Foto: Saturday Night Live | Youtube

Bitterböse und ziemlich lustig: Melissa McCarthy nimmt Trumps Sprecher aufs Korn

In einem Auftritt in einer US-Late-Night-Show nimmt sich die großartige Schauspielerin Melissa McCarthy Präsident Donald Trump und seinen Sprecher Sean Spicer vor. Und das ist nicht nur ziemlich treffend, sondern – oder gerade deshalb – auch sehr lustig.

 

You nailed it, Melissa!

Am vergangenen Wochenende stellte die Schauspielerin und Komikerin Melissa McCarthy, die man aus „Brautalarm“ oder den „Gilmore Girls“ kennt, in der US Late-Night-Show „Saturday Night Live“ eines der täglichen Briefings des Trump Sprechers Sean Spicer nach und das ist … erstmal ziemlich laut. Sichtlich mit Aggression aufgepumpt betritt McCarthy aka Spicer die Bühne und beginnt die „Pressekonferenz“ kaugummikauend damit, dass sich die Journalisten erstmal bei ihr aka Spicer für den Umgang der letzten Wochen entschuldigen sollten. Natürlich, würde sie diese Entschuldigung aber nicht annehmen. Hier widmet sich die Schauspielerin offenkundig dem immer wieder von der Trump-Regierung ausgespielten Opfer-Prinzip.

Dann schiebt McCarthy hinterher: „Ich weiß, dass die Medien und ich einen schwierigen Start hatten (…). Ich bin heute hierher gekommen, um Sie ins Gesicht zu schlagen. Auch, weil ich nicht so gut reden kann.“ Aggression, darf schließlich nur aus einer Richtung kommen – vom Weißen Haus.

Mal abgesehen von der vom plakativen Männlichkeitsgehabe Spicers, die durch Mc Carthy herrlich ad absurdum geführt wurde.

Lustig ist das, leider deshalb, weil sie den zum bei öffentlichen Auftritten leicht zum Hyperventilieren neigenden Sean Spicer sehr gut trifft – finden Medien wie The Guardian („McCarthy stiehlt Spicer die Show“) oder die die New York Times, die der Schauspielerin attestierte, mit ihrem Auftritt der Star der Show gewesen zu sein. 

„Die Männer hatten alle eine Erektion. Die Frauen hatten alle einen Eisprung.“

Trump löst Erektionen aus!

Aber auch Trump bekommt sein Fett weg. „Heute, als der Präsident Richter Neil M. Gorsuch für den Posten des Obersten Gerichts vorgestellt hat, hat die Menge ihn mit Standing Ovations begrüßt, die volle 15 Minuten angedauert haben. Jeder hat gelacht, jeder war glücklich. Das können Sie auf Band überprüfen.“ Und weiter: „Die Männer hatten alle eine Erektion. Die Frauen hatten alle einen Eisprung – links und rechts.“

Auch das Thema Muslim Ban kommt auf den Tisch und McCarthy greift Trumps Aussage auf, dass er das Wort „Ban“ nie ausgesprochen habe, sondern dass das von Journalisten käme, und Trump das nur zitiert hätte und nun würden es die Journalisten wieder zitieren und so würde ein endloser Kreislauf entstehen. Ein schöne Replik auf das stete Verwirrspiel Trumps zu seinen eigenen Aussagen aus der nahen und fernen Vergangenheit, das er trotz Twitter-Chronik oder Tonband-Aufnahmen immer wieder versucht.

Ein herrliches Stück Satire, dass in seiner Realitätsnähe bitterböse und genau deshalb so gut ist.


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Silvia hat von 2014 bis zum Herbst 2019 für EDITION F gearbeitet, zunächst als freie Journalistin, dann als Redakteurin und seit dem Jahr 2017 als Redaktionsleiterin. Seit Oktober ist sie freie Autorin und Kolumnistin und schreibt auf EDITION F weiterhin ihre Kolumne „Thirtysomething“. Im März 2019 erschien im Goldmann-Verlag ihr erstes Buch: „A Single Woman: Ein Plädoyer für Selbstbestimmung und neue Glückskonzepte“. Foto: Jennifer Fey

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