Foto: Polina Zimmerman/Pexels

Was du gerade tust, ist keine Remote-Arbeit – du versuchst mit einer globalen Krise zurechtzukommen

Was zurzeit allgemein unter „Homeoffice“ läuft, ist nichts anderes als der Versuch, mit einer globalen Pandemie fertigzuwerden, schreibt Naomi Ryland von tbd* – dementsprechend sollte man nachsichtig mit sich und dem eigenen Team sein.

Seid nicht zu streng mit euch!

Wir, das Team von tbd*, arbeiten inzwischen seit über neun Monaten remote, also ortsunabhängig. Seitdem sich die Corona-Krise ausgeweitet hat und viele Arbeitnehmer*innen in Deutschland – und weltweit – auf einmal ins Homeoffice wechselten, bekommen wir täglich Anfragen, ob wir helfen können. Wie kann man von zuhause am effektivsten arbeiten? Wie motiviert man Angestellte im Homeoffice? Wie soll man seinen Tag strukturieren? Welche Tools sind am besten geeignet?

Wir haben versucht, diese Fragen zu beantworten, haben zwei kostenlose Webinare angeboten, deren Plätze innerhalb kürzester Zeit ausgebucht waren, und haben Q&A-Sessions für mehrere Organisationen und Firmen durchgeführt. Mittlerweile haben wir viele Tipps und Tricks gesammelt, und auch Erfahrungen, auf die man verzichten kann, und haben all das in diesem Artikel gesammelt.

Es gibt jedoch eine Sache, die unserer Meinung nach gesagt werden muss: Was du und dein Team gerade macht, ist kein Remote-Arbeiten. Was ihr macht, ist eine Bewältigungsstrategie, um mit einer so nie da gewesenen globalen Krise klarzukommen. Hier also ein paar alternative FAQs zu euren häufigsten Fragen zum Arbeiten im Homeoffice:

Wie kann ich von zuhause am effizientesten arbeiten?

Betrachten wir das Ganze aus der richtigen Perspektive: Was hier gerade geschieht, ist keine Remote-Arbeit. Es ist eine beispiellose Notsituation, welche die ganze Welt betrifft. Die „klassische“ Remote-Arbeit ist eine freiwillige Entscheidung, die eine Organisation in Betracht zieht, dafür plant, mit Blick auf diese Entscheidung Leute anstellt und die passenden Strukturen dafür erstellt. In der aktuellen Situation haben viele Firmen quasi über Nacht entschieden, dass alle Mitarbeiter*innen im Homeoffice arbeiten sollen. Es wird viel Zeit brauchen, bis sich alle eingewöhnt haben und – seien wir ehrlich – manche werden sich nie komplett daran gewöhnen. Akzeptiert es, geht einen Schritt nach dem anderen und seid so anpassungsfähig, wie es euch eure eigenen Bedürfnisse und die eurer Teammitglieder erlauben.

Wie sollte man seinen Tag im Homeoffice strukturieren?

Entscheidend ist, dass man bei der Remote-Arbeit an jedem Ort der Welt arbeiten kann. Egal ob das ein Café, ein Zuhause oder ein Coworking-Space ist. Man kann sogar theoretisch jeden Tag von einem anderen Ort arbeiten! Mittags Freund*innen treffen, auf eine Veranstaltung am Abend gehen und vor der Arbeit eine Runde im Schwimmbad drehen.

Was viele momentan erleben, ist Homeoffice in Isolation. Das. Gab‘s. Noch. Nie. Es gibt keine Erfahrungen, Regeln oder kluge Ratgeberbücher zu diesem Szenario. Lege deinen Fokus von Tag zu Tag neu auf deine Zeit, probiere Dinge aus und finde so raus, was sich für dich gut anfühlt – deinen eigenen Weg, wie du deine Arbeit erledigen kannst und dabei gesund bleibst. Jede*r ist anders und bevorzugt andere Methoden.

Welche sind die besten Tools und Software für die Remote-Arbeit?

Die mentale und körperliche Gesundheit deiner Arbeitnehmer*innen und Teammitglieder sollte jetzt deine absolut erste Priorität sein – wichtiger als Produktivität, Effizienz und „Was sind die besten Projektmanagement-Tools?“.

Ihr wolltet immer an der Firmenkultur arbeiten, habt aber nie die Zeit dafür gefunden? Oder hast du dich gefragt, wie du ein großartiger Coach und Fürsprecher*in der psychischen Gesundheit für dein Team sein kannst? Es ist deine Zeit zu glänzen! Die Manager*innen und Kolleg*innen, die jetzt die Gunst der Stunde nutzen und in das Wohlbefinden ihres Teams investieren, werden in ein paar Monaten mit den loyalsten, kreativsten und vor allem resilientesten Menschen zusammenarbeiten. Check-Ins und Check-Outs vor und nach jedem Meeting sind ein absolutes Muss. Nehmt. Euch. Zeit. Wir laufen einen Marathon, keinen Sprint.

Wie kann ich die Produktivität und Motivation meines Remote-Teams steigern?

Es gibt eine simple Antwort auf diese Frage: einfach keine globale Gesundheitskrise haben. Unter diesen extremen Umständen wird die Produktivität der meisten Menschen eher gering sein. Zumindest für den Anfang. Die Lage ist äußerst unberechenbar und beunruhigend. Sich selbst und andere unter Druck zu setzen, um unerreichbare Fristen einzuhalten, ist nicht der richtige Weg, um damit umzugehen. Nimm dir Zeit. Atme durch. Finde heraus, welche physischen und mentalen Ressourcen ihr (du und dein Team) braucht, um den Tag zu überstehen – ob das nun Meditation, Schokolade oder eine Stunde Plauderei statt einer straffen Tagesordnung ist – und stellt sicher, dass ihr sie bekommt.

Wie kann ich meine Arbeit erledigen, während meine Kinder zuhause sind?

Wenn deine Kinder momentan zu Hause sind, akzeptiere, dass du nicht arbeiten und sie von Zuhause unterrichten kannst. Du wirst dein Bestes tun, um das zu überstehen und sicherzustellen, dass deine Kinder es durchstehen und das ist alles, was du von dir selbst verlangen kannst. Wenn du in führender Position bist und Kolleg*innen leitest, die in dieser Situation sind, musst du darauf vertrauen, dass sie ihr Bestes geben. Und sie werden dieses Vertrauen genau damit zurückzahlen: ihrem absolut Besten, jetzt und für immer. Etwas anderes von ihnen zu verlangen, wäre absolut destruktiv.

Du tust bereits genug. Pass auf dich auf. Kümmere dich um deine Teamkolleg*innen. Kümmere dich um deine Kinder. Die Reduzierung von Stress ist in einer Zeit wie dieser absolut unerlässlich. Lass nicht zu, dass „Remote Work“ etwas ist, das dich oder dein Team belastet. Nur du kannst das kontrollieren. Es ist deine Entscheidung.

Dieser Text erschien in einer englischen Version auf  der Website unseres Partners tbd* .

Naomi Ryland ist eine der Gründerinnen von tbd*, der digitalen Anlaufstelle für Menschen, die im Job die Welt verändern wollen. 2019 veröffentlichte sie gemeinsam mit Lisa Jaspers das Buch „Starting a Revolution: What we can learn from female entrepreneurs about the future of business”. Die beiden waren übrigens auch zu Gast in unserem Podcast „Alles Anders“, hier reinhören.

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