Foto: Instagram I lisaandlena

Musical.ly – die spannendste App, die Erwachsene noch nicht kennen

Noch traurig darüber, als Kind selbst nie in der Mini Playback Show aufgetreten zu sein? Wischt euch die Tränen aus den Augen, eine neue App schafft Abhilfe für uns alle. Aber Vorsicht: Die Konkurrenz ist so stark wie noch nie.

 

Hello, it’s me! 

Kaum haben wir uns an Snapchat gewöhnt, kommt das nächste Social-Media-Phänomen um die Ecke: musical.ly. Unter Teenagern ist die App gerade extrem angesagt: In den vergangenen Monaten hat die Plattform sich eine weltweite Community von etwa 40 Millionen Nutzern aufgebaut. Tendenz steigend. Aber ganz ehrlich? Wen wundert’s, haben die Eltern und Großeltern der Kids doch längst Facebook, Whatsapp und Instagram für sich erobert. Da müssen Teenager doch irgendwo anders hin ausweichen.

Die Haarbürsten-Performance war einmal

Früher haben Kids aktuelle Popsongs noch vor dem Spiegel performt, jetzt tun sie es bei musical.ly und kreieren damit nicht nur ihre eigene Mini Playback Show, sondern erreichen damit unter Umständen sogar ein Millionenpublikum. Denn bei musical.ly dreht sich alles um Videos. Über die App können Nutzer maximal 15 Sekunden lange Videos erstellen, die sie mit bekannten Songs aus unterschiedlichen Musikgenres oder Zitaten aus Serien, Filmen und Comedy-Shows unterlegen. Die so entstanden Clips werden „Musicals“, ihre Anwender „Muser“ genannt. Wer jetzt an die schlechte Qualität einiger Coversongs auf Youtube denkt, weit gefehlt. Die Nutzeroberfläche ist überschaubar und leicht zu bedienen. Zur Auswahl stehen ein paar Filter, grundlegendes Schnittwerkzeug und ein Textfeld. 

Ein wichtiger Aspekt bei musical.ly: die Plattform lebt vom Community-Gedanken. Jeder Muser kann sich ein öffentliches Profil anlegen, dem andere Nutzer folgen können. Ähnlich wie auf den meisten Social-Media-Plattformen können auch hier Videos mit Likes bewertet und kommentiert werden. Besonders beliebt ist bei musical.ly die Möglichkeit, jemanden zu einem Duett aufzufordern. Mit dem sogenannten Leaderboard fördert die App den Wettbewerbsgedanken. Täglich erstellt die App automatisiert eine Bestenliste anhand der Herzen, die der Muser am Vortag bekommen hat. 

Die neue Talentschmiede

Bereits 2014 gelaunched, feiert die App aus China erst jetzt den großen Durchbruch. Antrieb gab der App laut Crunchbase eine weitere Finanzspritze in Höhe von 16,6 Millionen US-Dollar im August 2015. Besonders beliebt ist musical.ly bei Teenagern in den USA, aber auch in Deutschland wird die App immer populärer. Das Lip-Sync-Prinzip kennen wir schon von der App Dubsmash, die vertikalen Videos sind auch schon von Snapchat bekannt. Musical.ly verbindet gekonnt die Konzepte der beiden Apps, die sich ebenfalls besonders bei Teenagern großer Beliebtheit erfreuen: Beide wurden bereits millionenfach heruntergeladen. 

Die 15-jährige Ariel Martin, die populärste Nutzerin der App, hat jetzt schon 9,11 Millionen Follower und ihre 617 Musicals sahnten bislang knapp 380 Millionen Herzen ab. Unter ihrem Namen „BabyAriel“ veröffentlicht sie auf dem sozialen Netzwerk vor allem Playbackvideos von Rap- und Popsongs und das sehr professionell. Alle Gesten sitzen perfekt. Beweisvideo folgt. Ihre immense Reichweite überträgt sich auch auf ihre anderen sozialen Kanäle: Die Videos auf ihrem Youtube-Kanal wurden bis heute 49,4 Millionen Mal angeschaut und werden von 1,1 Millionen Nutzern abonniert, bei Instagram hat sie 2,4 Millionen Abonnenten und knapp 247.000 Facebook-Fans. 

