Foto: Abi Porter – Flickr – CC BY 2.0

10 Tipps für hochsensible Mütter

Mutter zu werden und zu sein ist für alle Frauen eine besondere und herausfordernde Erfahrung, erst recht wenn sie hochsensibel sind. Hier sind meine 10 Tipps, um die ersten Jahre nicht nur zu meistern, sondern sie auch zu genießen.

 

Empfindsamkeit und das Mamawerden

Wenn ich an meine ersten drei bis vier Jahre als Mutter zurückdenke,  dann wird mir im Nachhinein bewusst, dass ich diese Zeit außerhalb meiner Grenzen verbracht habe. Diese Zeit war emotional und körperlich so herausfordernd und aufwühlend, dass ich kaum mehr in meine Mitte zurückfand. In seltenen stillen Momenten erkannte ich das auch, aber ich konnte den Gedanken nie tiefer folgen, weil das äußere Leben mich schon wieder rief.

Seitdem ist viel Zeit vergangen, ich habe meine innere Mitte und Ruhe wiedergefunden und hatte auch die Zeit, das alles zu reflektieren. Daraus sind diese Tipps entstanden, die ich anderen hochsensiblen Müttern gerne mitgeben möchte. Sie gelten natürlich für alle Mütter, nur für hochsensible im Besonderen, weil sie keine „Funktionierer“ sind und der Leidensdruck in stressigen oder unaufrichtigen Situationen schnell groß ist.

1. Du darfst immer noch du selbst bleiben

Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich mich in den ersten Wochen als Mutter immer wieder darüber wunderte, dass ich mich noch genauso wie vorher fühlte. Hatte ich etwa nicht ein heiliges Tor durchschritten, auf dessen anderer Seite ich als geduldiges, selbstloses und mütterliches Wesen hervorkam? Offensichtlich nicht! Ich war immer noch dieselbe wie vorher, nur jetzt eben mit Baby.

Du wirst spüren, dass dich andere anders wahrnehmen und dich vielleicht von ihnen aufs Muttersein „reduziert“ fühlen. Dagegen zu kämpfen scheint mir müßig. Zieh dir den Schuh einfach nicht an. Bleibe du selbst mit Ecken und Kanten und lebe dich selbst und das, was dir wichtig ist, einfach weiter. Womit wir aber schon beim nächsten Punkt sind.

2. Ruhe dich viel aus

Es ist sehr kräftezehrend ein Baby oder Kleinkind zu betreuen. Meiner Erfahrung nach sind es aber die eigenen Gedanken, dieses und jenes noch zu müssen oder zu wollen, die einen nicht zur Ruhe kommen lassen. Versuch es ein Stück weit zu akzeptieren, dass das eine Lebensphase ist, in der so manches, was dir auch wichtig ist, zu kurz kommt.

Ruhe dich aus, so oft es dir möglich ist. Mach mit deinem Kind Mittagsschlaf und geh abends früh ins Bett. Spätestens ab dem sechsten Lebensjahr und wenn die Kleinen in die Schule kommen, tritt eine ganz andere Entspannung ein und der Raum für dich und deine Interessen wird wieder viel größer.

3. Bleibe ehrlich zu dir selbst

Mutterschaft wird in unserer Gesellschaft so überhöht dargestellt, dass man als Mutter meint, man müsse sich in dieser und jener Situation so und so fühlen, um eine „gute Mutter“ zu sein. Du bist aber immer noch ein individuelles Wesen, das individuell empfindet und reagiert. Darum hadere nicht mit dir, wenn du dich in Situationen, in denen du meinst, Freude empfinden zu müssen, eher genervt fühlst; oder glücklich bist, wenn du endlich mal alleine sein kannst. Fühl dich einfach, wie du dich eben fühlst, das ist absolut in Ordnung so.

4. Sei ehrlich zu anderen

Ich weiß, dass dieser Punkt besonders schwierig ist, weil vor allem unter Müttern viel vorgetäuscht wird, aus Angst, dem gesellschaftlichen Überideal nicht zu entsprechen. Mach das einfach nicht mit. Die Wahrheit ist, dass du dein Kind liebst und gut für es sorgst, und das ist mehr als genug. Die Wahrheit ist etwas sehr einfaches und braucht keine Darstellung im Außen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich durch meine Ehrlichkeit andere dazu ermutigt habe, es ebenfalls zu sein. Und so sind oftmals sehr schöne und unterstützende Gespräche mit anderen Müttern entstanden.

