEM KLEINEN SAMSTAGAUSFLUG

… und so finde ich mich gegen halb zehn in einem Kaffee im Wiener Stil mit großer Tortenauswahl wieder. Mit gepolsterten, Vintage-angehauchten und einer großen Fensterfront. Während ich genüsslich meine Gabel mit Käseküchen bestücke, beobachte ich die Straße mit ihren Passanten. Viele sind
allein unterwegs und lächeln dabei. Genauso wie der ungefähr dreißigjährige
Herr neben mir, der die Süddeutsche Zeitung nach interessanten Artikeln
durchforstet. Während ich mich vor einigen Jahren niemals allein in eine Bar
gesetzt hätte (was würden wohl die Leute von mir denken?), genieße ich die
Stille nun in vollen Zügen. Scheint wohl eine Eigenschaft zu sein, die erst mit
den Jahren kommt.

Nach einigen wirklich lesenswerten und inspirierenden Artikeln in der Business Punk beschließe ich, mich in die bunte Menge vor dem Fenster zu schmeißen. Ich bezahle und frage die Kaffebesitzerin, ob die Kuchen alle selbstgebacken sind. „Ja“, bestätigt sie mir stolz, „mit viel Liebe sogar“. Notiz an mich: ich sollte auch wieder einmal den Schneebesen in die Hand nehmen. Ich liebe es, Süßkram herzustellen (und auch ihn zu verköstigen). Keksdesign, Fondant und Cake Pops sind in meinem Erlebnisportfolio durchaus verzeichnet. Warum habe ich bloß so wenig Zeit dafür?

Die Münchner Innenstadt begrüßt mich mit herrlichen Gerüchen vom Viktualienmarkt. Mit Sales-Schaufenstern und Menschen mit Einkaufskörben.
Ich schlendere über die gepflasterten Straßen und fühle mich wohl, aufgehoben,
obwohl ich niemanden um mich kenne. Aber ich bemerke, dass mancher Blick an mir hängen bleibt. Vielleicht weil ich lächle? Meine Gedanken sind durchwegs
positiv, ich stelle fest, dass ich noch nie zuvor so sehr bei mir selbst war wie
in den letzten Monaten. Bin vielleicht angekommen. Für den Moment zumindest. Aber es gibt noch so viel zu tun. Da ist so viel Energie, Vertrauen in mich und meine Ansichten. Allein zu sein ist manchmal unangenehm, ein Austreten aus der Komfortzone. Aber genau dieser kleine, unangenehme Stich enthält sehr viel Potential. Wie gerade dieser Samstagmorgen.

Ein Buchladen säumt meinen Weg. Buchläden sind sowieso Orte, die mich magisch anziehen. Jedes Werk enthält seine ganz eigene Welt, egal welches Genre, ob Sachbuch oder Ratgeber. Zielsicher bewege ich mich zur Kunst-
und Modeabteilung, bestaune die prächtigen Bildbände, blättere in Biografien
von Modebloggern, die sich damit vom Online- in den Printjournalismus wagen.
Gleich daneben finde ich die farbigen, grafisch mittlerweile sehr hochwertigen
Kochbücher. Alle gleich bezaubernd und super inspirierend. Wenn ich alles
kaufen würde, was mich anlächelt, dann würde ich wohl einige hundert Euro
hinblättern.

WENN PLÖTZLICH DIE ME-TIME VIEL ZU KURZ SCHEINT

Berauscht verlasse ich den Laden. Ich will plötzlich so Vieles. Stricken, Malen, Schreiben. Kreativ sein, meine Ideen festhalten. Wie schön, sich so sehr an seiner eigenen Person zu erfreuen. Die gute Nachricht: dieses Gefühl schlummert bereits in Dir, Du musst es nur immer wieder wecken, Dich daran erinnern. Du brauchst dafür keine anderen Menschen. Genau deshalb ist die Me-Time so wichtig für mich. Mein Vormittag erscheint plötzlich so kurz, schade, dass er fast schon vorbei ist. Es gibt viel zu tun, sehr viel. Eine
bittersüße Hommage an all die Möglichkeiten, die an uns vorbeiziehen, wenn wir es verpassen, uns mit uns selbst auseinandersetzen.

Anzeige

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.