Die Schülerin Ariel Martin, alias „Baby Ariel“ aus Florida, ist der größte Star von musical.ly

Tja, hätten wir den Tanzkurs mal lieber doch nicht so früh an den Nagel gehängt. Ein paar geübte Moves könnten uns im aktuellen Kurzvideo-Wettbewerb sicherlich nicht schaden.

Für Deutschland ganz vorne mit dabei: Lisa und Lena

Die Zwillinge mit dem süßen Zahnspangenlächeln kommen aus dem Stuttgarter Raum und sind gerade einmal 13 Jahre alt. Beide haben innerhalb weniger Monate eine steile Karriere in dem Netzwerk hingelegt und über 3 Millionen Fans gesammelt. Ihre 79 Musicals wurden aktuell 56,4 Millionen Mal mit einem Herzchen versehen. Falls für uns alte Hasen an dieser Stelle ein Instagram-Vergleich nötig ist: dort haben sie schlappe 1,7 Millionen Abonnenten. Hinter ihrem Erfolg steht ein einfaches Rezept: Alle Videos, die sie auf der Plattform einstellen, posten sie anschließend auch auf ihrem Instagram-Account. Weitere Erfolgsfaktoren sind sicherlich auch, dass die beiden Mädels einfach sympathisch sind und ihren Fans immer wieder originelle Choreographien bieten. 

Das Erfolgsduo Lisa und Lena mit Caps aus ihrer eigenen Compose-Kollektion Bild: Instagram I lisaandlena

Den Erfolg und ihre Reichweite haben sie direkt genutzt und gemeinsam mit einem professionellen Management ein eigenes Modelabel mit dem Namen „Compose“ hochgezogen. Wer genau hinsieht, kann im Markennamen eine Anspielung auf den Musik Bezug entdecken: compose = komponieren. Und das Sortiment kann sich sehen lassen: Der Online-Shop ist gefüllt mit Mützen, Caps, Shirts, Jacken und Pullovern, einige mit der Aufschrift „Com‘ Pose with me“ („Komm und posiere mit mir“). Herrlich! Die Preise liegen zwischen 20 und 60 Euro, sich aus der Compose-Kollektion ein schickes Outift zusammenzustellen, liegt für heutige Teenager also absolut im Rahmen des Möglichen. Ein weiterer kluger Schachzug: Für Werbung muss gar kein zusätzliches Geld ausgegeben werden, schließlich trägt das Zwillingspärchen die Kleidungsstücke meist in ihren eigenen Videos zur Schau. Die zahlreichen Fan-Accounts auf jeder gängigen Plattform und liebevoll angefertigte Fan-Zeichnungen der beiden (zu sehen auf ihrem Instagram-Profil) zeigen: potentielle Käufer gibt es reichlich. 

The Next Big Thing?

Ob der Aufstieg von musical.ly weiterhin so kometenhaft verläuft, bleibt abzuwarten. Schließlich wird die App bislang hauptsächlich von einem sehr jungen Klientel genutzt, das auf der einen Seite leichter zu beeindrucken und kauffreudiger ist, auf der anderen Seite aber auch deutlich launischer. Einer Befragung von Business Insider zufolge bezeichneten 10 von 60 Befragten amerikanischen Jugendlichen musical.ly als spannendste App, die Erwachsene nicht kennen würden. Das Beispiel von Lisa und Lena lässt vermuten, dass die Werbebranche hier nicht all zu lange auf sich warten lässt, um den neuen Markt für sich einzunehmen – dann kommen auch die Erwachsenen.

Spannend bleibt in jedem Fall, wie schnell mit wachsender Bekanntheit der App auch das Durchschnittsalter der „Muser“ steigen wird und wann die Eltern sich zu den Kids gesellen. Wir sind auf jeden Fall schon fleißig am Üben.

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