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Meine neueste Eroberung: mein Homeoffice!

Wer im Homeoffice arbeitet, ist superflexibel und so was von ungebunden. Ja, das mag sein. Es nervt trotzdem, wenn euch im Homeoffice alle für dauerverfügbar und permanent ansprechbar halten. So könnt ihr euch dagegen wehren.

 

Überquellender Papierkorb, Stiftesammlung und Büroklammern neben einem aufgeklappten Laptop, ein klingelndes Telefon und ein besetzter Schreibtischstuhl – jawohl, ihr steht in einem Büro, in dem unter Hochdruck gearbeitet wird. Allerdings nicht, wie ihr vielleicht denkt, in einem 20-stöckigen, schicken Bürokomplex. Nein, bei mir zu Hause.

Wer selbstständig von zu Hause oder einfach im Homeoffice arbeitet, hat den kürzesten Arbeitsweg der Welt. Super.

Es gibt da nur ein Problem: Dieses Büro hat weder eine schwere Glastür, die den Eingang versperrt, noch eine Sekretärin, die Gäste abblockt und Termine vereinbart. Wer im Homeoffice arbeitet, ist immer und unmittelbar da.

Jemand kommt unangekündigt vorbeigeschneit, die Tochter braucht einen schnellen Fahrdienst zum Sport und hey, Kerstin, hast du nicht Lust auf einen Kaffee, du bist doch eh zu Hause. Hallo?!

Homeoffice – ein Arbeitsort wie jeder andere

Mein Eindruck ist: Das Bild von der Arbeit im Homeoffice ist immer noch reichlich verzerrt. Die Homeoffice-Kandidaten sind ja zu Hause, superflexibel und haben Zeit. Sie können doch nebenbei die Handwerker dirigieren oder immer die Pakete der ganzen Nachbarschaft annehmen …

Nein! Wenn ihr im Homeoffice seid, heißt das für euch, dass ihr bei der Arbeit seid. Das ist euer Job. Punkt. Und wenn ihr euch entscheidet, in der Zeit müßig aus dem Fenster zu schauen, ändert das immer noch nichts daran, dass ihr im Homeoffice und bei der Arbeit seid – ergo: Die Aufgaben müssen erledigt werden, die Zeit ist verplant und der Kalender voll.

Es ist doch zu einer generellen Unart geworden, dass Menschen sich gegenseitig Termine in ihre Kalender packen – und das betrifft nicht nur Menschen im Homeoffice. Das Problem ist nämlich, anders formuliert: Andere bestimmen über eure Zeit. Nehmt beispielsweise Business-Meetings: Die Kollegen setzen einen Termin fest – und ihr habt da zu sein. Oder die Schule eurer Kinder plant ein Sommerfest: Klar seid ihr zum Kuchenbacken eingeteilt und die Zeit für den Verkaufsstand werdet ihr doch wohl auch irgendwie aufbringen können mit eurem easy going Homeoffice-Job. Ach ja, und wenn der Bruder spontan einen Babysitter für seinen Jüngsten braucht – bei wem wird er klingeln?

Erobert euch euer Homeoffice zurück!

Das Ergebnis: Ganz schnell bestimmt nicht mehr ihr euren Kalender, sondern ihr arbeitet nur noch die To-dos der anderen ab. Da hilft nur eins: Erobert euch euer Homeoffice und euren Kalender zurück.

Damit das Arbeiten im Homeoffice wieder Freude bringt und effektiv ist, gibt es letztlich nur eine Lösung für das Dilemma: Grenzt euch ab. Das klingt hart, aber es geht um EURE Zeit, da dürft ihr dann schon mal ein bisschen extremer sein, finde ich. Und rantasten könnt ihr euch an diese neue Aufgabe ja langsam: Stellt zum Beispiel im Homeoffice als Grundregel das private Telefon aus. Schließt das private E-Mail-Postfach und die Tür zum Arbeitszimmer auch gleich mit.

Im nächsten Schritt folgt dann die Königsklasse: Sagt nein. „Ich bin zwar zu Hause, aber ich kann die Handwerker nicht nebenbei dirigieren.“ „Ich arbeite zwar im Homeoffice, ein Kaffee ist so spontan trotzdem nicht drin – vielleicht später ein After-Work-Cocktail?“

Verantwortung annehmen

Keine Angst: So ein Nein ist weder verwerflich noch unfreundlich. Es bedeutet schlicht, dass ihr eure Verantwortung in eurer Arbeit und gegenüber euren Kunden ernst nehmt. Dazu gehört nun mal auch, dass ihr Ablenkungen vermeidet. Denn Hilfsbereitschaft ist schön und gut, doch den Fokus auf eure eigenen Aufgaben, auf eure erfolgreiche Zeit im Homeoffice und euren Kalender solltet ihr euch darüber nicht nehmen lassen.

Denn das ist ja auch das Schöne am Homeoffice: In eurem Kalender landet das, was ihr mit eurem Tag am besten vereinbaren können. Ihr habt die Freiheit, zwischendurch mal zum Arzttermin zu flitzen oder – mit Vorankündigung – die Freundin auf einen Kaffee zu treffen. Wenn das Kind krank ist, dann nehmt euch den Tag und schiebt die Arbeit auf den Abend. Euer Homeoffice, eure Freiheit: Wie ihr eure Zeit managt, ist eure Entscheidung und nicht die von anderen.

In diesem Sinne: Klappt mal schnell den Laptop zu und checkt euren Kalender für nächste Woche. Sind das wirklich alles EURE Termine?

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