5. Vertraue deiner Intuition

Ich hatte gegen Ende meiner Schwangerschaft ein schlechtes Gewissen, weil ich keinen einzigen Ratgeber gelesen hatte. Seltsam, wie sehr wir es gewohnt sind, den richtigen Weg nur im Außen zu suchen. Aber ich habe einfach meinem Bauchgefühl vertraut und bin in unzähligen kleinen Schritten in diese neue Aufgabe hineingewachsen.

Ich glaube nicht an den einen richtigen Weg. Jede Mutter ist anders und jedes Kind ist anders. Und es gibt so viele Situationen, in denen man schlicht nicht weiß, welche Entscheidung gerade die richtige ist. Folge einfach deiner Intuition und vertraue dir selbst und deinem Gespür für dein Kind. Ich halte Erziehungsschablonen für Quatsch. Begegne deinem Kind einfach authentisch und liebevoll – alles andere wird sich finden.

6. Suche die Ruhe in deinen Gefühlen

Gerade am Anfang ist es ein Gefühls-Tsunami, der da über einen rollt. Die Liebe zu diesem kleinen Wesen. Der Wunsch, es immer zu beschützen. Angst, etwas falsch zu machen. Angst, dass ihm etwas zustoßen könnte. Grenzenlose Erschöpfung. Schuldgefühle. Und so weiter.

Mach dir bewusst: Es ist eine Ausnahmesituation, in der du dich befindest. Viele Gefühle, die dich jetzt überschwemmen sind auch hormonell bedingt und werden von selbst an Intensität verlieren. Lass sie einfach fließen und identifiziere dich nicht vollständig mit ihnen. Versuche in dir die Ruhe, die Stille, die innere Konstante zu finden und zu halten. So wie einen starken ruhigen Mast auf einem Segelschiff im tobenden Meer.

7. Schütze dich vor dem Lärm

Kinder machen ständig Geräusche. Angefangen bei dem Schreien als Baby über das Rasseln und die ersten „Musik“-Instrumente bis hin zu Lego und sonstigen Steinen, die durch die Räume fliegen. Puh! Das sind wahre Schmerzen, die man als hochsensibler Mensch da erleidet.

Du musst dir das nicht mehr als nötig antun. Konkret heißt das, die leisen Spiele dürfen in deiner Anwesenheit gespielt werden, die lauten in deiner Abwesenheit. Mindestens eine Tür sollte zwischen dir und dem Lärm liegen. Kinder sind sehr kooperativ und wir Mütter haben auch ein Recht auf unsere Grenzen und leben damit auch vor, wie man seine Grenzen schützt.

8. Bleibe kreativ

Der neue Alltag kann sehr eintönig sein. Suche für dich etwas, um dich kreativ auszudrücken. Am besten etwas, woran du ohne große Vorbereitung immer anknüpfen kannst, wenn du mal Zeit hast. Oder das du auch mit deinem Kind zusammen machen kannst.

9. Vernetze dich

Ich ärgere mich immer, wenn in irgendwelchen Artikeln künstliche Mütterschubladen geschaffen und gegeneinander ausgespielt werden. Ich habe in den vergangenen Jahren viele schöne Bekanntschaften mit anderen Müttern und Vätern gemacht, die ohne die Kinder nicht entstanden wären, weil anfangs keine weiteren Bezugspunkte da waren.

Aber letztlich sitzen alle im selben Boot und man kann mit fast allen eine Verbindung finden. Und es ist ungemein hilfreich, unterstützende Kontakte zu haben. Man hilft sich im Alltag und hat einfach den Austausch mit Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind.

10. Genieße es

Bei allen Mühen kehrt durch Kinder ein neuer Zauber und viel Lustigkeit in unser Leben ein. Es gibt so viele schöne Momente und sie entstehen oft einfach spontan.Genieße die schönen Momente und tue Dinge mit ihnen zusammen, die dir selbst Freude machen. Kinder spüren, ob wir mit ganzem Herzen da sind oder etwas nur hinter uns bringen wollen.

Es ist eine tiefe und wunderschöne Erfahrung für ein Kind zu sorgen und es aufwachsen zu sehen, und ich wünsche dir von Herzen eine schöne und entspannte Zeit!

Dieser Text ist zuerst auf dem Blog von Lili Wagner (http://liliwagner.de/) erschienen. Wir freuen uns, dass sie ihn auch hier veröffentlicht.

Titelbild: Abi Porter – Flickr – CC BY 2.0

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