Foto: Anna Demianenko

Mit dem Internet zum Traumjob – so entwickelst du dein digitales Profil

Muss ich twittern, um im Internet Unternehmen auf mich aufmerksam zu machen? Teresa Bücker hat ein paar Tipps für uns.

Zurückhaltung im Netz – typisch deutsch?

Vor zwei Wochen war ich als Referentin in einem Seminar zu Gast, bei dem die Teilnehmenden lernen sollten, wie sie Social Media für ihre Arbeit bei einer politischen Stiftung nutzen können. Die meisten Fragen, die mir in dem jüngsten Seminar gestellt wurden, drehten sich um das Thema Shitstorm und was zu tun sei, wenn jemand also großen Mist verzapft hätte und dann im Netz mit Häme überschüttet würde. Das Interessante war dann: Als ich die Teilnehmer bat, mir das Szenario zu beschreiben, in dem sie einen Fehler machen würden und eine Welle von Kritik lostreten würden, fiel ihnen nichts Konkretes ein und sie merkten, dass sie nur eine diffuse Angst verspürten.

Ich habe in den vergangenen Jahren dutzende solcher Seminare mitgestaltet oder geleitet und in all meinen zurückliegenden Jobs war es Teil meiner Position, Wissen über den Umgang mit sozialen Medien weiterzugeben. Der erste Schritt jedoch dabei – und das hat sich seit 2008 nicht geändert – ist es immer geblieben, anderen Menschen für die Möglichkeiten des Internets zu begeistern. Nein, wenn ich ehrlich bin, ist der erste Schritt sogar meistens, ihnen die Angst davor zu nehmen, das Netz aktiv auch als Persönlichkeit zu nutzen. Bevor diese Angst wegfällt, entsteht kein ernsthaftes Interesse – und daraus irgendwann Begeisterung.

Ich versuche seit Jahren zu verstehen, warum die Deutschen sich – zumindest was die Nutzung persönlicher und authentischer Profile betrifft – sich nur zaghaft ins Netz wagen. Die Skepsis gegenüber sozialen Medien bleibt hoch: aus Angst davor, dass Daten missbraucht werden, aus Angst davor, Fehler zu machen und damit dann im persönlichen oder beruflichen Umfeld Nachteile zu erleiden. Die Geschichten, wie eine Person aufgrund eines dummen Tweets ihren Job verlor oder Nacktselfies politische Karrieren vernichtet haben, werden gern weitergegeben. Die Geschichten wiederum, wie jemand über sein Blog einen Traumjob bekam oder die Liebe seines Lebens kennenlernte, finden weniger Beachtung. Genau das würde ich gern ändern, denn ich kenne sehr viele Menschen, die gerade weil sie ihr digitales Profil mit viel Sorgfalt und Liebe aufgebaut haben, einen Job gefunden haben, der sie glücklich macht – und das sogar meistens ohne dieses Ziel direkt vor Augen gehabt zu haben. Aus diesem Grund ist es noch vielversprechender, das Internet für den Beruf mit klaren Zielen zu nutzen und zu lernen, wie das am besten geht.

Social Media kann jobrelevant sein

In meinem ersten Job bei einem Onlinemedium habe ich Bewerbungen für eine Stelle im Verlag gesichtet und die Vorauswahl der Personen getroffen, die wir zum Gespräch einladen wollten. In einer Vielzahl von Bewerbungen gab es genau eine Person, aus deren Unterlagen hervorging, dass sie soziale Medien nutzte. Wohlgemerkt war das 2008, doch alle anderen Bewerber erwähnten nicht einmal im Anschreiben, wie sie das Internet nutzten – lediglich „dass“. Bei der Bewerberin, die wir nicht nur eingeladen sondern schließlich auch eingestellt haben, fand sich im Lebenslauf unter Hobbys ein Hinweis auf ihren Twitter-Account. Sie twitterte sogar nicht unter ihrem Klarnamen, sondern einem lustigen Pseudonym, und ihre Tweets verrieten gleich zwei Sachen: Sie hatte nicht nur Humor, sondern auch ein hohes fachliches Interesse an den Themen, die uns als junges Onlinemedium beschäftigten. Sie stach damit Bewerber mit höheren Universitätsabschlüssen locker aus, da einfach sehr schlüssig war, warum sie sich bei uns bewarb und dass sie sich online zu Hause fühlte.

Die Bewerberin von damals ist leider eine Ausnahme geblieben. Bewerberinnen und Bewerber verlinken selbst für Stellen mit klarem Onlinebezug in ihren Anschreiben oder Lebensläufen so gut wie nie Profile in sozialen Netzwerken, prägnante Blogtexte, Vorträge, die auf Youtube dokumentiert sind oder Präsentationen auf Slideshare. Mich wundert das nach wie vor, denn die Nutzerzahlen von sozialen Netzwerken sind seit 2008 rasant gestiegen und es ist mittlerweile viel einfacher, ein eigenes Blog anzulegen oder auf andere Art und Weise sowohl fachliche Expertise als auch persönliche Interessen und Leidenschaften im Netz sichtbar zu machen und mit anderen zu teilen. Dass LinkedIn seit September auch Mitglieder im deutschsprachigen Raum ermöglicht, direkt auf der Plattform zu bloggen, ist da ein kräftiger Wink mit dem Zaunpfahl. Und aus diesem Grund ermöglichen auch wir bei EDITION F unserer Community schon seit Mitte 2014, eigene Artikel bei uns zu verfassen. Denn ein guter Auftritt im Netz, ein spannender Artikel, der online gelesen werden kann, der ist im Prinzip wie ein öffentlicher Auftritt, der beeindruckt hat.

Mir ist klar, dass die Möglichkeiten, das Netz für sich beruflich sinnvoll und effektiv zu nutzen, auf den ersten Blick aussehen können wie ein Dschungel. Die professionelle Nutzung – sei es im Job oder um den Job zu bekommen – muss jeder von uns erst lernen, auch wenn man vieles intuitiv richtig macht.

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