Foto: Quelle: Alex Holyoake | Unsplash

Warum wir im Büro öfter tagträumen sollten

Für viele Aufgaben in unserem Job ist es wichtig, sich zu konzentrieren zu fokussieren. Und genau dabei kann ein bisschen Tagträumerei helfen. Warum, erklärt unsere Community-Autorin in diesem Beitrag.

 

Eine Technik gegen den Stress 

Diese Momente, in denen das Blickfeld gefühlt immer enger wird und man nichts mehr um sich herum wahrnimmst, weil der Stress immer akuter wird und dir alles über den Kopf wächst… Dieses Gefühl kenne ich gut. Mittlerweile habe ich aber auch eine Technik, die mir genau dann helfen kann.  Es beruhigt nämlich ungemein, wenn man in solchen Momenten selbst merkt, dass man gerade komplett im Stresstunnel steckt. Denn was sich unter zu viel Stress im Körper abspielt, geht einen Schritt zu weit und blockiert dabei nicht nur die eigene Kreativität und Wahrnehmung.

Lass es mich an einem Beispiel verdeutlichen: Vor einiger Zeit stand ich wieder einmal im Musée de l’Orangerie in Paris. Dort hängen acht riesige Bilder des Künstlers Claude Monet, teilweise bis zu 17 Meter lang. Der Weitblick, den es benötigt, um diese Bilder in Gänze zu erfassen, scheint zunächst völlig unmöglich. 

Zu Beginn fiel mein Blick immer wieder auf Details: eine Seerose, ein Baum, ein besonders dicker Pinselstrich. Etwas ganz ähnlich passiert, wenn du im Meeting sitzt und dein Kopf sich an dieses eine Detail, diesen einen Störenfried klammert, während dein Blick immer weiter zusammenschrumpft. Denn in den meisten Situationen gilt, wie beim Überqueren einer mehrspurigen Straße: Du brauchst Weitblick. Wenn du dich nur auf das nächste Auto konzentrierst, wirst du überfahren.

Fokus, ja – aber nicht um jeden Preis

Fokus ist gut, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Das sage ich dir, weil viele Klient*innen mir immer wieder mit diesem Argument kommen: „Ich fokussiere mich eben!“ Pustekuchen! Gegen einen gesunden Fokus ist ja nichts einzuwenden, meist passiert aber etwas ganz anderes: Je weiter der Druck steigt, desto mehr rutscht dein Fokus, deine konzentrierte Betrachtung eines Sachverhalts, ab in einen gefährlichen Tunnelblick. Dein Weitblick verabschiedet sich also stufenweise, bis er sich in einer Fixierung zuspitzt, die dich nichts mehr rechts und links vom Weg wahrnehmen lässt. Da merkst du schnell: Ein entspannter Weitblick und Stress – das passt nicht zusammen.

Übung macht den Meister

Mit stressigen Situationen verhält es sich aber eben wie mit einem wunderschönen Monet: Du kannst sie erst sinnvoll erfassen und beurteilen, wenn du sie mit dem nötigen Weitblick in Gänze betrachten kannst. Das Schöne ist: Das kannst du trainieren.

Denn dein gedanklicher Weitblick ist eng verknüpft mit dem rein physischen Blick deiner Augen. Teste das ruhig einmal aus: Wenn du beispielsweise am PC merkst, wie deine Augen sich immer mehr an diesen einen Absatz im Geschäftsbericht klammern, dann entspanne bewusst deine Augenpartie. Lass die Stirn weich werden und du wirst sehen, wie dein Sichtfeld ganz allmählich aufgeht. Wie du erst den ganzen Bildschirm, dann den Schreibtisch und schließlich den ganzen Raum um dich herum im Weitblick wahrnimmst. Das tut nicht nur deinen überfokussierten Augen gut, sondern schenkt auch deinem Gehirn mehr Platz zum Denken. Schön, nicht wahr?

Tagträumer*innen erwünscht!

Fokus ist toll, wenn du einen Brief verfasst, eine Tasse abspülst, beim Fußball einen Elfmeter verwandeln willst. Aber sobald die Situation komplexer wird, wirst du ohne Weitblick nicht weit kommen. Dein Weitblick hilft dir, dich zu orientieren, Muster und Zusammenhänge zu erkennen, einzelne Momente und Gedanken in den Gesamtkontext einzuordnen. Es ist dieser Weitblick, der dich Chancen und Möglichkeiten sehen lässt und mit dem du kreativ sein kannst.

Darum gönne dir ab und an ruhig ein bisschen Tagträumerei. Lass den Blick schweifen, entspanne bewusst deine Augenmuskulatur und freu dich darauf, dass dein wohltuender Weitblick zurückkehrt. Ich bin sicher, er wird dir direkt viel von deinem Stress nehmen.

Viel Spaß beim Experimentieren!

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